Mittwoch, 28. Februar 2018

♂ Im dunklen dunklen Wald (Ruth Ware) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

„Ich spürte, wie die frostige Nachtluft mich umhüllte und mein erhitztes Gesicht, meine schweißnassen Handflächen kühlte. So stand ich da, lauschte dem Pochen meines eigenen Herzens und versuchte, die Schläge zu verlangsamen, ruhiger zu werden.“
(S.191)
Nora ist Schriftstellerin, ihre Tage gleichen sich. Als sie eine E-Mail mit einer Einladung zum Junggesellinnenabschied von Clare bekommt, ist sie mehr als erstaunt. Denn seit nunmehr zehn Jahren hatte sie keinen Kontakt mehr zu Clare, obwohl sie früher beste Freundinnen waren. Doch nach der Sache mit James hatte Nora damals als Sechzehnjährige den Entschluss gefasst, mehr oder weniger von einem auf den anderen Tag die Stadt zu verlassen. Nun lebt Nora in London.

Wider besseren Wissens entschließt sich Nora, zum Junggesellinnenabschied zu fahren. Gemeinsam mit ihrer Freundin Nina macht sie sich auf den Weg. Als sie an dem einsamen Haus mitten im Wald ankommen, beschleicht sie sofort ein seltsames Gefühl. Doch damit nicht genug. Bald darauf wacht Nora schwerverletzt im Krankenhaus auf. Und hat einen großen Teil ihrer Erinnerungen verloren.
„Im dunklen dunklen Wald“ ist mir schon ein paarmal im Internet über den Weg gelaufen. Als ich es dann vor kurzem im Buchlanden in der Hand hatte, musste ich es einfach mitnehmen. Ich war davon überzeugt, dass die Geschichte eindeutig etwas für mich sein musste.

Als ich dann in die ersten Seiten hineingelesen hatte, bestätigte sich mein erster Eindruck dann auch vorerst. Ich traf auf Nora, konnte mich mit ihrem Leben bekanntmachen. Sehr gut gefiel mir auch Noras Beruf, denn sie ist Schriftstellerin.

Natürlich fand auch ich es dann seltsam, als Nora eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemals besten Freundin erhielt. Denn immerhin hatte sie schon seit so langer Zeit keinen Kontakt mehr zu Clare. Doch sie kann über ihren Schatten springen und sagt der Einladung zu.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Nina bricht sie auf und bald kommen sie auch an diesem einsamen Haus im Wald an, in dem die Party steigen soll. Die hier geschaffene Atmosphäre traf dann auch wirklich meinen Geschmack. Das düstere Gefühl, was sich hier beim Lesen einschlich, versprach eine entsprechende Handlung. Irgendwann musste ich jedoch einsehen, dass die konstruierte Kulisse allein dann doch nicht ausreicht. Denn bis wirklich einmal etwas in der Handlung geschah, musste ich schon sehr, sehr lange warten. Auch wenn immer mal wieder ein kurzer Anflug von Spannung aufflackerte, zog sich die Geschichte dann doch gefühlt ein wenig. Hatte ich ein durchgängiges Gänsehautgefühl erwartet, überkam mich dieses lediglich in leichten Ansätzen. Dennoch wollte ich nicht aufgeben und las weiter; immer in der Hoffnung, dass der große Knall sicherlich noch kommen würde.

Was ich nicht so ganz erwartet hatte, war die Entwicklung von Nora. Denn damals, als sie die Stadt verlassen hatte, war sie mit James zusammen, der per SMS mit ihr Schluss gemacht hatte. Und das konnte Nora seitdem nicht überwinden. Immer wieder wird ihr James präsent. Und die Nachricht, die sie von Clare am ersten Abend vor dem Haus erhält, steigert das Ganze dann noch. Für mich fühlte es sich damit zunehmend eher wie ein Personenkult an, für meinen Geschmack ein wenig zu übertrieben.

Ruth Ware lässt Nora die Geschichte aus ihrer Ich-Perspektive erzählen und passt in den Kapiteln die Zeitformen entsprechend an. Trotz der gewählten Ich-Perspektive konnte ich dennoch leider kaum Zugang zu Nora finden. Auch die anderen Charaktere blieben dabei aus meiner Sicht ein bisschen blass.

Und so kam, was kommen musste. Im weiteren Verlauf der Geschichte ertappte ich mich immer wieder dabei, dass ich Sätze unwillkürlich überflog, auch wenn ich im Endeffekt natürlich die Hintergründe wissen wollte. Der Schreibstil von Ruth Ware ist grundsätzlich auch flüssig, ohne Ecken und Kanten, und dabei gut zu lesen. Wobei die Autorin auch immer wieder Nebensächlichkeiten in die Handlung einfließen lässt.

Ein kleiner Showdown zum Ende konnte die Geschichte dann doch noch ein Stück weit rehabilitieren. Die Autorin lässt ihre Idee dann auch nachvollziehbar und mit einem befriedigenden Ergebnis ausklingen.
Im dunklen dunklen Wald" schafft eine grundsätzlich düstere Atmosphäre, die mit einigen gezielten Wendungen sicherlich noch mehr vom vorhandenen Potential entfalten könnte. Insgesamt sind mir meine Lesestunden im dunklen Wald verdiente 3 Bücher wert.

Für alle, die mit einer düsteren Kulisse umgehen können, dabei keine Angst bekommen und allen Situationen einen Schuss Skepsis behalten. 






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Kommentare:

  1. Hey!
    Ich kann deine Rezension sehr gut nachvollziehen, denn auch mich konnte die Geschichte nicht so recht packen. Ich fand sie am Anfang stark, aber im Mittelteil irgendwie zu lasch. Spannung kam nicht so recht auf.
    Hier geht es zu meiner Rezension, damals noch auf der Lesewelt.
    http://www.yvonnes-lesewelt.de/buchbesprechung-im-dunklen-dunklen-wald-ruth-ware/
    LG
    Yvonne

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    1. Hi Yvonne,

      ja, ich denke, da hätte man schon mehr rausholen können...Aber im Endeffekt war es ok.

      Liebe Grüße
      Kay

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  2. Wie immer eine schöne Rezension, Kay! :)

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