Samstag, 7. April 2018

♂ Scythe - Der Zorn der Gerechten (Neal Shusterman) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

„Der Gedanke, dass die weisesten und mitfühlendsten aller Menschen auch diejenigen sein sollten, die Leben beendeten, um die Unsterblichkeit zu kompensieren, war eine perfekte Idee für eine perfekte Welt.“
(S.146)
Citra, die nun eine ausgebildete Scythe ist und sich Anastasia nennt, hat eine eigene Art entwickelt, ihre Nachlesen durchzuführen. Sie gibt den Menschen noch Zeit, letzte Dinge zu erledigen, bevor sie nachgelesen werden. Nicht bei allen Scythe stößt sie damit auf Verständnis, doch im Endeffekt wird ihr Vorgehen akzeptiert.

Rowan ist die Flucht gelungen. Auch wenn er die Ausbildung nicht erfolgreich beendet hat, nennt er sich nun Scythe Luzifer. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Scythe nachzulesen, die am Töten zunehmend Freude empfinden und fragwürdige Methoden für die Nachlese anwenden. Und dafür wird er vom Scythetum gejagt. Bisher konnte es jedoch keinem Scythe gelingen, ihn zu fangen. Zum ersten Mal gibt er nun einem Scythe die Chance, sein Handeln zu ändern. Doch war diese Nachsicht ein Fehler?

Als sich Anastasia zusammen mit Scythe Curie auf dem Weg zu einer Nachlese befindet, entgehen sie nur knapp einem Anschlag. Doch wer trachtet nach ihrem Leben? Wem sind die beiden im Weg? Steckt vielleicht sogar der abtrünnige Scythe Luzifer hinter diesem Terrorakt? Eines ist zumindest klar. Das Scythetum verändert sich zusehends und die Kluft zwischen den Lagern wird immer breiter.
Der erste Band der Reihe „Scythe – Die Hüter des Todes“ hatte mir hervorragend gefallen und ich empfand die umgesetzte Idee als neu und vielversprechend. Es war also keine Frage, dass ich „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ deshalb auf jeden Fall weiterlesen musste. Meine Freude war deshalb groß, als das Buch nun endlich bei mir einziehen konnte. Und so stürzte ich mich dann auch gleich in die Seiten.

Und was soll ich sagen. Man hat ja immer wieder so seine Befürchtungen, dass man bei einer Fortsetzung vielleicht nicht wieder in die Geschichte findet. Doch diese Befürchtung war hier bei dieser Fortsetzung völlig grundlos. Sofort war ich wieder in der Geschichte von Neal Shusterman gefangen. Die Charaktere und die vorangegangenen Handlungen waren direkt wieder präsent, so dass ich mich ohne Ablenkung auf die vor mir liegenden Seiten konzentrieren konnte.

Sowohl Sympathien als auch Antipathien zu handelnden Personen waren bei mir wieder vorhanden und wurden im weiteren Verlauf mitunter vertieft. Beeindruckt war ich definitiv von Citra, die sich nun Scythe Anastasia nennt, dass sie sich ihrer Aufgabe stellt und mehr noch, bei dieser schwierigen Arbeit noch Menschlichkeit zulassen kann und richtige Entscheidungen trifft. Dass in Zeiten von Unsterblichkeit ein Gegengewicht in Form der Scythe vorhanden sein muss, um Überbevölkerung zu vermeiden und damit Ressourcen zu verknappen, dürfte jedem klar sein. Und doch hinterlässt gerade das Scythetum einen ethischen Beigeschmack. Denn natürlich sind die Scythe auch Menschen. Und diese Menschen treffen eine Auswahl zur Nachlese. Doch welche Kriterien setzt der einzelne an, die einem anderen den Tod bescheren? Und eines darf man dabei nicht außer Acht lassen – auch Menschen machen Fehler. Doch trotz dieses Beigeschmacks ist die Idee selbst meines Empfindens nach faszinierend. Und darüber hinaus hat Neal Shusterman dieses Szenario in einzigartiger Weise umgesetzt und fesselte mich mit seiner Art, seine Geschichte zu erzählen.

