Donnerstag, 21. September 2017

♂ Scythe - Die Hüter des Todes (Neal Shusterman) [Rezension]

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„Er spürte nicht einmal, wie sich seine Beine fortbewegten. Als würde der Scythe ihn an einer unsichtbaren Schnur zu sich ziehen. Seine Präsenz war äußerst imposant.“(S.92)
Die Menschen haben Wege gefunden, Krankheiten und Tod zu besiegen. Nun ist die Menschheit unsterblich. Und doch muss man der steigenden Bevölkerungszahl entgegenwirken. Noch gelingt es dem Thunderhead, einer künstlichen Intelligenz, in erstaunlicher Weise, die Bevölkerung mit allem Notwendigen zu versorgen. Es gibt keine Unterschiede mehr zwischen arm und reich. Auch die Scythe, deren Aufgabe es ist, der Bevölkerungsexplosion entgegenzuwirken, treffen ihre Entscheidung nach sorgfältiger Abwägung. Denn das, was sie tun, ist notwendig, es ist unabdinglich. Zielgerichtet werden Menschen nachgelesen, was in der Sprache der Scythe heißt – getötet.

Als Citra auf einen Scythe trifft, denkt sie, dass nun der Augenblick gekommen ist, der für sie vorgesehen wurde. Doch dieses Aufeinandertreffen entwickelt sich anders, als geahnt. Auch als Rowan Zeuge einer Nachlese wird, ändert sich sein Leben ab diesem Augenblick. Denn sowohl Citra als auch Rowan werden nun zu etwas ausgebildet, was sie nie sein wollten – Scythe. Und plötzlich befinden sich beide in einem tödlichen Spiel, aus dem es kein Entrinnen gibt.
Spätestens seit seiner „Vollendet“-Reihe weiß man, dass Neal Shusterman ein erstaunliches Geschick dafür besitzt, Geschichten zu entwerfen, die einerseits schocken und andererseits sehr real wirken können. Allein deshalb war ich nun auch auf seine neue „Scythe“-Reihe sehr gespannt. Nun, da das Buch bei mir eingezogen war, begann ich sodann auch gleich zu lesen.

Und so spürte ich bereits auf den ersten Seiten, dass Neal Shusterman hier wieder etwas ganz Außergewöhnliches geschrieben hat. Ich machte mich mit Citra bekannt, deren Leben man als durchaus normal bezeichnen kann und verfolgte so die ersten Handlungsstränge. Auch Rowan kam unwesentlich später ins Spielfeld, dessen Leben er selbst als Salatblatt bezeichnet. Denn aufgrund der Vielzahl an Geschwistern erhält er selten die Aufmerksamkeit seiner Eltern. Doch ihn verbindet eine tiefe Freundschaft zu Tyger, der sich in einer ähnlichen Situation befindet. Und doch kreuzen sich bald die Lebenswege von Citra und Rowan; auch wenn nicht abzusehen war, in welcher Form.

Wieder einmal brilliert Neal Shusterman mit einer Idee, die fasziniert und dabei nicht weit von einer möglichen Realität – in einer zukünftigen Entwicklung – zu sein scheint. Auf der einen Seite hat die Menschheit die Unsterblichkeit erreicht. Und doch besteht die dringende Notwendigkeit, einen Bevölkerungsboom einzuschränken. Denn natürlich werden nach wie vor Kinder geboren. Aber aufgrund fehlender Tode wächst die Bevölkerungszahl zusehends. Und hier kommen die Scythe ins Spiel.

Auch wenn es keine Regierungen oder ähnliches mehr gibt, verläuft das Zusammenleben besser denn je. Eine künstliche Intelligenz, der Thunderhead, wacht über das Wohl der Menschen. Er koordiniert die Versorgung und regelt das Sozialleben besser als vormals jeder Politiker. Eine strikte Trennung gibt es lediglich zum Scythetum, das eigenen selbst auferlegten Regeln untersteht. Hier hat der Thunderhead keinerlei Eingriffsmöglichkeiten. Denn nur so können die Scythe ihrer Aufgabe nachkommen. Sie müssen dafür sorgen, dass trotz Unsterblichkeit Menschen ihr Leben lassen. Mehr oder weniger sorgfältig ausgewählt beenden sie den Lebensweg mit unterschiedlichen Mitteln. Und doch werden die den Scythe auferlegten Regeln mitunter unterschiedlich ausgelegt, so dass es auch im Scythetum unterschiedliche Tendenzen und Ränkespiele gibt. Für Citra und Rowan ungeplant sind sie plötzlich doch Teil dieser Parallelgesellschaft.

