Sonntag, 27. August 2017

(L) Lady Midnight (Cassandra Clare) [Rezension]

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„Wenn du ein Held bist, tun sie eine Menge für dich.“
(Seite 91)
„Ich will nicht auf dem Pacific Coast Highway sterben!“
„Oh, entschuldige bitte.“ Emmas Stimme triefte vor Sarkasmus. „Gibt es vielleicht einen anderen Highway, auf dem du gern sterben möchtest? DENN DAS LÄSST SICH ARANGIEREN!“
(Seite 548)

Die siebzehnjährige Emma war noch ein Kind, als ihre Eltern vor 5 Jahren grausam ermordet worden. Der Krieg forderte damals viele Opfer, doch Emma glaubt nicht, dass ihre Eltern damals in diesem Kampf gegen die Dämonen starben. Hartnäckig sucht sie weiter nach Spuren und Antworten und als sie dabei auf eine mysteriöse Mordserie stößt, deren Opfer dieselben Merkmale wie die Leichten ihrer Eltern aufweisen, bringt sie sich selbst in größte Gefahr und auch ihren Vertrauten und Seelenverwandten Julian Blackthorn und mit ihm seine ganze Familie.
Diese Rezension wird mit Sicherheit Spoiler zu den Chroniken der Unterwelt und den Chroniken der Schattenjäger enthalten. Solltet ihr diese Bücher nicht gelesen haben, würde ich euch also raten, das erst zu tun, zumal ich mir auch nicht sicher bin, was man von Lady Midnight versteht, wenn man die ganzen Zusammenhänge nicht kennt.

Der Epilog wird aus der Sicht von Kit erzählt, dem Sohn von Jonny Rook, der dafür bekannt ist, mit Geheimnissen zu handeln. Beide sind Menschen, die aber über das zweite Gesicht verfügen und deswegen von der Schattenwelt leben. Es wird ein Zusammentreffen mit Emma Castairs, der Hauptperson dieses Buches beschrieben. Emma ist auf der Suche nach Informationen, sie versucht den Mord an ihren Eltern aufzuklären.

Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch recht schnell nach Erscheinen gekauft, aber nie gelesen habe. Erst jetzt in einer schweren Buchflaute fiel es mir wieder in die Hand und tadaaa schon während des Epilogs war ich wieder glücklich <3 Gute Dialoge, Humor, Spannung, leichtes Gemetzel, herrlicher Sarkasmus, ein angenehmer Schreibstil, Frauenpower und Fantasy ... was will man mehr?

Den Rest des Buches erleben wir hauptsächlich aus Emmas Sicht, teilweise auch aus der der anderen Protagonisten, aber nie als Ich-Erzähler. Emma ist eine Schattenjägerin, die nach der Ermordung ihrer Eltern im Institut von Los Angeles aufgenommen wurde. Emma ist sich sicher, dass der Tod ihrer Eltern noch nicht aufgeklärt ist und da der Rat der Schattenjäger sich nicht rührt, versucht sie es auf eigene Faust. Sie hat die Innenseiten ihres Schrankes mit Hinweisen tapeziert und verfolgt jede Spur. Die Familie Blackthorn, die ebenfalls in diesem Institut lebt und die Emma bei sich aufgenommen haben, befindet sich zurzeit bei einer Verwandten, ohne Emma. Dafür taucht Christina im Institut auf, Christina aus Mexico, die für ein „Auslandsjahr“ hier lernen soll. Die beiden Mädchen werden schnell Freundinnen, auch wenn sie unterschiedlich sind.

Bei einer wilden Verfolgungsjagd entdeckt Emma eine Leiche und findet bald darauf heraus, dass es nicht die Einzige in den letzten Monaten ist. Eine Mordserie führt quer durch Los Angeles und die Leichen weisen dieselben Merkmale auf, wie die von Emmas ermordeten Eltern. Doch deren Tod ist fünf Jahre her? Handelt es sich wirklich um denselben Täter?

Unterstützt wird Emma auf ihrer Jagd von ihrem Parabbi Julian und seiner Familie. Ich liebe Julians Geschwister! Die Zwillinge Ty und Livvy, die eine Geheimsprache haben und eine ganz besondere Beziehung, die Horrorfilm liebende Dru und der 7 jährige Tavvy. Außerdem gibt es noch ihren Onkel, Arthur. Doch der ist geistig nicht ganz bei sich und lebt zurückgezogen auf dem Dachboden. Er hat traurige Tage, stille Tage oder chaotische Tage, das sind die schlimmsten. Entstanden ist der Wahnsinn durch eine Gefangennahme im Feenreich.
Die Eltern der Blackthorns sind tot, die älteste Schwester verbannt, weil sie Feenblut in sich trägt und der große Bruder Mark, wurde von der Wilden Jagd verschleppt. Also sorgt Julian seit fünf Jahren für seine Familie und trägt schwer an dieser Last.

