Donnerstag, 13. April 2017

(L) Der Name des Windes (Patrick Rothfuss) [Rezension]

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„Einen Zettel? Du schleichst dich weg und hinterlässt mir einen Zettel?“, zischte er. „Wer bin ich denn? Irgendeine Hafennutte?“ (...) „Und dann war es auch noch so lausig formuliert. >Wenn du das hier liest, bin ich wahrscheinlich schon tot.< Da lachen ja die Hühner!“ (S. 59) „Das nimmt ihnen etwas von ihrem Schrecken. Dinge, die wir nachvollziehen können, können wir auch versuchen zu beherrschen. Die Chandrian aber kommen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Reine Zerstörung. Ohne Sinn und Verstand.“ (S. 117)
Sein Name ist Kvothe, der Sohn fahrender Spielleute. Ein normaler Junge. Oder? Als Kvothe eines Tages heimkehrt, findet er das Lager verwüstet, Mutter und Vater sind tot. Doch wer sind diese Chandrian, die seine Familie abgeschlachtet haben? Was soll die Aussage „Sie haben die falschen Lieder gesungen“ bedeuten?

Kvothe will das Geheimnis ergründen und riskiert dafür alles. Vom Straßenjungen der Hafenstadt schafft er es ins Akanum, die Universität für hohe Magie. Diese soll ihm die Macht geben, das Geheimnis der sagenumwobenen Chandrian zu lüften. Ein Sohn von Spielleuten, ein Magier, ein Wissenschaftler, ein Musiker - ein Mann gegen die Dämonen der Welt. Und sein Name wird zur Legende werden.
Ich habe dieses Buch auf Anraten meines besten Freundes gekauft, der sehr sehr begeistert von Kvothes Geschichte war. Allerdings sagte er, er sei sich nicht sicher, ob „das was für Mädchen ist“. Innerhalb der nächsten zehn Minuten hatte ich mir das Buch bestellt und mir die Leseprobe vorgeknöpft.  Bei der Widmung hatte er mich schon, die ist einfach so wunderschön!

Wie der Klappentext schon sagt, handelt es sich um einen Jungen oder Mann namens Kvothe. In dem Buch begegnen wir jedoch einem gewissen Kote, ein Mann mit flammend rotem Haar und fast magischen grünen Augen, ungefähr 24 Jahre alt zu sein scheint. Er ist der Wirt des kleines Gasthauses zum Wegstein in einem Ort namens Newarre, in dem nicht viel los zu sein scheint. Die Gäste kennen einander gut und lange und kommen regelmäßig zum Essen, Trinken und Geschichten erzählen hier her.

Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass Kote keineswegs nur ein einfacher Wirt ist. Bis Seite 50 hat er sich schon zwei Geschichten über seine Herkunft ausgedacht und bittet seinen Gefährten Bast diese unauffällig an die Menschen weiter zugeben, um seinem Verhalten einen glaubhaften Hintergrund zu geben. Immer wieder gibt es versteckte Hinweise, auf seine Vergangenheit und darauf, dass der Beruf des Wirtes, eher wie eine sehr frühe Rente wirkt, von einem Leben, das weitaus mehr beinhaltet hat.
Er wird „der Blutlose“, „Kvothe der Arkane“ und „Kvothe der Königsmörder“ genannt und es wird immer wieder von Geschichten erzählt, in denen er genannt wird.

Bast wird als junger Typ beschrieben. Er nennt Kote in der Öffentlichkeit seinen Herrn, aber untereinander sind sie eher wie Schüler und Lehrer, wobei Kote ja selber noch total jung ist. Bast nennt Kote Reshi und er weiß über Kotes Vergangenheit Bescheid. Außerdem lässt er hin und wieder so seltsame Bemerkungen fallen, dass ich echt ins Grübeln gekommen bin. Irgendwas ist mit ihm, ich bin mir gar nicht so sicher, ob er wirklich ein Mensch ist.