Erzählt in dritter Person in Vergangenheitsform erlebte ich das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven. Zwischendurch wurden mir von Neal Shusterman Tagebucheinträge verschiedener Scythe serviert, die unterschiedliche Interpretationen der bestehenden Regeln nahezu unterstrichen und darüber hinaus für ein noch besseres Verständnis mancher Handlungen sorgten. Gewohnt sicher und klar geleitete mich der Autor mit seinem flüssigen Schreibstil durch die Handlung. Auch wenn sich ab und an kleinere Längen anbahnten, verlor ich doch nie das Interesse an den zu erwartenden Handlungen. Und so gelang es Neal Shusterman wieder einmal, mich an seine Geschichte zu fesseln und neugierig den weiteren Entwicklungen entgegenzusehen. Gut gesetzte Spannungspunkte und durchaus überraschende Entwicklungen führten dazu, mich an die Geschichte zu binden und dem Fortgang entgegenzufiebern.

Und so schritt ich unaufhaltsam voran und befand mich plötzlich mitten im Showdown. Auch hier konnte Neal Shusterman nochmals eine Wendung einbauen, die so nicht zu erwarten gewesen war. Sodann lässt er seine Geschichte absolut befriedigend ausklingen, wobei er mich nun neugierig auf die Geschehnisse in der Fortsetzung zurücklässt.
Scythe – Die Hüter des Todes“ basiert auf einer wiederum exzellenten Idee von Neal Shusterman und kann mit den enthaltenen Entwicklungen und überraschenden Wendungen überzeugen. Meine Lesestunden in einer absolut real wirkenden Zukunftsvision belohne ich deshalb mit knappen 5 Büchern.

Für alle, die dem Tod ins Auge blicken können, unaufhaltsame Entwicklungen akzeptieren und sich dabei kaum lösbaren Herausforderungen stellen.
1. Scythe – Die Hüter des Todes
2. Thunderhead (Arc of a Scythe – OT)



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Kommentare:

  1. Tolle Rezension! Ich werde mir das Buch gleich nächsten Monat holen*-*

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    1. Dankeschön ☺️ Viel Spaß wünsche ich dann mit der Geschichte 👍🏻

      Liebe Grüße
      Kay

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  2. Lieber Kay,

    eine sehr schöne Rezension und mit dieser hättest du mich definitiv überzeugt, wenn ich das Buch nicht schon gelesen hätte ;) Ich kann dir in allen Punkten zustimmen und mir ging es beim Lesen ganz genauso. Eine tolle Geschichte und mit den Wendungen kann ich dir auch zustimmen, ich finde, die haben das Spannungslevel noch mal angehoben. Tja und nun heißt es warten :D

    Übrigens meine Rezi zu dem Buch ist seit heute auch online :)

    Liebe Grüße,
    Caterina

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    1. Liebe Caterina,

      vielen lieben Dank ☺️ Es war eine wirklich gelungene Geschichte, bei der ich viel Lesespass hatte. Deine Rezi schaue ich mir auf jeden Fall auch noch an! Verlinken werde ich sie auch ☺️

      Liebe Grüße
      Kay

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  3. Hallo Kay,

    mir hat das Buch ebenfalls gut gefallen. Die düstere und zugleich fasznierende Welt konnte mich durchaus fesseln, wobei mir die Spannung zu Beginn etwas zu wenig war. Diese zog für mich erst ab dem zweiten Ausbildungsteil (so möchte ich es mal nennen ;) ) an. Trotzdem fiebert man dem Ende entgegen und gerade dieses hat mir unheimlich gut gefallen.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      dann werde ich auch bei dir stöbern gehen. Auf jeden Fall war es eine super umgesetzte Idee ☺️

      Liebe Grüße
      Kay

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  4. Hey Kay,

    bei dem Buch war ich mir nicht ganz sicher, ob es etwas für mich wäre. Deine Rezension lässt mich so zurück, dass es mit Sicherheit unglaublich interessant ist zu lesen aber wahrscheinlich trotz allem nicht unbedingt etwas für mich ist. Ich denke, da hilft nur eins. Leseprobe ich komme. ;)

    Wieder sehr schön beschrieben…vielen Dank.

    Liebe Grüße, Ruby

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    1. Hallo Ruby,

      dankeschön ☺️ Ich glaube, mit der Leseprobe bist du erstmal gut beraten. Vielleicht findest du ja doch Gefallen 😉

      Liebe Grüße
      Kay

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Steffi & Kay