Es gibt viele Hinweise auf die Personen der anderen Bücher. Ich muss gestehen, dass ich einige gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Ich weiß ehrlich gesagt, überhaupt nicht mehr, was im letzten Band passiert ist. Wenn das so wäre, hätte ich die kleinen Andeutungen zu den Figuren vermutlich viel mehr gefeiert, aber es hat auch nicht übermäßig gestört oder verwirrt. Höchstens den Drang geweckt diese Bücher auch nochmal auf meinen SUB zu werfen. Ich weiß aber nicht, wie es wäre mit diesem Buch zu starten, ohne etwas von Cassandra Clare zu kennen.

Neben den Schattenjägern braucht es bei Cassandra Clare ja immer einen coolen Hexenmeister. In diesem Fall ist das Malcom, oberster Hexenmeister von LA. Ich hab ihn erst mit Magnus verwechselt und weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr wo der eigentlich herkommt, aber er ist ein herrlich zerstreuter Professor Typ, der dem ganzen einen lustigen Farbpunkt verpasst. Er scheint zu wissen, wie Julian zu Emma steht, die ganzen Andeutungen sind recht eindeutig, nur Emma scheint es nicht zu checken und Julian nicht bereit etwas zugeben.

„Malcom“, stieß Julian zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „das hier ist keine Liebesgeschichte.“„Jede Geschichte ist eine Liebesgeschichte.“
(S. 118)

Soviel zum Hintergrund. Emma ist also auf Mörderjagd und plötzlich taucht eine Delegation der Elfen beim Institut auf. Doch die Elfen sind eigentlich geächtet und man darf keinen Kontakt zu ihnen haben, trotzdem empfangen die Blackthornes sie und erhalten ein Angebot: Mark wird von der Wilden Jagd befreit und zu seinen Geschwistern gebracht, als Belohnung, wenn diese den Mörder finden der unter anderem auch Elben getötet hat. Die Blackthornes gehen, gedrängt von Emma, auf den Handel ein. Doch das Feenreich hat Mark sehr verändert und es fällt ihm nicht leicht, zurück in seine Familie zu finden.

„Ich weiß nicht, wohin ich gehöre“, sagte Mark. „Aber wenn ihr einverstanden seid, will ich versuchen hierherzugehören.“
(S. 287)

Es beginnt eine Jagd nach dem Mörder, Hinweise werden gefunden und verloren, Spuren entdeckt und das Rätsel wächst und wächst. Gleichzeitig wachsen die Charaktere enger zusammen und verändern sich. Julian und Emma müssen ihre Gefühle für einander klären, Mark herausfinden in welche Welt er gehört, Christina wird von ihrer Vergangenheit eingeholt...

Es gibt eine sanfte Spannung, mit viel zwischenmenschlicher Handlung. Ich könnte mir vorstellen, dass es sich für einige Leser etwas hinzieht. Das Buch ist halt einfach auch mit über 800 Seiten ein ordentlicher Brocken. Ich war sehr froh, es in den Sommerferien zu lesen, denn da kriegt man im Zug meistens einen Sitzplatz und die Hände fallen nicht allzu sehr beim Buchhalten ab. Für mich hat es sich jedenfalls nicht gezogen. Es gab so viele Handlungsstränge, dass es die Zeit und den Platz einfach benötigte, um alles gut abzudecken.
Ich glaube, dass sich Fans der Reihe mit dieser Geschichte sehr sehr wohl fühlen werden.

Das Ende, die Auflösung, der Böse … woahhh ich war ja SO auf der falschen Fährte! Und ich hätte gern geweint, ein klein bisschen.

Die Atmosphäre ist durch die Morde und die familiäre Situation natürlich angespannt, aber es gibt auch viel Humor, Heldenmomente und Augenblicke in denen man Luft holen und lächeln kann. Marks veränderte Art sorgt gleichzeitig für Schmunzeln und Wahnsinn, die Love Story war nicht so meins, aber das ist Geschmackssache.

Ich werde mir den zweiten Band auf jeden Fall zum Geburtstag wünschen, voll gut, dass er im Oktober erscheint.

Ein wirklich cooles Buch, dass mich mit Macht aus meinem Lesetief gerissen hat! Vier fette liebevolle Bücher für Heldenmomente, Geschwisterherzchen, Sarkasmusgedöns, tolle Charaktere, eine gute Geschichte und viel Fantasy.
Die dunklen Mächte 01 - Midnight Lady
Die dunklen Mächte 02 - Lord of Shadows (erscheint 09.10.2017)



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