Dann ist da noch der Chronist, der eigentlich Devan Lochees heißt und der Name sagt Kote auch direkt etwas. Der Chronist taucht in dem Gasthaus auf, er war auf der Suche nach Kvothe und erkennt Kote auch direkt als diesen und bittet ihn ihm seine Geschichte zu erzählen. Vermutlich, damit er sie aufschreiben kann, er hat wohl auch schon die Geschichten von anderen berühmten Männern erzählt bekommen. Der Chronist selber scheint sehr gutmütig und ziemlich pfiffig, aber eben ein Mann der Tinte und nicht des Schwertes zu sein.
„Ich bin ein Mythos“, sagt Kvothe von sich selber zu dem Chronisten und anscheinend ist es auch so, dass man ihn für tot hält. Außerdem wird eine unglückliche Liebe angedeutet.

Es wird unheimlich viel angedeutet und ich war zwischendurch richtig aufgeregt, weiterzulesen. Das Buch hat mich total gepackt. Erzählt wird von einem allwissenden Erzähler und die Kapitellängen sind unterschiedlich. Allerdings gibt es Trennungszeichen innerhalb der Kapitel, für Bahnfahrer wie mich, die es verabscheuen mitten drin aussteigen zu müssen, also sehr gut.
Der Schreibstil ist einfach und doch irgendwie sehr komplex. Er hat eine gewisse Melancholie, die super gut zu Kote passt und zwischendrin gab es so Sätze, wo ich einfach Gänsehaut hatte.

„Im Herbst ist alles müde und bereit zu sterben.“
(S. 51)

Kote stimmt schließlich zu, dem Chronisten seine Geschichte zu erzählen und so erfahren wir alles von Anfang an, mit Kote, wie ein ganz „normales“ Buch. Hin und wieder kommt ein kurzes Kapitel, wo man dann wieder im Wirtshaus im Jetzt ist, die Reaktionen des Chronisten und auch von Bast erfährt und dann taucht man wieder in Kotes Leben ein. Die Erzählung ist sehr komplex. Es gibt Geschichten innerhalb der Geschichten und viele Informationen. Die Chandrian, scheinen die Bösen zu seinen, in meinem Kopf sind sie irgendwie wie die Reiter der Nazgul. Ich bin total gespannt, ob und wie Kvothe sie stellen wird!

Was ich noch sagen muss ist, dass es in diesem Buch auch einiges an Wissenschaft ist. Kvothe besucht die Uni und lernt dort jede Menge, ich kann die Begriffe nicht mal aussprechen geschweige denn genau definieren, was damit jetzt gemeint ist. Hin und wieder ist es sehr theoretisch, sehr wissenschaftlich. Mich hat das jetzt nicht groß gestört, wer aber nach einem großen Schlachtenbuch sucht, sollte das vielleicht beachten.
Nichtsdestotrotz ist es absolut krass, was sich der Autor hier alles ausgedacht hat. Eine neue Währung, neue Namen für Tage und dann noch diese ganzen Lehren dazu ... riesigen Respekt, das ist wirklich irre!

Wer eine kurzweilige Ablenkung sucht, ein Zugbuch für zwischendurch oder eine romantische Liebesgeschichte ist hier falsch. Der Name des Windes ist ein 860 Seiten Wälzer, der Konzentration erfordert. Wer aber gerne in einer Welt voller Helden, Straßenmusiker, Geschichtenerzähler und Magie eintauchen möchte, wer einen Straßenjunge über die Dächer einer verdorbenen Stadt folgen möchte, wer die Geschichte der Chandrian ergründen will und von Lanre dem gefallenen Helden, wer sich mitreißen lassen will und bereit ist am Ende des Buches mit knurrendem Magen und Herzklopfen mitten in der Nacht wieder in der Wirklichkeit aufzutauchen, der ist hier absolut richtig!
Dieses Buch ist gigantisch und ich bin schon seit den ersten Seiten ein totaler Patrick Rothfuss Fan. High Fantasy im klassischen Still mit viel Humor, jeder Menge Einfallsreichtum, bild- und sprachgewaltig. Patrick Rothfuss ist nichts für nebenbei. Man muss sich auf die Geschichte einlassen und sich Zeit nehmen. Und dann wird sie einen völlig mitreißen und in eine Welt voller Magie und Helden mitnehmen, aus der es schwer fällt wieder aufzutauchen. Fünf Bücher von mir für eine geniale High Fantasy Geschichte. Ich empfehle „Der Name des Windes“ für einen langen Tag in einer anderen Welt, mit ganz viel Eistee und griffbereiten Snacks.
Der Name des Windes
Die Musik der Stille




