Mittwoch, 6. Dezember 2017

♀ Beautiful Liars: Verbotene Gefühle (Katharine McGee) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

Im New York des Jahres 2118 spielt sich das Leben der Bewohner des 1000-stöckigen „Towers“ in Manhatten fast ausschließlich innerhalb des Gebäudes ab. Während sich die genetisch selektierte perfekte Avery mit ihrem größten Problem – der Liebe zu ihrem Stiefbruder Atlas – auseinandersetzt, erfährt ihre beste Freundin Eris, dass ihr vermeintlicher Vater nicht ihr Vater ist und sie deshalb mit ihrer Mutter in die günstigen Wohnungen Downtower ziehen muss. Leda hingegen kehrt von ihrem Drogenentzug zurück und sieht sich wieder mit den Problemen der Vergangenheit konfrontiert: ihrem One-Night-Stand mit Atlas, dem Bruder ihrer Freundin, der direkt nach dieser Nacht für ein Jahr verschwunden ist.

Das Leben Downtower könnte anders nicht sein. Der Handel mit Drogen ist für viele die einzige Möglichkeit, zu überleben und als Rylin, die seit dem Tod ihrer Mutter allein für die Versorgung ihrer Schwester zuständig ist und kurz davor ist, diese an das Jugendamt zu verlieren, einen Aushilfsjob Uptower annimmt und dort Unmengen der teuren Medizin findet, die viele als Droge/Kick missbrauchen, greift sie zu.
Nachdem es etliche begeisterte Meinungen zum Buch gab, die besagten, dass der Inhalt viel besser ist als Cover und Klappentext, musste ich mir meine eigene Meinung bilden.
Schon der Prolog riss mich dann in die Geschichte: Ein Mädchen stürzt den eigentlich so sicheren Tower hinab und während des gesamten Buches hat man diese Szene vor sich und überlegt, wer das Mädchen ist und wie es dazu kommt. Eine absolut gelungene Einführung.

Denn die Mädchen sind reich an der Zahl. Wir haben die wunderhübsche Avery, die im obersten - 1000. – Stockwerk des Towers wohnt und unglücklich in ihren Stiefbruder Atlas verliebt ist. Dann ihre Freundin Eris, die nie ernsthafte Beziehungen wollte und nun konfrontiert mit dem sozialen Absturz auf ein Mädchen trifft, das ihr Herz berührt. Oder Leda, die stets von Neid und Zweifeln erfüllt ihrem Schwarm Atlas einen Hacker auf den Hals hetzt, Watt, der im Rahmen seiner Spionage dann auf Avery trifft und sich entgegen aller Warnungen seines illegalen Quantencomputers Nadia auf das Leben Uptower einlässt. Dann gibt es Downtower noch Rylin, die sich und ihre Schwester mit schlechten Jobs über Wasser hält, während ihr Freund Drogengeschäften nachgeht. Der Job Uptown bei Cord könnte ein kleiner Lichtblick sein – wenn sie sich nicht verlieben würde, geplagt von Gewissensbissen, ihren Freund im Gefängnis zu betrügen und Cord belogen zu haben.

Allein diese Vielzahl an Hauptfiguren, aus deren Leben von einer dritten Person erzählt wird, lässt die Handlung schon voranschreiten und bietet genug Konfliktpotential. Der lockere Schreibstil von Katharine McGee lässt einen zusätzlich durch die Seiten fliegen. Meine wahre Begeisterung für das Buch jedoch ist der Zukunftsvision der Autorin geschuldet. Ohne Infodump gibt es auf nahezu jeder Seite ein neues Highlight bezüglich der Welt. Ob Anti-Gravity-Yoga, sich zu einem Origami-Schmetterling faltende Schleifen, die davonfliegen und sich recyceln, gesteuertes Wetter/Regentage oder selbst fliegende Planen, die die heutigen Regenschirme ersetzen. Die Distanz von New York nach Paris ist binnen 3 Stunden via Röhrenzug unter dem Atlantik zu überbrücken, manuell gesteuerte Autos gibt es nicht mehr. Die hochtechnisierte Welt hat mich gefesselt und absolut begeistert.

Und trotz aller Fortschritte könnte die Kluft zwischen arm und reich, Down- und Uptower, nicht größer sein, aber gerade diese sozialen Unterschiede fühlen sich vertraut an – Gossip Girl lässt grüßen – sodass ich mich als Leser gleich wohlfühlte.

Mein größter Kritikpunkt war diese mittlerweile ach so verbotene Liebe unter den Stiefgeschwistern. Etwas, das ich grundsätzlich und von Beginn des Trends an nicht so gut fand, mit dem ich mich aber arrangieren konnte. Dann gab es noch einen weiteren Punkt, der sich dann aber irgendwann im Sande verlaufen hat: Die Begründung, warum man weltweit solche Türme gebaut hat (die Stadt drumherum leert sich zusehends, am Platz kann es also nicht liegen, denn die Stadtteile, die mittlerweile fast ganztags im Schatten des Towers liegen, werden leerer und leerer). Die restlichen Konflikte fand ich dann aber interessant genug, um den Kritikpunkt der Stiefgeschwister auszugleichen und die Details des Towers und der ganzen Technik übertönten dann die Frage nach dem Grund für das Mammutprojekt.


Die Auflösung des Prologs kommt zum Ende hin dann auch – über gefühlt hunderte Hürden der einzelnen Figuren hinweg ist sie bis zum Schluss nie vorhersehbar! – doch der daraus resultierende neue Konflikt lässt mich neugierig auf Band 2 zurück.

Der Untertitel, der kitschige Klappentext, ja selbst das Cover drängen den potentiellen Leser in eine völlig falsche Richtung. „Beautiful Liars: Verbotene Gefühle“ IST für mich die angepriesene Mischung aus Gossip Girl und Pretty Little Liars, bietet aber noch viel mehr. Insbesondere das Zukunftsszenario mit seinen etlichen Details hat es mir angetan und Katharine McGees Schreibstil gepaart mit den Figuren und ihren Geheimnissen haben mich mitgerissen. Eindeutige 5 Bücher für den Auftakt und ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung.
1. Beautiful Liars: Verbotene Gefühle
2. Beautiful Liars: Gefährliche Sehnsucht
3. Originaltitel: The Towering Sky






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Kommentare:

  1. Das hört sich tatsächlich spannender an als es auf den ersten Blick scheint. :)

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    1. Ich bin mir ganz sicher, dass es auch etwas für dich wäre!

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Steffi & Kay