Samstag, 9. Dezember 2017

♀ Wintersong (S. Jae-Jones) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

Wenn der Winter kommt, braucht der Erlkönig eine neue Braut, um wieder Kraft zu schöpfen und den Frühling zu bringen.

Die Sage rund um den Koboldkönig kennen Liesl und ihr Bruder Josef nur allzu genau, schließlich haben sie früher immer im Koboldhain im Wald mit dem Erlkönig gespielt. Als sie jedoch groß sind und plötzlich Liesls Schwester geraubt wird, weigert Liesl sich, das Schicksal zu akzeptieren und macht sich auf den Weg, ihre Schwester zu retten.
Das Cover und der Klappentext machten mich von Anfang an neugierig auf dieses Buch und ich konnte es kaum erwarten, es endlich in den Händen zu halten.
Der Einstieg klappte dann sehr flott, auch wenn ich bereits spürte, dass diese Geschichte anders ist als erwartet. Der Winter naht und mit dem Oktober stirbt das alte Jahr und der Erlkönig sucht sich eine neue Braut. Ausgerechnet an diesem Tag müssen die unscheinbare Liesl und ihre hübsche Schwester Käthe in die Stadt, um das Instrument für ihren musikalisches-Wunderkind-Bruder Seppl zu holen. Es folgt die erste verwirrende Szene auf dem Markt, in dem Realität und Fantasie scheinbar vermischt sind und die Ich-erzählende Protagonistin Liesl nicht mehr weiß, was wirklich geschehen ist. Bis ihre Schwester dann tatsächlich verschwunden ist und es nur eine Lösung gibt: Der Koboldkönig hat sie geholt und Liesl will, nein, MUSS sie retten.

Zunächst muss gesagt werden, dass die Geschichte in Süddeutschland spielt und die Namen angemessen für jenes historisch angehauchte ländliche Bayern sind und auch im Original so zu finden sind – auch wenn sie mich anfangs doch zumindest kurzfristig irritiert haben.
Zur Protagonistin selbst konnte ich schwer eine Beziehung aufbauen, ihre Entwicklung jedoch ist deutlich spürbar und mit der Zeit gewinnt sie auch ein wenig an Sympathie, auch wenn die Distanz zwischen uns bis zum Ende hin vorhanden war. Auch die Dynamik zwischen den Figuren, die Beziehung der Geschwister und die zum Erlkönig, dem sie in die Unterwelt folgt, verändert sich im Laufe dieses ersten Bandes.

Der Schreibstil von S. Jae-Jones ist teils sehr blumig, lyrisch und poetisch. Oftmals gleitet man über die Seiten und bleibt dann wieder an fantastischen Details hängen. Die Erzählweise ist sehr musiklastig (das Glossar für die Begriffe ist im Anschluss an das Buch zu finden).
Gleich zu Beginn fällt auch auf, dass WinterSONG wortwörtlich gemeint ist, denn das Buch beginnt mit der Ouvertüre anstatt eines Prologs und das Thema zieht sich durch. Was für Klassikfans, Geigen- oder Klavierspieler vermutlich das gewisse Etwas, das Besondere an diesem Buch ist, war für mich mit der Zeit eine Qual. Episodenweise flog ich über Seiten mit Anleitungen zum Spiel, zum Komponieren, über das Stimmen der Geige usw., was mich deutlich von der Hauptgeschichte abhielt und die sich so teilweise wirklich zog.

Ich als jemand, der den Erlkönig in der Schule noch lernen musste (und ihn bis heute sogar noch einigermaßen kann, wie ich festgestellt habe), mochte die kühle, düstere Stimmung des Buches wirklich gerne, sie passt zu dem, was ich mit „Erlkönig“ verbinde. Was mich aber extrem störte, war das Wort Koboldkönig, was für mich einfach nicht zu der Legende über den teils grausamen Elfenkönig passte. Bei einem „Kobold“ fiel es mir schwer, irgendeine Art von Beziehung aufzubauen, auch wenn die Protagonistin von seinem Aussehen schwärmt, und so bekam ich nie ein richtiges Bild vom Erlkönig, das nichts mit hässlichen Kobolden zu tun hat. Auch die Zofen Zweig und Distel klangen für mich von der Beschreibung eher nach Nymphen/Waldelfen.