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Kommentare:

  1. Eins der besten Bücher ever. Ich hoffe nur, dass es bald mal ein Finale der Reihe geben wird.
    Liebe Grüße Nanni

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    1. Ich bin gerade beim zweiten Band von "Die Furcht des Weisen" angekommen und habe noch SO viele Fragen! *-* ein Datum für das Finale gibt es aber noch nicht oder.

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  2. Hey Lizzy,

    ich bin überrascht. Ich hätte nicht erwartet hier eine Rezension von "Der Name des Windes" zu finden. Wenn ich dieses Buch mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es #Liebe
    Ich habe damals (mir kommt es zumindest vor wie eine halbe Ewigkeit, dabei sind es nur ein paar Jahre) meine Schwester dazu genötigt es auch zu lesen. Sie hasst mich bis heute dafür. Wir sind Kvothe beide schamlos verfallen, und warten Tag für Tag auf den "3. Tag" ;-)
    Das Hörbuch zu allen Bänden ist übrigens auch genial gesprochen!
    Danke für dieses schöne Rezi, und wenn du mich mal auf der Messe triffst, ich bin die mit dem "The Eolian" T-Shirt xD

    Sonnige Grüße
    Kerstin

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    1. Hu Kerstin♡ was, wieso überrascht? O.o weil ich hier sonst noch nix High Fantasy artiges rezensiert habe? Ich habe früher nur High Fantasy gelesen und geliebt *-* aber in den letzten Jahren hab ich leider festgestellt, dass ich mich auf solche Bücher während den Zugfahrten nicht gut konzentrieren kann, weil sie einfach so komplex sind. Vielleicht ist das Übungssache? Ich will auf jeden Fall wieder mehr davon lesen ♡ Kennst du die Ulldart Reihe von Markus Heitz? Die habe ich SO geliebt! *-*
      Aahh so ein Shirt will ich auch ! :D
      Sternenleuchtengrüße♡
      Liz

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    2. Hey Lizzy,

      nein nicht weil es ein High Fantasy Buch ist, sondern weil es ja schon echt älter ist. Die Ulldart Reihe kenne ich nicht. Klingt als wäre das ein Fehler xD

      Ich beneide dich grad, weil du noch soviel Kvothe vor dir hast. Seufz.

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  3. Achsoo ^-^ ich muss gestehen, dass ich es letztes Jahr schoneinmal gelesen habe, aber da hab ich noch nicht für Steffi Rezis geschrieben ;)
    Ein Buch noch *-* Die Furcht des Weisen Band 1 habe ich gestern beendet ♡
    Lies die mal, die ist gut *-* kannst du noch was im Kvothe Style empfehlen?

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    1. Also was Kvothe vergleichbares ist mir nie wieder begegnet. Ich bin dann aber auch eher zum "Romantasy" Genre übergegangen, das ist alltagstauglicher. Kvothe geht, so wie du sagst, nicht nebenbei.

      Das Schwert der Wahrheit, Herr der Ringe, Drachenelfen etc. das waren früher meiner High Fantasy Ausflüge. ;-)

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  4. Hallo Lizzy <3
    Oh, diese Rezension erinnert mich daran, dass ich auch noch eine zu "Der Name des Windes" und der Fortsetzung in petto habe. War bisher nur zu faul, sie zu schreiben :)

    Das Buch ist fantastisch - da hast du Recht. Gerade deswegen, weil es wirklich eine "Lebensgeschichte" ist, eine Nacherzählung. Ich liebe Kvothe wirklich sehr, vor allem im zweiten Band - auch wenn dieser meiner Meinung schwächer ist als der erste. Patrick Rothfuss kann so unglaublich toll schreiben :D

    Viele Grüße
    Sophia

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Steffi & Kay