Donnerstag, 4. Mai 2017

♂ Des Teufels Gebetbuch (Markus Heitz) [Rezension]

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„Der Dealer nahm derweil die verheerende Karte und gab sie mit dem verbliebenen Stapel, aus dem gezogen wurde, in den Mischapparat. Der Tod befand sich erneut im Spiel.“
(S.52)
Der Ex-Spieler Tadeus versucht nach Jahren im Geld- und Drogenrausch sein Leben in den Griff zu bekommen. Tadeus musste aufgrund hoher Spielschulden Privatinsolvenz anmelden. Er arbeitet in einem Casino, täglich konfrontiert mit seiner Sucht. Doch bisher ist er stark geblieben.

Tadeus gerät überraschend in den Besitz einer alten Spielkarte, die eine eigentümliche Macht auf ihn auszuüben scheint. Den Einflüsterungen der Karte kann er sich zunehmend nicht entziehen. Jemand hat ein großes Interesse an dieser Karte und so befindet sich nicht nur Tadeus plötzlich in großer Gefahr. Mehr noch, mächtige Leute sind nun hinter ihm her.

Gemeinsam mit Hyun, deren Verlobter bei einer illegalen Spielrunde ermordet wurde, versucht er, die Geheimnisse der Karte zu ergründen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Karte zu einem unheilvollen Kartenspiel gehört. Und jemand versucht, dieses Spiel zusammenzuführen. Doch dies muss mit allen Mitteln verhindert werden! Tadeus macht sich mit Hyun auf die Suche nach weiteren Karten. Dass er damit sein Leben auf Spiel setzt, nimmt er in Kauf. Denn auch er kann sich der Anziehung der Karten nicht erwehren.
Schon als ich das erste Mal von „Des Teufels Gebetbuch“ gehört habe, dachte ich mir, dass ich das Buch auf jeden Fall lesen muss. In der Folgezeit ist mir die Geschichte immer wieder über den Weg gelaufen. Nun war es endlich soweit, bei einem Besuch in meiner Lieblingsbuchhandlung habe ich mir „Des Teufels Gebetbuch“ spontan zugelegt. Und habe nicht lange gewartet, mit dem Lesen loszulegen.

Es dauerte auch wirklich nicht lange, da habe ich mich in der Geschichte wohlgefühlt. Ich erlebte zwei Erzählstränge in verschiedenen Gesellschaftsepochen, die sich hervorragend ergänzten und aufeinander aufbauten, dabei die Leseneugier stetig anheizten. Die Charaktere stellten sich hierbei meinem Empfinden nach vorstellbar dar, die gewählten Eigenschaften schlossen Verwechslungen aus.

Markus Heitz schuf mit den anfänglichen Handlungen eine gute Basis, brachte wissenswerte Informationen und legte damit den Grundstein für einen sich von Beginn an andeutenden Lesegenuss. Nach und nach zog das Tempo immer mehr an, die Geschichte entwickelte eine Sogwirkung auf mich. Auch wenn ich leider durch persönliche Umstände gezwungen war, die Geschichte nicht durchgängig lesen zu können, waren die Geschehnisse und Handlungen dennoch bei jedem Wiedereinstieg sofort präsent. Allein dies ist für mich immer ein Indiz für eine prägnant dargestellte Entwicklung, die mir selbst bei Leseunterbrechungen im Gedächtnis bleibt.

Markus Heitz wählte für die Präsentation seiner Geschichte die Erzählform in dritter Person Vergangenheit aus verschiedenen Sichten. Vorrangig erlebte ich dabei die Handlungen von Tadeus, erhielt aber immer wieder Einblicke in eine Zeit im 18. Jahrhundert, die eine wunderbare Abrundung der Ereignisse darstellten.

Die Idee des Autors wurde wirklich gut recherchiert, wobei er jedoch immer Wert darauf gelegt hat, die Geschichte nicht mit Informationen zu überfrachten. Der Fokus lag vielmehr auf einer spannenden Handlung und gut verzahnten Geschehnissen, die insgesamt einen mitreißenden Lesemix boten.

Mit jeder gelesenen Seite wurde ich mehr an die Geschichte gebunden, meine Neugier war entfacht und ich fieberte den weiteren Ereignissen entgegen. Sehr gut gefallen hat mir außerdem, dass weder der Protagonist Tadeus noch andere Charaktere wie z. B. Hyun besonders herausragende Stärken aufweisen mussten, um sich den anstehenden Aufgaben stellen zu können. Diese mussten mehr oder weniger mit herkömmlichen und alltäglichen Mitteln gelöst werden.

Natürlich ließ es sich Markus Heitz auch nicht nehmen, die eine oder andere Spur in seiner Geschichte zu legen, so dass ich auf eine falsche Fährte gelenkt wurde. Umso überraschter war ich, als sich dann jeweils der wahre Hintergrund auftat und der Handlung dann wieder eine andere Richtung zuwies.

Geschickt gewählt fand ich die Idee des Autors, ein Kartenspiel mehr oder weniger in die Rolle des Antagonisten zu setzen. Die Erklärungen rund um die Geschehnisse herum gaben der sich damit steigernden Gefahr ein Gefühl von Erlebbarkeit und ich so wurde ich regelrecht dazu gezwungen, mich diesem Eindruck zu stellen.

Zum Ende hin zieht Markus Heitz nochmals alle Register, wollte mich nicht einfach mit einem 08/15-Ende aus seiner Geschichte entlassen und so erlebte ich nochmals einen Showdown, der es in sich hatte. Dennoch konnte sich mein Puls nach dem vom Autor gewählten Ausklang nun doch wieder beruhigen.

Zum Glück musste ich mich nicht gleich abrupt von der Geschichte trennen, sondern konnte noch im Epilog, den folgenden Nachworten und Danksagungen stöbern. Enthalten sind außerdem viele interessante Informationen aus Recherchen des Autors, die Markus Heitz aufgrund der schieren Menge schlichtweg nicht in den eigentlichen Plot aufnehmen wollte, um die Leserinnen und Leser nicht mit einer Informationsfülle zu überfluten. Klasse!
Des Teufels Gebetbuch“ hält, was es verspricht und konnte mir mit abwechslungsreichen Handlungen, gut inszenierten Entwicklungen und dem spürbaren Hauch einer übernatürlichen Gefahr Lesestunden erster Güte verschaffen. Meine Erlebnisse auf der Suche nach den mysteriösen Spielkarten sind mir deshalb klare 5 Bücher wert.

Für alle, die sich von gefährlichen Gegenspielern nicht aufhalten lassen, dabei übernatürliche Bedrohungen akzeptieren und auf überraschende Entwicklungen eingehen können.




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Steffi & Kay