Freitag, 3. Februar 2017

♂ Afterparty (Daryl Gregory) [Rezension]

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„Manche Nervenbahnen sind so alt, die Rinnen so tief eingegraben, dass wir nicht um die Erkenntnis herumkommen, in erster Linie Tiere zu sein. Denken, Wille, Selbstbeherrschung? Die sind alle erst später zur evolutionären Party eingetrudelt.“
(S.105)
Jeder kann sich seine Drogen – legale wie illegale – mittlerweile ausdrucken. Die Smart-Drug-Revolution macht es möglich. Und in dieser Zeit arbeitet eine kleine Firma an der Entwicklung eines neuen Stoffes – N M E 110, später Numen genannt.

Lyda war gemeinsam mit ihrer Frau Mikala an der Entwicklung von Numen beteiligt. Nach dieser verhängnisvollen Party mit einer Überdosis der Droge ist Dr. Gloria, ihr persönlicher Engel, immer an ihrer Seite und Lyda in psychiatrischer Behandlung. Numen sollte nicht weiter vertrieben werden.

Plötzlich scheint jemand die Droge wieder auf den Markt zu bringen. Lyda versucht, die weitere Ausbreitung zu verhindern. Doch um die Verbreitung zu stoppen muss sie den Verursacher finden – und dafür Gesetze brechen. Die Verfolgungsjagd beginnt. Und nicht nur Lyda ist auf der Jagd.
Einmal mehr bin ich mit „Afterparty“ auf ein Buch gestoßen, dass ich so gar nicht auf dem Zettel hatte. Die Story hörte sich jedoch interessant an. Und da ich nun neugierig geworden war, wollte ich auch unbedingt wissen, welche Geschichte sich hier verbirgt.

So las ich in die ersten Seiten hinein und fühlte mich nach kurzem so, wie man sich nach einem Drogentrip fühlen muss. Die erste Überraschung für mich war Dr. Gloria, die ich an sich erst als reale Person empfunden hatte. Mein Erstaunen war groß, als sie sich als imaginärer Engel entlarvte, immer an der Seite von Lyda nach dieser verhängnisvollen Überdosis auf dieser Party. Ab hier begann für mich dann dieses psychedelisch angehauchte Buchexperiment.

Daryl Gregory setzt sodann auch fortwährend auf diese psychisch dominierte Note und lässt vorrangig die nach der Überdosis angeschlagene Lyda ihre Erlebnisse aus Ich-Perspektive in Vergangenheitsform erzählen. Ab und an durften andere Sichten ebenfalls in Vergangenheitsform, jedoch in dritter Person, ein kurzes Intermezzo einflechten. Der Drogenbackground allerdings machte es mir fortwährend nicht immer ganz einfach, Einblicke in die Absichten der handelnden Personen zu erhalten bzw. deren Entscheidungen und Handeln vollends nachzuvollziehen. Insofern entwickelte sich selbst zu der aus ihrer Perspektive erzählenden Lyda eine gewisse Distanz, die sich bis zum Ende nur unmerklich verringern ließ.

Die Idee des Autors ist auf jeden Fall wirklich gut und auch nachvollziehbar. Ich kann nur wortwörtlich sagen „Gnade uns Gott“, wenn unsere Entwicklung tatsächlich eines Tages in diese Richtung steuern sollte. Was wie Science Fiction klingt, ist im Kleinen sicherlich ansatzweise auch heute schon möglich. Die Nebenwirkung von N M E 110 – Numen – ist tatsächlich heftig. LSD und Co. scheinen wie ein Kindergeburtstag neben den von Daryl Gregory geschilderten Wirkungen der vorhandenen Substanzen. Nach der Einnahme fühlt man sich wie von einem göttlichen Wesen begleitet, das über einen wacht. Ein Entzug bringt die enormsten Nebenwirkungen mit sich. Bis hin zum Selbstmord.

Der Autor nutzte die guten Ansätze seiner Idee überwiegend und trieb die Geschichte beständig voran. Kleine Längentäler konnte ich durchschreiten und blieb am Ball. Aus meiner Sicht hat die Geschichte eine Menge Potential, das stellenweise leider nur zu einem kleinen Teil genutzt wurde. Dennoch wurden Verstrickungen gut inszeniert und meine Leseneugier war ungebrochen. Auch zog die Spannung immer wieder an passenden Stellen an. Wirklich gut fand ich die eingebauten Rückblicke in die Vergangenheit der Charaktere, so dass sich das eine oder andere Puzzleteilchen nach und nach zusammensetzte.

Zum Ende hin lässt der Autor die Spannung nochmal enorm ansteigen, baut Überraschungen in den Verlauf ein, bevor er die Geschichte beruhigt und in sich abgeschlossen ausklingen lässt. Ein Ende, wie man es sich nur wünschen kann.
Afterparty“ hinterließ bei mir einen tiefen Eindruck, verursacht durch bewusstseinsverändernde Substanzen vermischt mit psychedelischen Ansätzen, die mitunter erschreckende Ausmaße annahmen. Diesen Eingriff in meine Psyche belohne ich mit knappen 4 Büchern.

Für alle, die keine Angst vor den Folgen ihres Handelns haben, dabei jegliche Risiken auf sich nehmen und das eigene Wesen akzeptieren.




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Liebe Grüße

Steffi & Kay