Mittwoch, 22. November 2017

♂ Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken (John Green) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

„In die Augen kann man jedem schauen. Aber jemand zu finden, der dieselbe Welt sieht, ist ziemlich selten.“
(S.14)

Aza und ihre beste Freundin Daisy unternehmen schon die ersten Schritte, sich zu orientieren, wo sie später einmal studieren werden. Daisy arbeitet neben der Schule her und versucht, Geld zur Seite zu legen. Als ein Milliardär verschwindet und eine hohe Belohnung ausgesetzt wird, entscheiden die beiden Freundinnen, auf die Suche zu gehen und die Belohnung zu bekommen. Aza kennt den Sohn des Milliardärs, Davis, von früher. Aza und Daisy nehmen mit einem Trick Kontakt zu Davis auf und in der Folge kommen sich Aza und der Milliardärssohn näher. Aza versucht nun fortan, ihre Gedanken und Gefühle in den Griff zu bekommen, muss dabei aber immer wieder erschreckt feststellen, dass es schier unüberwindbar ist, ihrer Gedankenspirale zu entkommen.
Der Name John Green ist sicherlich vielen Leserinnen und Lesern ein Begriff. Nachdem nun „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ erschienen war, konnte auch ich mich nicht mehr entziehen und war neugierig, was mich erwarten würde.

Schon nach kurzer Zeit im Buch konnte ich dann erfahren, dass die Protagonistin Aza riesige Probleme hat. Sie war zwar gut in der Schule, hatte eine beste Freundin, scheinbar ein fast normales Leben. Ihren Vater hatte sie allerdings vor Jahren verloren und so lebt sie nun allein mit ihrer Mutter. Soweit kommen die beiden also im Leben klar. Und doch sind da diese immerwährenden Gedanken und Zwangshandlungen, denen sie sich einfach nicht entziehen kann. Angefangen von der Marotte, eine Wunde an der Fingerkuppe immer wieder zu öffnen bis zu ihrer Phobie vor Bakterien usw. Dass es sich in „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ nicht um eine normale Geschichte handeln würde, hatte ich erwartet. Doch hier wurde ich allein schon vom Einstieg entsprechend überrascht und konnte nicht erahnen, was noch folgen sollte.

John Green wählte für die Darstellung seiner Geschichte die Ich-Perspektive von Aza in Vergangenheitsform. Und doch gelang es ihm hiermit nicht vollends, mir durchgehende Nähe zu Aza zu verschaffen. Eine gewisse Distanz zwischen mir und der Protagonistin zog sich damit durch die gesamte Geschichte.

Zugegeben, mit den für Aza gewählten Eigenschaften sollte womöglich keine 0815-Protagonistin geschaffen werden, was im Endeffekt auch gelungen ist. Doch die sie überwältigenden Zwangsneurosen und Gedanken waren mir stellenweise schlichtweg too much. Dazu kommt, dass die Geschichte in großen Teilen einfach nicht voranschreiten wollte und ich das Gefühl bekam, Entwicklungen nicht mehr verspüren zu können.

John Green verwendet bei in der Geschichte enthaltenen Handlungen zum Teil wirklich wunderschöne Metaphern, lenkt dabei die Aufmerksamkeit aber auch oftmals auf Nebensächlichkeiten, die dann nicht nur im Ansatz Längen entstehen ließen. Die Charaktere sind grundsätzlich vorstellbar beschrieben und hinterließen entsprechende Bilder. Dennoch fühlte sich auch hier so manche Charakterhandlung etwas unecht an. Herausstechend und prägnant empfand ich hierbei noch Azas beste Freundin Daisy, die grundsätzlich eine natürliche und erlebbare Haltung entwickelte. John Green ist es aber definitiv auch gelungen, den Alltag der psychisch kranken Aza erlebbar zu beschreiben.

