Mittwoch, 29. November 2017

(L) Magonia (M. D. Headley) [Rezension]

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In den letzten paar Tagen habe ich eine Menge Dinge verloren, nur um zu überprüfen, wie sich Verlust anfühlt. Zum Beispiel verliere ich immer wieder den Verstand.
(S. 94 – Jason)



Ich bin etwas anderes. Etwas Wichtiges. Was genau? Keine Ahnung.
Es ist anders hier. DU bist anders hier. Besser?
Nein.
(S. 182 – Aza)

Aza ist fast 16 und leidet seit sie klein ist an einer unerklärlichen und einzigartigen Lungenkrankheit, die ihr ein normales Leben unmöglich macht. Als eines Tages ein Schiff in den Wolken erscheint und jemand ihren Namen ruft, schiebt sie es auf die Medikamente. Doch ihr bester Freund Jason glaubt ihr, dass sie etwas gesehen hat und steht ihr bei. Aza versucht noch, sich über ihre Gefühle für ihn klar zu werden, als die Ereignisse sich überstürzen. Eben noch glaubt sie zu sterben, im nächsten Moment findet Aza sich in einem Reich über den Wolken wieder. Ihre Krankheit ist fort, endlich ist sie nicht mehr anders, sondern stark und die Tochter einer Himmelskapitänin. Doch jetzt ist sie auch Teil des Kampfes, zwischen Magonia und der Erde und dann ist da auch noch Jason, der Aza nicht aufgeben will ...
Ich mag Cover und Klappentext von diesem Buch sehr gerne, auch wenn der Klappentext doch ein bisschen viel verrät. Das fand ich etwas schade, gleichzeitig hat es mich aber auch zum Kaufen gebracht.

Aza ist unsere Protagonistin und sie ist schwer krank. Schon seit sie ein kleines Mädchen war hat sie immer wieder schlimme Hustenanfälle und droht zu ersticken. Niemand weiß, was es mit dieser Lungenkrankheit auf sich hat, die nicht nur ihr gesamtes Leben, sondern auch ihr Aussehen deutlich kennzeichnet. In der Schule fühlt sie sich ausgeschlossen und gemieden, sie rebelliert öfter im Unterricht und fliegt raus, dann wieder muss sie mit dem Krankenwagen abgeholt werden, weil sie plötzlich so hustet, dass sie keine Luft mehr bekommt und überhaupt ist sie einfach etwas eigenartig, trotzdem sehr schlau und ihre Gedankengänge fand ich sehr faszinierend. Nicht sehr verwunderlich, wenn einem ständig der eigene Tod vor Augen steht.

Ich bin weder ein Genie noch dazu bestimmt, eines zu werden. Ich bin einfach ich. Ich lese gerne. Bücher sind nicht meine einzigen Freunde, aber wir verstehen uns gut. Punkt.
(S. 19 – Aza)

Nur Jason, ihr bester Freund, hält fest zu Aza und lässt sich von nichts und niemandem zurückhalten. Er scheint selbst krank zu sein, denn es ist öfter mal von Pillen die Rede. Sein verhalten weist auch darauf hin, er sagt sich die Zahl Pi immer mal wieder auf oder „flüchtet ins Pi“. Außerdem ist auch er unfassbar schlau, ein wandelndes Lexikon und ein Rebell, der vorhat den schlechtesten Abschluss aller Zeiten zu machen und danach die Weltherrschaft zu übernehmen. Na wenn das mal kein Plan ist.

Azas kleine Schwester geht auf dieselbe Schule, wie die beiden. Die Schwestern stehen sich nicht sonderlich nah, aber sie lieben sich. Überhaupt hält Azas Familie fest zusammen, auch wenn es nicht leicht ist und die Figuren sind sehr sympathisch. Der Schreibstil ist wunderbar, erinnert ein bisschen an „Sixteen Moons“ mit dem Humor aus „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Aza ist todkrank, es ist kein lustiges Buch, es ist melancholisch, sarkastisch und nachdenklich, aber nicht übermäßig bedrückend oder deprimierend, dass man bei jeder Seite am liebsten heulen würde.

Eines Tages sieht Aza plötzlich aus dem Klassenzimmerfester ein Schiff in den Wolken und hört eine Stimme ihren Namen rufen. Weitere seltsame Dinge passieren und Aza versucht es auf die Nebenwirkungen der Medikamente zu schieben, bis sie sich an Bord des Himmelsschiffes wieder findet mit einer Frau, die ihr erklärt, dass sie ihre Mutter sei und Aza die Tochter der Kapitänin eines berühmten Luftschiffes, welches zur Flotte von Magonia gehört.
Was ein wenig nach Peter Pan klingt, ist doch etwas ganz anderes. Es gibt ernsthafte Problematiken, Mischwesen aus Mensch und Vogel, dystopische Elemente, geheimnisvolle Söldner und Wesen aus Luft und Sturm.
Aza bekommt eine neue Familie, doch sie liebt ihre alte noch immer und besonders Jason. Auf dem Luftschiff wird sie Dai unterstellt, der sie erst nicht sehr freundlich behandelt. Die meisten Crewmitglieder betrachten sie mit Sorge und Misstrauen, denn Aza ist ein großes Schicksal bestimmt, doch ob sie es erfüllen kann, bleibt abzuwarten.

Doch ich passe immer noch nicht richtig dazu. Das Herz halb auf der Erde, halb in den Wolken. Ich bin immer noch anders als alle anderen. Es gibt immer noch keinen Ort, an den ich gehöre.
(S. 309 – Aza)

Auf dem Schiff befindet sich ein Geist, der so gruselig singt, wie die Schlange aus der Kammer des Schreckens flüstert. In Azas Brust lebt jetzt ein Canwr, ein kleiner Vogel namens Milekt. Und während Aza sich mit all dem herumschlägt, schlägt Jason sich mit einer Welt ohne Aza herum. Doch Jason ist sich sicher, dass Aza lebt und er ist auf der Suche nach ihr. Denn Aza hatte Jason von dem Schiff erzählt, dass sie gesehen hat und Jason glaubt ihr, glaubt, dass er ihre Stimme aus den Wolken gehört hat, glaubt, dass Aza irgendwo da draußen ist. Und er hat versprochen sie zu finden.

Endlosschleife. Manche Tage sind so düster, dass ich nichts außer einem elenden Nebel aus Zahl hinter Zahl sehen kann, Wort hinter Wort, Wolken aus Verben und Nomen, und keine mit der Macht, die Zeit zurückzudrehen
(S. 103 – Jason)


Jason ist toll und mehrere Kapitel dieser Geschichte werden aus seiner Sicht erzählt. Bei seinem Kapitel, in dem Azas Beerdigung beschrieben wurde, hatte ich Tränen in den Augen! Ich habe mir viele wunderschöne Zitate markiert und dieses Buch wirklich gerne gelesen. Nur diese Vögel-hausen-in-Brustkörpern-Sache fand ich etwas leicht seltsam, aber ansonsten hat mir das Setting und die Ideen wirklich gut gefallen.

Vier Bücher von mir für diese coole Geschichte mit viel Neuem, einer tollen Protagonistin und einer Liebesgeschichte zwischen Himmel und Erde.



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Steffi & Kay