Mittwoch, 3. Januar 2018

♂ Ödland - Der Keller (Christoph Zachariae) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

„Sie freute sich auf die Ruhe, auf die Kühle ihres Bettes, auf das Alleinsein. Auf die Welt, in der sie grausame Herrscherin und letzte Verdammte war. Die Welt ihrer Träume.“
(S.63)
Die Katastrophe hat alles verändert. Die Zivilisation existiert praktisch nicht mehr. Hunger und Entbehrungen lassen die Menschen verrohen, marodierende Söldner ziehen durchs Land. Vergewaltigungen und Morde gehören zum Alltag. An jeder Ecke lauert der Tod.

Doch es gibt sie. Kleine Gemeinschaften – Enklaven - inmitten einer Welt aus Gewalt. Auch hier ist das Überleben schwierig, es mangelt an allem. In so einer Enklave lebt auch Mega. Als kleines Mädchen fand man sie vor der Tür, die Gemeinschaft hat sie aufgenommen. Mittlerweile ist Mega zu einer jungen neunzehnjährigen Frau herangewachsen. Die Ressourcen in der Enklave schrumpfen zusehends. Es ist Zeit zum Handeln, der Kontakt zu anderen Gemeinschaften ist unbedingt erforderlich, um Notwendiges eintauschen zu können. Mega wird mit der Suche beauftragt. Bisher ist jeder daran gescheitert. Doch sie stellt sich der Aufgabe, nichtahnend, welchen Schrecken sie auf ihrem Weg ausgesetzt sein wird.
Auf „Ödland“ bin ich durch einen Hinweis des Autors gestoßen. Nachdem ich mir das Buch dann etwas genauer im Internet angeschaut hatte, wurde ich neugierig auf die Geschichte. Und so habe ich das Buch kurzerhand bestellt und nach etwas Liegezeit in meinem Regal griff ich dann nach der Geschichte.

Die ersten Seiten versprachen dann auch gleich spannende Unterhaltung. Auch wenn nicht speziell geklärt wurde, welche Katastrophe zu den nun herrschenden Zuständen führte, doch die Umstände konnte ich gut akzeptieren.

Kurze Zeit später traf ich dann auf Mega, die seit ihrer Kindheit in einer Enklave in den Kellern unter einer Universität lebt. Die Protagonistin war mir auch von Beginn an sympathisch, man spürte gleich, dass sie einen starken Willen hatte. Natürlich war die Umgebung in den Kellern hinsichtlich ihrem Naturell kontraproduktiv, doch hatte sie sich gut in die Gemeinschaft eingegliedert. Die Gemeinschaft konnte sich auch bisher recht gut selbst versorgen. Doch langsam gehen die Ersatzteile aus. Die Wiederaufbereitung des Wassers ist in Gefahr. Wenn es nicht gelingt, diese dauerhaft zu bewerkstelligen, ist das Leben aller in der Gemeinschaft in Gefahr. Die einzige Möglichkeit, diese Gefahr zu bannen, ist der Handel mit anderen Enklaven. Aber diese muss man erst einmal finden, der Weg durch das Ödland ist gefährlich.

Christoph Zachariae steckt spürbar Herzblut in seinen Weltentwurf, nutzt für die Erzählung verschiedene Sichten in dritter Person Vergangenheit. Oftmals hatte ich beim Lesen aber auch das Gefühl, dass der Autor mit Macht zu viel wollte, dabei mitunter ungewollt den Weg einer statischen Erzählweise beschritten hat. Gewöhnen musste ich mich daran, dass zumindest anfangs Handlungen nicht immer spürbar ineinanderflossen und so die aktuelle Perspektive nicht unbedingt auf Anhieb erkennbar war. Dazu ist mir aufgefallen, dass immer mal wieder Vergleiche mit Dingen angestellt werden, die manchen gerade handelnden Charakteren aufgrund ihres Alters nicht bekannt sein dürften. Ansonsten empfand ich den Schreibstil grundsätzlich flüssig. Auch die dem Genre entsprechenden Gewaltszenen waren eindeutig kein Stolperstein, sondern rundeten das Gesamtwerk entsprechend ab.

Im Laufe der Geschichte habe ich mich dann an die Eigenheiten gewöhnt und es gab keine Ablenkung mehr. Jetzt hatte mich der Autor auf seine Seite gezogen. Gespannt las ich die Seiten, wollte mehr erfahren. Nach anfangs noch zeitweilig aufkommenden Längen, war ich nun gefangen in den Entwicklungen, der Spannungspegel stieg deutlich an. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Christoph Zachariae nun, nachdem der Einstieg in die Geschichte gemeistert war, in den Folgebänden sicherlich eine konstante Linie finden wird, die begeistern kann. Ein entsprechendes Potential ist in der Idee des Autors eindeutig vorhanden, auch wenn dies in diesem ersten Teil noch nicht vollständig entfaltet werden konnte.

Mit dem hier gewählten Ende macht der Autor definitiv Lust darauf, sofort zur Fortsetzung zu greifen. Auch ich bin nun schon gespannt darauf, welche weiteren Abenteuer auf Mega warten werden, ob und wie sie die Gefahren überwinden wird. Definitiv sollte man der Geschichte eine Chance geben.
Ödland“ ist ein solider Auftakt der Reihe, der trotz kleiner Schwächen durchaus zu begeistern weiß. Die sympathische Protagonistin in Verbindung mit einer gut verarbeiteten potentialträchtigen Idee sind mir auf jeden Fall wirklich gute 3 Bücher wert.

Für alle, die sich von den Schrecken einer postapokalyptischen Welt nicht abhalten lassen, dabei Entbehrungen ertragen können und ihr Handeln zum Wohle der Gemeinschaft ausrichten.
1. Ödland – Der Keller
2. Ödland – Das Versteck im Moor
3. Ödland – Die Fabrik am Fluss





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Kommentare:

  1. Hoi,
    auch ich fand die Perspektivwechsel teilweise etwas verwirrend... Auch die Situation im Keller an sich kam mir irgendwie "nicht real" vor.
    Genauer: http://read.tharos-web.de/2017/12/30/christoph-zachariae-oedland-der-keller/ ;)
    Aber trotzdem recht solider Anfang der Reihe (mittlerweile gibt es ja bereits 4 Bände)

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    1. Hi Tharos,

      der Auftakt hat mich auf jeden Fall neugierig auf die weitere Entwicklung gemacht. Greife bestimmt irgendwann zur Fortsetzung.

      Liebe Grüße
      Kay

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Steffi & Kay