Die Liebesgeschichte war für mich auch nie wirklich greifbar. Mit der Ankunft in der Unterwelt hat sich Wintersong sehr nach „Beauty and the Beast“ angefühlt, doch war der Erlkönig viel distanzierter, verletzender (oder so kam es bei mir zumindest über Liesl an) als das Biest und so konnte ich auch darüber keine positiven Assoziationen wecken. So konnte mich das emotionale Hin und Her, das Zueinanderfinden über die Musik nie wirklich packen, wie es andere überzeugt hat und überzeugen wird. So war für mich das Ende auch nicht so, wie es die Autorin sicherlich geplant hat, um dem nächsten Band entgegenzufiebern.

Meine Erwartungen an „Wintersong“ waren hoch, vermutlich zu hoch. Dem Buch liegt eine tolle Idee zugrunde, die sicherlich – vor allem – Klassikfans lieben werden, doch für mich war es einfach nicht das richtige. Ich konnte nur schwer eine Beziehung zu den Figuren herstellen und daher fehlte es mir eindeutig an Emotionen beim Lesen. Für mich bedeutet das knappe drei Bücher für Liesl und den Erlkönig. Doch ich bin überzeugt, dass das Buch sehr viele begeisterte Leser finden wird.  
1. Wintersong
2. Originaltitel: Shadowsong




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Kommentare:

  1. Sehr schade, dass deine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Das Cover und der Klappentext klingen tatsächlich sehr vielversprechend. :)

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    1. Bei dem Buch scheiden sich scheinbar die Geister. Man liebt es oder man kann nichts damit anfangen...

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    2. Vielleicht kann ich ja mehr damit anfangen, mal sehen :)

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  2. Hi!
    Das Buch ist mir bei den Neuerscheinungen aufgefallen, aber ich wollte erst mal abwarten, wie die Leserstimmen dazu sind. Schade, dass es dir nicht gefallen hat. Es klang sehr vielversprechend und ich denke, dass die Punkte, die dich gestört haben, mich auch runterziehen würden beim lesen.

    Viele liebe Grüße!
    Ani

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    1. Ich hatte halt echt sehr hohe Erwartungen an das Buch, weil ich viele Meinungen zum Original kenne. Aber ich glaube das fürs Original so “fremde” bayrische Setting wirkt im
      Deutschen einfach nicht so und da ging viel verloren :-/

      Ganz liebe Grüße

      Steffi

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  3. Halli hallo

    Ich weiss noch als ich damals das englische Cover gesehen habe dachte ich nur Wow <3 und der Klappentext klang auch nicht übel.
    Umso mehr freute ich mich als ich es auf deutsch bei den Neuerscheinungs- Posts entdeckte.
    Tatsächlich war bei mir nach der Leseprobe aber schon klar...nee, nicht Meins und du bestätigst mich jetzt gerade, das meine Entscheidung richtig war!

    Liebe Grüsse
    Bea

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    1. Den Anfang fand ich noch ganz gut, daher wollte ich mehr. :-/
      Dein Bauchgefühl hat dich nicht getäuscht 👍🏻

      Ganz liebe Grüße

      Steffi

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  4. Huhu Steffi,

    ich hatte das Buch kurz nach Erscheinen im Original gekauft. Mir war gar nicht klar, dass vom Setting her sogar in Deutschland spielt! Schade, dass es nicht so ganz dein Fall war. Die zunehmend schlechteren Rezis nach Release haben mich bisher auch abgehalten, es zu lesen.

