Samstag, 24. März 2018

♀ Das dunkle Herz (Lukas Hainer) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.


Vor 10 Jahren ist Annas älterer Bruder spurlos verschwunden. Ihre Eltern lassen nicht los und während einer Gedenkfeier zu seinen Ehren passiert es dann: Anna wird schwarz vor Augen und sie erwacht an einem anderen Ort – in der Wüste nahe einer halb zerfallenen Stadt. Das Handy hat keinen Empfang, alles wirkt falsch an diesem Ort – und doch ist sie nicht die einzige Person. Nach und nach sammeln sich neben Anna und Nick noch zahlreiche andere Personen, verschanzen sich, nutzen die Situation aus, um ihre Machtgier zu befriedigen. Während all der teils brutalen Ereignisse glaubt Anna immer wieder, Hinweise auf ihren verstorbenen Bruder Ben zu finden. Sie und Nick folgen diesen Hinweisen und stoßen auf ein finsteres Geheimnis.
Der Klappentext und das düstere Cover haben mich definitiv neugierig gemacht und ich musste einfach zu Lukas Hainers „Das dunkle Herz greifen“.

Nach einem unheilvollen Prolog, dessen Erzählstimme auch während der laufenden Geschichte immer wieder auftaucht, geht es direkt ins Geschehen. Anna befindet sich im einen Moment auf der Gedenkfeier für ihren vor langer Zeit verschollenen Bruder, im nächsten in der Hitze der Wüste, wo sie plötzlich um ihr Überleben – um Nahrung, um Wasser - kämpfen muss.
Wie unter besonderen Umständen reagieren auch hier all die „Ankömmlinge“ unterschiedlich. Die einen hängen sich an andere, die sich nur zu gerne zu Anführern küren – doch das, was an diesem Ort „besonders“ ist, ist von Beginn an zu spüren: die Bedrohung.

Der Autor spielt mit dieser Bedrohung, legt immer etwas Neues nach. Von den „Heulern“ bis hin zum Verdursten, unbändigem Hunger und dem „Verrücktwerden“ mancher Persönlichkeiten, dabei geht es nicht immer unbrutal zu, aber noch in einem dem Jugendbuch angemessenen Rahmen. Positiv erwähnt werden muss auch, dass der Autor sich in mehr als einer Szene mit Vorurteilen auseinandergesetzt hat.
Während sich Anna und ihr neuer Verbündeter Nick von einer Gruppierung zur nächsten flüchten, Möglichkeiten eines Entkommens ersinnen, findet sie Hinweise, die ihrer Meinung nach auf Annas verschwundenen Bruder deuten.

Die Geschichte wird in dritter Person erzählt, in der Regel aus der Sicht von Anna, aber wie erwähnt gibt auch immer wieder die Perspektive des „alten Mannes“ einen Einblick von außen, der die Spannung etwas hebt.
Der Schreibstil ist nüchtern, eher kühl als zu detailliert, weshalb vielleicht auch das Gefühl bei mir aufkam, keine Beziehung zu den Figuren herstellen zu können. Trotz dieser enormen Tortur und der teils ausführlich beschriebenen Leiden konnte ich nicht mit ihnen fühlen. Ebenso wenig wie mit den zart aufkommenden Gefühlen zwischen Anna und Nick. Eher fieberte ich der Auflösung entgegen, der Erklärung, wie ich sie in solchen Szenarien schon sehr oft gelesen habe – und mich daher auch gleichzeitig fürchtete, weil sie alles Vorangegangene völlig nichtig oder unnötig erscheinen lassen könnte. Nach etlichen Hürden erhielt ich sie dann auch – und sie war im Gegensatz zum Rest des Buches, das sich nach realem Survival- oder Bootcamp las, sehr Fantasy-lastig. Der Epilog gibt dann noch einen kleinen Ausblick darauf, dass es „erst begonnen“ hat, nachdem die erste Hürde gemeistert ist.
Wer auf Überlebensszenarien à la „Das Labyrinth erwacht“ steht, wird auch an „Das dunkle Herz“ von Lukas Hainer seine Freude haben. Für mich war der Kampf ums Überleben und die Hinweissuche zu distanziert und die Lösung dann – wie so oft – beinahe etwas zu abstrakt. Die Fortsetzung jedoch könnte sich interessant entwickeln.