Ich erlebte „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ aus verschiedenen Perspektiven, erzählt in dritter Person Vergangenheit. Ein weiterer Punkt, der diese Geschichte aus der Masse heraushebt ist, dass Neal Shusterman eine künstliche Intelligenz, den Thunderhead, herausragend präsentiert. Der Thunderhead, ein Supercomputer, der die Geschicke der Menschheit lenkt, kommt auch immer wieder gezielt zu Wort. Zu beachten ist hierbei, dass es eine klare Trennung von Scythetum und Thunderhead geben muss, damit das Gleichgewicht nicht ins Wanken kommt. Doch genau hier liegt ein großes Dilemma. Auch wenn der Thunderhead spürt, dass ein Eingreifen in die Handlungen der Scythes einen günstigeren Verlauf ergeben würde, darf dies auf gar keinen Fall geschehen. Denn damit würde der Thunderhead die Gesetze verletzen. Und doch ist es dem Autor gelungen, den Thunderhead, also mehr oder weniger eine Maschine, zunehmend menschlicher wirken und Emotionen zuzulassen. Denn es war mehr als spürbar, in welcher Sackgasse der Thunderhead steckte.

Wieder einmal hat es Neal Shusterman geschafft, mich mit seinem Weltentwurf zu fesseln und überraschende Handlungsstränge zu entwerfen. Auch in ruhigeren Passagen war nicht einmal ein Ansatz von Längen zu entdecken, vielmehr fühlte ich mich an die Geschichte gebunden und war von den eingeworfenen Entwicklungen gebannt. Der Autor hat definitiv mit dieser Fortsetzung ein umwerfendes Gesamtkonstrukt entworfen, dem ich mich kaum entziehen konnte. Eindeutig konnte „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ das Niveau des Vorgängers mindestens halten.

Natürlich erwartete zum Ende hin ein Showdown gewaltigen Ausmaßes, der der Geschichte nochmal die Krone aufsetzen konnte. Mit dem von Neal Shusterman sodann gewählten Ende spielte der Autor dann nochmals kurz auf dem Emotionsnerv und lässt mich nun mehr als gespannt auf das Finale zurück. Vielen Dank, lieber Neal Shusterman, für diese meisterhaft umgesetzte Idee!

Scythe – Der Zorn der Gerechten“ brilliert mit einer meisterhaft umgesetzten Idee und einem spannenden Handlungspaket, so dass ich mich der Sogwirkung der Seiten keinesfalls entziehen konnte. Ich komme deshalb nicht einmal ansatzweise umhin, für das erlebte Spektakel an der Seite von Citra die Höchstpunktzahl zu vergeben – verdiente 5 Bücher.

Für alle, die den Tod als Endkonsequenz akzeptieren, dabei auf Gerechtigkeit vertrauen und sich von Ungerechtigkeiten nicht aus der Bahn werfen lassen. Für alle Fans des ersten Bandes ist diese Fortsetzung ein absolutes Must-Read!
1. Scythe – Die Hüter des Todes (Rezension)
2. Scythe – Der Zorn der Gerechten
3. The Toll (Arc of a Scythe #3) - OT





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Kommentare:

  1. Das klingt gut!!
    Ich muss mein aktuelles Buch noch zu Ende lesen und dann mache ich mich an diesen "Schinken". Ich bin sooo gespannt, da ich Band 1 genial fand!
    LG Claudia

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    1. Liebe Claudia,

      wenn dir Band 1schon gut gefallen hat, wirst du die Fortsetzung lieben! Ich wünsche dir ganz viel Lesespass damit ☺️

      Liebe Grüße

      Kay

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  2. Die Reihe hört sich echt unglaublich spannend an! :)

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