Donnerstag, 25. Mai 2017

(L) Die Mississippi-Bande: Wie wir mit drei Dollar reich wurden (Davide Morosinotto) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
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„Welchen Namen ich mir selbst geben würde? Ich weiß nicht. Vielleicht würde ich mich „das Mädchen, das nicht weinen kann“ nennen, denn ich habe in meinem ganzen Leben noch nie geweint. Dass ich nie weine, heißt nicht, dass ich glücklich bin. Im Gegenteil.“
S. 219 

„Ich war losgezogen, um frei zu sein. Und jetzt war mir das genommen worden, was mir im Leben am allerwichtigesten war. Aber ich würde es mir zurückholen.“
S. 235
Es begann an einem Nachtmittag wie jedem anderen, als wir im Bayou angelten. Doch kein Fisch landete in unserem selbstgebauten Boot, sondern eine Blechdose mit drei Dollar darin, das größte Vermögen, dass wir je besessen hatten. Mit diesem Geld wollten wir uns etwas im Katalog bestellen. Doch damit lösten wir etwas aus, das uns in das größte Abenteuer unseres Lebens stürzte.
Die Mississippi-Bande ist ein Kinderbuch, das im Januar im Thienemann Verlag erschienen ist. Es geht (wie der Titel schon sagt) um die Mississippi-Bande, bestehend aus Eddi, Te Trois, Joju und Tit. Die Geschichte spielt im frühen 20. Jahrhundert, also nichts mit Facebook oder Low Carb und mitten im Banjou, das Sumpfgebiet in den Südstaaten. Es ist heiß, drückend, Mücken fliegen umher und vier Abenteurer versuchen der Ärmlichkeit oder dem Druck ihrer Elternhäuser zu entfliehen.

Vier Kinder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Eddi scheint es von ihnen am besten getroffen zu haben. Er hat Mutter und Vater, ein ordentliches Zuhause und eine Zukunft. Er selber sieht sich als Schamane, der die Stimmen der Tiere und der Geister hören kann. Er ist sowas wie der kleine Nerd der Truppe.
Te Trois hat nur noch seine Mutter und seine Geschwister, von denen er oft Prügel bezieht. Er ist muskulöser, ein Kämpfer und Abenteurer und derjenige, der an diesem schicksalhaften Tag die Angel auswirft, deren Fang alles verändern wird.
Joju ist ein wunderschönes Mädchen und nennt Tit ihren kleinen Bruder, doch er ist schwarz und sie weiß. Tit redet kaum, gibt nur hin und wieder Laute von sich und ist trotzdem einer von ihnen. Einen Vater haben sie nicht, im Dorf werden sie nicht geduldet. Es wird nicht direkt gesagt, aber die Hinweise sind recht eindeutig, dass ihre Mutter eine Prostituierte ist. Sie wohnen am Rande des Dorfes in einer kleinen Hütte und haben das härteste Schicksal der vier. Trotzdem ist keiner von ihnen verbittert.

Im ersten Kapitel fällen sie einen Baum und schnitzen sich eine Art Kanu daraus, das als Einbaum bezeichnet wird. Sie lassen ihn zu Wasser, machen ihre erste Fahrt und werfen die Angel aus, doch statt des Mittagsessen, finden sie eine alte Blechdose und darin drei Dollar. Das war damals ein riesiger Haufen Geld und es musste gut überlegt werden, was sie damit anfangen wollten. Schließlich kamen die vier zu dem Entschluss aus „dem Katalog“ vom größten Versandhaus ihrer Welt, etwas zu bestellen und zwar einen Revolver. Te Trois will den unbedingt bestellen und auch Joju stimmt ihm zu. Aber Kinder können schließlich nicht einfach einen Revolver bestellen und was, wenn der Postbote sie übers Ohr haut und ihr Geld nimmt? Ein gewitzter Plan wird ausgetüftelt und nach langem Warten, erreicht sie endlich ein Paket. Aber nicht der ersehnte Revolver ist darin, sondern eine Taschenuhr, die zu allem Unglück auch noch kaputt ist! Die Kinder sind schwer enttäuscht, nur Tit kann sich gar nicht mehr von der Uhr trennen und drehte mit Freuden daran herum.

Doch dann taucht ein Zeitungsbericht auf, dicht gefolgt von einem seltsamen Mann, der behauptet der Uhr auf der Spur zu sein, um sie zurückzubringen. Doch das an dem Typen was faul ist, merkt unsere Mississippi-Bande recht schnell und geht zum Gegenangriff über, bis sich die Ereignisse schließlich überschlagen und die vier auf die größte Reise ihres Lebens führt.

Ich mochte das Buch richtig gern! Hinten drauf stand irgendwas von wegen „für alle Huckelberry Finn Fans“ und das hat mich direkt überzeugt, es mitzunehmen. Das Cover fand ich jetzt nicht so wunderschön, war aber okay. Die Kapitel haben eine angenehme Länge (bahnfahrerfreundlich) und beginnen immer mit entweder einer Zeitungsanzeige oder einem Bild aus dem berühmten Katalog. Die Zeitungsanzeigen erzählen die Geschichte von
Mr. Darsley, der schon auf dem Original Klappentext erwähnt wird. Wie genau das aber alles zusammen hängt, das müsst ihr selber rausfinden. Es gibt auf jeden Fall alles, was ein Kinderbuch braucht. Geheimnisse, einen Schurken, Helfer, verrückte Kinder, einen verborgenen Schatz und viel Abenteuer.

Ich mochte den Erzählstil gerne, wenn er auch anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war. Das Buch ist in vier Teile unterteilt, die immer von einem anderen Kind erzählt werden, sodass also jeder aus der Bande einen Teil der Geschichte aus seiner Sicht erzählt. Der von Joju hat mir am besten gefallen. Sie ist ein starkes Mädchen, mit ganz normalen Sorgen und einer schlimmen Vergangenheit und einem kleinen Bruder, den sie über alles liebt, auch wenn er in dieser Welt nicht viel Platz hat. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass in einem Kinderbuch die Thematik weiß/schwarz aufgegriffen wird, aber genauso war es und es war absolut passend und gut, wobei mir bei der Szene wirklich ein Schauer über den Rücken gelaufen ist.

Das Buch wird für Kinder ab 10 Jahren empfohlen und dem kann ich auch gut zustimmen, allerdings kennt ihr eure Kinder am besten und wisst, was ihr mit ihnen lesen könnt. Es ist ein schönes Buch, aber es werden wie gesagt der Konflikt zwischen schwarz und weiß aufgegriffen, das Thema der Prostitution gestreift, Joju hat Mädchenprobleme und es gibt einen Schurken, der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Die Themen sind wunderbar in die Geschichte eingearbeitet und ich möchte das Buch aber auch jedem „Erwachsenen“ sehr ans Herz legen.
Eine tolle Geschichte, mit Helden, Schurken, geheimnissen und Abenteuern, die mich richtig gut unterhalten hat. Von mir gibt es vier Bücher und eine klare Leseempfehlung!



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Steffi & Kay