Weitere Meinungen zum Buch findet ihr hier:

*wir haben noch keine weiteren Meinungen gespeichert*
Ihr habt das Buch ebenfalls rezensiert?
Packt uns gerne den Link in die Kommentare.

Kommentare:

  1. Hey,

    ich habe die Story auch schon gelesen und muss sagen, dass mir die Bewertung sehr schwer gefallen ist. Ich mochte die Grundidee wirklich gerne, aber die Umsetzung konnte mich einfach nicht so wirklich mitziehen. Die Charaktere blieben mir teilweise auch zu weit entfernt, was ich wirklich schade fand. Aus diesem Grund wird es wohl auch eine ähnliche Punktezahl erhalten wie bei dir... sehr schade eigentlich. :(

    Liebe Grüße, Ruby

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielleicht packt uns dann ja die Fortsetzung :-)

      Liebe Grüße

      Steffi

      Löschen
  2. Huhu
    Ich hab gerade in den ersten 50 Seiten reingelesen und bin, sagen wir mal, ernüchtert. Die Sprache wirkt auf mich selbst für ein Jugendbuch sehr einfach und abgehackt. Was mich aber richtig gestört hat sind Sachen wie
    S. 27 wo ein dicklicher Mann mit einem Schwein verglichen wird oder S. 39 wo Nick sagt, er ist der einzig normale in der Familie, als ob alle mit ein bisschen mehr auf der Hüfte unnormale Freaks wären und Anna lacht auch noch darüber. Sicherlich wollte Hainer dort aussagen, das Nick der einzige mit einer schlankeren Statur ist, doch das kann man doch anders formulieren.
    Das finde ich schon sehr grenzwertig, eigentlich schon diskriminierend und ich hab gerade keine große Lust das Buch weiter zu lesen, daher meine Frage an dich: folgen noch mehr solcher Kommentare im Verlauf der Handlung?

    LG Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist mir an der Stelle auch aufgefallen und ich habe geschluckt :-/
      Später kommt in die Richtung aber glaub nichts mehr - oder mir ist es nicht so sehr entgegen gesprungen :-/

      Liebe Grüße

      Steffi

      Löschen
  3. Halli hallo

    Ich fand das Interview mit dem Autor sehr interessant, wie er denn auf die Idee gekommen ist oder was in inspiriert habe.
    Jetzt habe ich tatsächlich bei der Leserunde von L. B Glück gehabt und bin mehr als gespannt wie es mir ergehen wird.

    Liebe Grüsse
    Bea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. P.s.
      Ach du Schande dachte das sei ein Einzelband.....

      Löschen
    2. Dachte ich auch - aber es ist eindeutig nur die Einführung :-)
      Jetzt bin ich gespannt, was du sagst.
      Viel Spaß beim Lesen!

      Liebe Grüße

      Steffi

      Löschen
    3. Ich bin jetzt auch durch und habe auch 3 Sterne vergeben.
      Bis in die Hälfte des Buches war ich durchaus mitgerissen danach störte mich allerdings die Distanz zu den Charakteren immer wie mehr.
      Sie wurden mir immer wie egaler, manche Dinge empfand ich als nicht ganz so rund/ stimmig, gegen Ende ging mir alles zu schnell und die momentane Auflösung ist mir ebenfalls zu abstrakt.

      Ich werde definitiv nicht weiterlesen.....

      Löschen
    4. Ging mir ja genauso. Ob ich weiterlesen werde, hängt von den Meinungen zur Fortsetzung ab. Irgendwas an dem Buch war für mich auch unstimmig, irgendwie seltsam...

      Löschen
  4. Klingt interessant. "Das Labyrinth erwacht" hat mir leider überhaupt nicht gefallen. Aber ich mag spannende Überlebenskämpfe :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann könnte es durchaus etwas für dich sein... :-)
      Was am Labyrinth hat dir nicht gefallen?

      Ganz liebe Grüße

      Steffi

      Löschen

Für die erforderliche Zuordnung des Kommentars wird man personenbezogene Daten speichern, u.a. Name, E-Mail und IP-Adresse.
Durch Absenden des Kommentars erklärt der User sich hiermit einverstanden.