Der Schreibstil von John Green ist flüssig und überwiegend gut zu lesen, wobei ich mir vorstellen könnte, dass neben mir ggf. auch andere Leserinnen und Leser Gewöhnungsprobleme bekommen könnten. Die Geschichte selbst konnte ich in großem Maß genießen und einige Eindrücke wirkten auch noch über das Ende der Geschichte hinaus nach, das wie erwartet auch alles andere als einfach und gewünscht „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ abschließt.
Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ ist alles andere als eine normale Geschichte, beschreibt dabei psychische Probleme und Zwänge nahezu erlebbar. Meine Lesestunden mit der Geschichte sind mir auf jeden Fall sehr gute 3 Bücher wert.

Für alle, die ihren inneren Zwängen widerstehen wollen, dabei meist Hilfe akzeptieren und doch ihren Weg im Endeffekt allein finden müssen.






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Weitere Meinungen zum Buch findet ihr hier:

Papier und Tintenwelten (Rezension)
Ruby-Celtic testet (Rezension)

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Kommentare:

  1. Guten Morgen Steffi,

    hach. Nach deiner Rezension bin ich doch irgendwie erleichtert. Ich hab in den letzten Tagen auf Twitter immer mal wieder mitbekommen, dass der ein oder andere wohl einige Probleme mit dem Buch hat.
    Ich denke das liegt oftmals an den eigenen Erwartungen, schließlich hat John Green ja schon wirklich tolle Geschichten veröffentlicht.
    Hm.. ich denke das Buch ist auf jeden Fall lesenswert, trotz seiner Ecken und Kanten, die du hier beschreibst.

    LG
    Anja

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    1. Liebe Anja,

      es war mein erstes Buch von ihm. Wollte einfach mal schauen, ob die Richtung etwas für mich ist. Du hast auf jeden Fall recht - es ist eindeutig lesenswert :-)

      Liebe Grüße
      Kay

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  2. Huhu Kay,
    schade, dass es dich nicht komplett überzeugen konnte, aber das war bei mir ähnlich.
    Meine Rezension kannst du hier lesen:
    https://papierundtintenwelten.blogspot.de/2017/11/rezension-schlaft-gut-ihr-fiesen.html
    Liebste Grüße, Petra

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    1. Huhu Petra,

      so ist das manchmal, aber immerhin habe ich mich an die Materie herangetraut ☺️

      Liebe Grüße
      Kay

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    2. Huhu Kay,
      ich fand es auch super, dass John Green diese Themeninhalte gewählt hat. Es ist ja nicht gerade alltäglich und doch öfter als man denkt vorhanden. Das ist doch gut, auch mal was anderes auszuprobieren:-) Liebe Grüße, Petra

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    3. Huhu Petra,

      das denke ich auch. Und oft stößt man in „fremden“ Genres dann doch auf die ein oder andere Perle ☺️

      Liebe Grüße
      Kay

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  3. Hallo lieber Kay,

    ich habe das Buch auch gelesen und vergebe ebenso 3 Sterne. Es ist ein komplexes Buch, welches ein sehr wichtiges Thema anspricht. Ich bin leider nur sehr schwer reingekommen, wenn ich auch trotz allem sehr viel mit rausgenommen habe. :)

    Liebe Grüße, Ruby

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    1. Hallo Ruby,

      du hast mit deinen Worten meine Empfindungen wirklich gut zusammengefasst. Es hat mir schon gefallen, aber es war für mich nicht richtig rund. Dennoch eine tolle Erfahrung ☺️

      Liebe Grüße
      Kay

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  4. Guten Morgen :)
    Schade, dass es dich nicht zu 100% überzeugen konnte. Ich werde das Buch auf jeden Fall auch noch lesen und bin schon sehr gespannt darauf!
    Schönen Sonntag euch <3

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    1. Hallo Binzi,

      auf jeden Fall konnte ich einiges aus der Geschichte mitnehmen, sie hat nachgewirkt. Ich wünsche dir dann ganz viel Lesespass mit Aza, bin auf deine Meinung gespannt <3

      Liebe Grüße
      Kay

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Steffi & Kay