Dienstag, 11. Juli 2017

(L) Die Geschwister Gadsby (Natasha Farrant) [Rezension]

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„Beachtet ihn gar nicht, er darf uns nicht schlagen, er ist nicht unser Vater.“
„Selbst wenn er‘s wäre, dürfte er uns nicht schlagen“, sagte Jas. „ Das ist nämlich gegen das Gesetz.“

(S. 41)
 „Was willst du eigentlich?“, fragte ich Joss.
„Dich retten“, sagte er. „Ich bin dein Ritter in schimmernder Rüstung.“

(S.51)
Die Familie Gadsby, das sind Bluebell, die etwas graue Maus, die so viel mehr sieht, als die anderen. Flora, mit dem Hand zur Dramatik und den ständig wechselnden Haarfarben. Jasmin und Twig, die Kleinen, die ihre Ratten über alles lieben und manchmal ganz schön anstrengend sein können. Mama, die öfter im Flugzeug sitzt, als im Wohnzimmer und Papa, der immer seltsamere Fragen stellt und ständig außer Landes verschwindet. Und dann ist da noch Zoran, der eigentlich bei Papa Gadsby studiert und plötzlich zum Au-Pair wird, ein ziemlich schlauer Kerl mit großem Herz, der aber nicht mehr kochen kann, als aufgewärmte Würstchen. Und als dann noch Joss im Nachbarhaus einzieht, nimmt das Chaos seinen Lauf.
Ich mag das Cover des Buches und den Titel und den Klappentext und überhaupt alles so gerne, ich habe mich richtig auf dieses Buch gefreut!

Die Geschichte startet mit einer kurzen Erklärung, dass sie sich aus Tagebucheinträgen und Kameraeinblicke der Autorin zusammensetzen wird. Diese Autorin ist Bluebell, die ja schon im Klappentext erwähnt wird. Im ersten Kapitel sind die Geschwister Gadsby allein Zuhause und toben, was damit endet, dass das jüngste Mädchen Jas mit einer blutenden Lippe im Krankenhaus landet, die tatsächlich auch genäht werden muss.

Später hören die Kinder im Haus ein Geräusch und schleichen die Treppe hinunter, angeführt von der großen Schwester Flora, die es nicht einsieht ganz alleine von einem Einbrecher abgemetztelt zu werden.
Doch unten im Haus findet sich weder ein Zombie, noch ein Einbrecher, sondern ein junger Mann namens Zoran, der sich als Student von Vater Gadsby und neuer Au Pair vorstellt. Die Kinder sind verblüfft und nicht ganz sicher, was sie davon halten sollen.

Nach und nach wird klar, dass die Eltern der vier Kids ziemlich viel außer Haus, ja sogar wegen ihrer Jobs außer Landes sind. Den Kindern gefällt das gar nicht, immer wieder kommt es zur offenen Rebellion. Das Leben im Haus der Gadsbys ist ziemlich chaotisch und Zoran hat alle Hände voll zu tun. Dann haben die zahmen Ratten plötzlich Babys und kurze Zeit später hängt um den Hals der einen Ratte ein kleines Schild auf dem steht: „Ich bin der Vater“. Ganz klar, irgendetwas stimmt hier nicht. Blue stellt kurzerhand ihre Kamera zur Verfügung, um den geheimnisvollen Einbrecher zu stellen und es gelingt ihr auch. Joss Bateman ist gegenüber eingezogen und fand es lustig fremder Leute Ratten zu beschriften. Er geht dann auch mit Blue und Flora auf dieselbe Schule und hier sprühen ordentlich die Funken.

Jedes der Kinder hat seinen Part und seine ganz eigene Persönlichkeit, aber mit Blue habe ich mich am meisten verbunden gefühlt. Sie ist ein unglaublich liebes und herzliches Mädchen, mit einem dunklen Schatten im Leben. Denn Blues Zwillingsschwester ist vor wenigen Jahren überfahren worden und gestorben. Das nimmt sie noch immer unglaublich mit und gibt der ganzen Geschichte eine gewisse Melancholie. Blue wird in der Schule ignoriert, sie führt sich unsichtbar, während Flora ein richtiger Star ist, mit ihren schrillen Haarfarben und den stylischen Klamotten.

„Die ganze Mensa war wie unter Schock, als hätten sie alle gerade erst begriffen, dass wir Schwestern sind. Die mit den Zuckerwatte-Haaren und das Mauerblümchen.“(S. 43)

Als einige Mitschüler schließlich anfangen Blue aktiv zu mobben, greift Joss ein und hilft Blue sich zu rächen. Diese Problematik zieht sich durch das ganze Buch und wird später schön gelöst. Außerdem ist da immer noch die Sache mit den Eltern, die so viel arbeiten, die Geschwisterbande, erste Liebe, all diese alltäglichen Dinge.

Es ist ein bisschen fies, dass ich so wenig über Jas und Twig, die beiden Jüngsten der Truppe sagen kann, aber sie sind einfach cool!„Wenn ihr sie lange genug beobachtete“, sagte Zoran. „Seht ihr wie die Mutter ihre Jungen stillt.“„Aber die sind doch gar nicht laut“, sagte Twig.„Er meint, dass sie ihnen zu trinken gibt“, sagte Flora. „Aus ihrer Brust.“„Ratten haben Brüste?“ Jas war entsetzt.
(S. 26)

Die beiden Sorgen für die Komik in den Büchern, während Blue die Melancholie beisteuert und Flora einen Hauch von Drama und Wahnsinn. Dann ist da noch Zoran mit seiner Herzlichkeit, dem Sarkasmus und der vagen Verzweiflung und all das gibt die perfekte Mischung.

Der Schreibstil wechselt immer wieder zwischen Tagebucheinträgen, Handlung und Kameraführung. Aber das ist überhaupt nicht störend oder so, im Gegenteil, es hat super viel Spaß gemacht und in jedem Satz steckt einfach so viel Autorenliebe, dass man nie wieder aus dieser Welt auftauchen möchte.
Ich liebe dieses Buch! Der Schreibstil, die Personen, der Humor, die Liebe und überhaupt, es ist einfach genial! Bitte lest es! Fünf Bücher von mir für „Die Geschwister Gadsby“.
1. Die Geschwister Gadsby
2. Die Geschwister Gadsby und die Liebe
3. Die Geschwister Gadsby im Sommerchaos




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Steffi & Kay