Mittwoch, 9. August 2017

♂ Boot Camp (Morton Rhue) [Rezension]

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„Ich weiß längst nicht mehr, ob es Tag oder Nacht ist. Statt zu schlafen, wenn ich denke, es ist Nacht, und wach zu sein, wenn ich denke, es ist Tag, döse ich die ganze Zeit nur so vor mich hin. Unermessliche Berge Zeit schweben vorbei wie Wolken.“

(S.69)

Eines Tages wird Connor einfach so abgeholt und mitgenommen. Auf Geheiß seiner Eltern, deren Idealbild eines Kindes er nicht entspricht, landet er in Lake Harmony, einem Boot Camp. Hier geschehen tagtäglich unvorstellbare Dinge. Connor gelangt bald an seine Grenzen, doch aus der Hölle des Camps gibt es kein Entrinnen.
Der Name Morton Rhue ist sicherlich, nicht zuletzt auch wegen seines Buches “Die Welle“, vielen Leserinnen und Lesern ein Begriff. Als ich vor kurzem in der Buchhandlung dann „Boot Camp“ in der Hand hatte, musste ich es einfach mitnehmen. Allzu lange musste das Buch dann auch nicht warten und ich nahm es zur Hand.

Und so wurde ich auch gleich auf den ersten Seiten in die Geschichte geworfen. Ich erlebte, wie Connor von zwei „Transporteuren“ ins Camp Lake Harmony gebracht wurde. Erst hier bei seiner Ankunft hat Connor erfahren, dass er in ein Boot Camp gebracht wurde. Sein Vergehen, für das ihn seine Eltern in das Camp bringen ließen war kein Drogenkonsum oder Diebstahl. Connors Eltern sind nicht damit einverstanden, dass er eine ältere Freundin hat. Schnell findet er dann auch heraus, dass der Name des Camps im krassen Gegensatz zu den Dingen steht, die hier passieren.

Morton Rhue beschreibt in „Boot Camp“ die Handlungen kühl und sachlich, wobei es ihm mit wenigen gut gewählten Beschreibungen und Andeutungen gelingt, entsprechende Emotionen beim Lesen hervorzurufen. Seine Geschichte strotzt vor Gewalt, zeigt dabei stringent Konsequenzen menschlichen Handelns auf und beschreibt eindrucksvoll die möglichen Auswirkungen von verhängnisvollen Machtgefügen. Durch die vom Autor gewählte Ich-Perspektive in Gegenwartsform aus der Sicht von Connor konnte ich mich außerdem direkt in die Handlung einfühlen.

Die Geschichte wirkte von Beginn an beängstigend und bedrückend auf mich, ein ums andere Mal musste ich förmlich aufgrund der beschriebenen Handlungen den Atem anhalten. Eine gewisse Hoffnungslosigkeit bahnte sich ihren Weg, ein Ausweg war weit und breit nicht in Sicht. In seiner Geschichte beschreibt Morton Rhue das Leben in einem Boot Camp so, wie man es sich vorstellt. Oder besser gesagt, wie man befürchtet, dass es so sein könnte. Nicht vorzustellen, dass Eltern ihre Kinder zur Umerziehung und Anpassung in solch ein Lager geben. Die Kinder und Jugendlichen haben, zumindest im hier beschriebenen (fiktiven) Camp Lake Harmony keinerlei Rechte. Kann es denn wirklich an einer maßlosen Verzweiflung von Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder liegen, dass man die eigenen Kinder in so ein Camp gibt? Oder an einer gewissen Bequemlichkeit?! Mir wird dieses Vorgehen vermutlich weiterhin ein Rätsel bleiben. Zumindest verwundert es nicht, dass diese Branche sich in einigen Erdteilen etabliert hat und durchaus nach wie vor boomt.

Seine Charaktere beschreibt der Autor knapp, aber absolut vorstellbar. Neben Connor erfährt man von anderen handelnden Personen kaum Details zu ihrer Vergangenheit und auch die Blitzlichter aus Connors Vorgeschichte halten sich in Grenzen. Dies stört hier jedoch nicht im Geringsten und hinterlässt auch nicht den Eindruck, dass etwas Grundlegendes fehlen würde.

Nach aufreibenden Lesestunden kommt Morton Rhue für seine Geschichte dann zu einem Ende, das man sich durchaus vorstellen kann und das nachvollziehbar wirkt. Ich denke, das Buch wird auf jeden Fall noch ein wenig bei mir nachwirken. Definitiv hat Morton Rhue hier ein sehr heiß zu diskutierendes Thema aufgegriffen.
Boot Camp“ zeigt Auswüchse und Gefahren menschlicher Verhaltensweisen in abgegrenzten Hierarchien eindrucksvoll auf und kann auf ganzer Linie mit den enthaltenen Handlungen schockieren. Meine Lesestunden an der Seite von Connor honoriere ich mit klaren 5 Büchern.

Für alle, die die Hoffnung auf einen guten Ausgang nie aufgeben, sich dabei unvorstellbaren Strapazen stellen können und ihr Selbst dabei nicht verlieren.


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Claudias Bücherregal (Rezension)

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Kommentare:

  1. Eines der Bücher, die ich von dem Autor noch nicht gelesen habe. "Die Welle" fand ich unglaublich beeindruckend, deswegen möchte ich "Boot Camp" nun auch noch lesen. :)

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    1. Hallo Binzi,

      "Die Welle" fand ich auch ziemlich krass...Ich schätze, "Boot Camp" wird dann auch einen entsprechenden Eindruck bei dir hinterlassen...

      Liebe Grüße
      Kay

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  2. Hallo ihr beiden :)
    Ich habe das Hörbuch rezensiert, allerdings schon 2013 *g*
    http://claudias-buecherregal.blogspot.de/2013/11/rezension-rhue-morton-boot-camp.html
    Es hat bei mir aber auch 5 Sterne bekommen.
    LG Claudia

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    1. Hallo Claudia,

      der Autor hat eindeutig ein Händchen für derartige Geschichten. Ich konnte mich richtig in die Handlung hineindenken. Wirklich klasse beschrieben...

      Liebe Grüße
      Kay

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Steffi & Kay