Donnerstag, 26. Oktober 2017

♂ Das Auge von Licentia (Deana Zinßmeister) [Rezension]

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„Bruchstückhaft kamen die Erinnerungen zurück. Sie öffnete die Augen, doch gleißendes Licht zwang sie, die Lider sofort wieder zu schließen.
Die Drachen sind da! Es war kein Traum, dachte sie panisch.“
(S.27)
In Licentia, einem mittelalterlichen Dorf, rückt das Jubiläum immer näher. Bei diesem Jubiläum wird der Name einer oder eines Jugendlichen gezogen, der das Dorf verlassen muss, um zu den Drachenmenschen zu gehen. Jonata fiebert, auch wenn ihr Name nicht im Lostopf sein wird, der Feierlichkeit entgegen. Doch vorher darf sie noch an einer Wildschweinjagd teilnehmen. Hier begegnet sie dem Wolfsbanner Tristan mit seinem Rudel. Eine gefährliche Situation, die jedoch glimpflich ausgeht.

Von nun an denkt Jonata ständig an Tristan, vernachlässigt sogar ihre beste Freundin. Doch sie darf Tristan nicht treffen, denn das Dorf der Wolfsbanner gehört zu den Feinden Licentias. Und doch passiert es! Tristan und Jonata treffen sich wieder. Das alles wird von diversen Fernsehkameras festgehalten – denn Licentia wurde künstlich geschaffen, zur Unterhaltung von Millionen Zuschauern. Und Jonata ist ohne es zu wissen der Star der Show!
Vor einer Weile habe ich von „Das Auge von Licentia“ gehört und wurde durch die Inhaltsangabe ziemlich neugierig auf die Geschichte. Nun, da das Buch zu mir gefunden hatte, konnte ich gleich mit dem Lesen loslegen.

Zu Beginn traf ich dann auf eine Jonata, die sich auf die bevorstehende Wildschweinjagd freute. Sie lebt im Mittelalterdorf Licentia und wurde von ihrem Vater auch in Dingen wie Jagen und Bogenschießen unterrichtet. Als einziges Mädchen darf sie nun mit auf die Jagd. Doch bei der Jagd passiert etwas Unvorhergesehenes. Jonata trifft auf Tristan, einem Wolfsbanner. Die Wolfsbanner wurden vor Jahren aus Licentia verstoßen, nach diesem einen Vorfall. Sie gelten als wild und gefährlich, genau wie ihre Wölfe. Das Aufeinandertreffen verläuft glimpflich, doch nun verfestigt sich der Gedanke an Tristan in Jonata. Es wird zum Spiel mit dem Feuer, als sich Jonata und Tristan kurz darauf wiedersehen.

Deana Zinßmeister erzählt ihre Geschichte in dritter Person in Vergangenheitsform, nutzt dabei den Perspektivwechsel verschiedener Sichten. Hierdurch hatte ich mitunter gegenüber den jeweiligen handelnden Personen einen unwillkürlichen Wissensvorsprung. Die Charaktere werden vorstellbar behandelt, bleiben für meinen Geschmack weitläufig eher blass, so dass sich ein Gefühl von Charaktertiefe nur im Ansatz einstellen konnte.

Auch wenn von der ersten bis zur letzten Seite eine Gefahr immer wieder angedeutet wurde, war mir diese im Endeffekt doch zu wenig präsent. So kam es, dass der Spannungspegel an einigen Stellen für mich nur stückweise anstieg oder ganz ausblieb. Den zeitweiligen Eindruck berichtsmäßiger Beschreibungen konnten die immer wieder eingebauten Dialoge nicht vollständig auflösen, lockerten den Handlungsfaden aber auch immer wieder auf. Nun gehöre ich nicht unbedingt zur angegebenen Zielgruppe, dennoch kann ich mir durch das Lesen so einiger Bücher des Genres vorstellen, dass genau das dem einen oder anderen womöglich für einen vollendeten Lesegenuss im Weg stehen könnte. Dennoch entwickelt die Idee einer gestellten Szenerie als Teil einer Fernsehshow, von der nur wenige der Bewohner Licentias überhaupt wissen, einen durchgehenden Reiz und weckt damit den exhibitionistischen Teil, der definitiv in jedem von uns steckt.

Besonders positiv hervorzuheben ist definitiv, dass die Autorin eindeutig weiß, wovon sie schreibt. Deana Zinßmann hat für ihre Geschichte und den dort enthaltenen Handlungen gründliche Recherchen durchgeführt. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen, jedes Detail ist nachprüfbar und kann auf Glaubwürdigkeit untersucht werden. Auch das geschaffene mittelalterliche Flair weiß zu überzeugen. Hervorragende Arbeit.

Nachdem ein für die Dorfbewohner nicht vorhersehbares Ereignis eingetreten war, führte Deana Zinßmeister ihre Geschichte nach einigen Entwicklungen, Klärungen und Zusammentreffen zu einem alles in allem nachvollziehbaren und zufriedenstellenden Ende. Nun, da ich die Entwicklungen in „Das Auge von Licentia“ kenne, kann ich das optisch wirklich sehr gelungene Buch meinen gelesenen Exemplaren hinzufügen.
Das Auge von Licentia“ punktet vor allem mit einem mittelalterlichen Flair, das seinesgleichen sucht und lebt von den guten Recherchen der Autorin. Meine Lesestunden im mittelalterlichen Licentia belohne ich deshalb mit guten 3 Büchern.

Für alle, die dem Reiz des Verbotenen versuchen zu widerstehen, dabei Regeln zumindest im Ansatz beachten und dennoch an das Gute in Gänze glauben.




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Steffi & Kay