    Na mal sehen, vielleicht ist mir irgendwann danach :)

    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Ich bin mir fast sicher, dass hier so einiges durch die Übersetzung verlorenging, was im Original so "besonders" gemacht hat. Vielleicht gefällt es dir daher doch ganz gut, wenn du das Original liest.
      Bisher kenne ich die wirklich begeisterten Meinungen tatsächlich nur von Lesern des Originals, also muss da was dran sein :D

      Lies es, jetzt bin ich doch neugierig. :-)


      Ganz liebe Grüße

      Steffi

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  5. Hei Steffi,

    deine Rezension spiegelt so ziemlich meine Meinung wider. Ich glaube, es ist bei der Übersetzung viel kaputt gegangen, was sehr schade ist :(

    Liebe Grüße
    Mii von Mii's Bücherwelt

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    1. Das glaube ich halt auch. Die Originalleser schwärmen, die anderen sind kritisch :-/

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  6. Hallo Steffi,

    gerade dazu ging meine Rezi online und als ich auf der Suche nach weiteren Rezis war, die ich verlinken wollte, bin ich auf deine gestolpert. Ich hoffe es ist für dich ok, wenn ich deine Rezi bei meiner verlinkt habe. Und ich kann dir absolut zustimmen.

    Auch ich habe mich total auf das Buch gefreut und meine Erwartungen waren ziemlich hoch. Einfach weil die Geschichte so anders klingt. Und den Einstieg mochte ich auch total. Ebenso die erste Hälfte des Buches, dann verlor aber die Geschichte an Fahrt und plätscherte für mich nur so dahin. Auch über den Erlkönig selber hätte ich mir mehr gewünscht, gerade weil er schon irgendwie ein interessanter Charakter war :/

    Sehr schade.

    Ich lass mal meine Rezension da, falls du sie verlinken möchtest ;)

    http://catas-welt.blogspot.de/2018/02/rezension-wintersong-von-s-jae-jones.html

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende :)
    Caterina

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    1. Vielen Dank fürs Verlinken.
      Echt schade um die großartige, frische Idee :-(

      Liebe Grüße

      Steffi

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  7. Hallöchen :)

    Ich hab erst vor kurzem meine Rezension zu diesem Buch online gestellt. Mir war schon von der ersten Seite an klar, dass es wirklich ein eigenartiges Buch ist... Ich wusste echt nicht, was ich von dem Buch halten soll und hatte sogar ganz überlegt, eine Bewertung auszulassen :)
    Ich versteh dich, wenn du meinst, dass die Liebesbeziehung zwischen den beiden nie wirklich greifbar war.

    Liebe Grüße

    Alisia

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    1. Irgendwie war meine Erwartung nach den euphorischen Meinungen zum Original auch gigantisch. Entweder ist bei der Übersetzung wirklich total viel verloren gegangen oder wir haben einen ganz anderen Geschmack :D

      Liebe Grüße

      Steffi

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  8. Ahoi Steffi,

    mich hat Wintersong ganz und gar verzaubern können, weil es auf genau die Art skurril und ungewöhnlich ist, die ich liebe. Allein, wie die Lovestory aufgebaut ist und die Dialoge... Und zudem hat mich die Geschichte einfach süchtig gemacht, ich KONNTE das Buch einfach nicht aus der Hand legen!

    Sonnige Grüße, Mary <3
    http://marys-buecherwelten.blogspot.de/2017/12/wintersong.html

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    1. Es freut mich, dass es dir so sehr gefallen hat :-)

      Vielleicht war meine Erwartung einfach zu hoch :-/

      Liebe Grüße und einen tollen Start in die Woche!


      Steffi

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    2. Euch Beiden ebenfalls einen guten Wochenstart :)
      Wirst du Band 2, wenn er dann mal auf deutsch erscheint, trotzdem lesen?

      Liebe Grüße, Mary <3

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    3. Je länger es her ist, desto entschiedener kann ich „Nein“ sagen.
      Irgendwie bin ich nicht wirklich neugierig, wie es weitergeht - immer ein eindeutiges Zeichen.

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    4. Das stimmt, dann sollte man es lieber lassen ^^

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