Dienstag, 20. Dezember 2016

♂ Camp 21 - Grenzenlos gefangen (Rainer Wekwerth) [Rezension]

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„Vor den Häusern lag ein weitläufiger asphaltierter Platz, auf dem mehrere Fahrzeuge standen. Weiter hinten vor dem Umriss des nahen Waldes machte er einen Sportplatz aus. Mitten in der Nacht wirkte das Gelände düster und feindselig, mehr wie ein Gefangenenlager für Kriegsgefangene als ein Jugendcamp.“
(S.57)
Die Brüder Mike und Ricky schwänzen die Schule und machen eine Spritztour mit dem Auto ihres Vaters. Als sie von einer Polizeistreife angehalten werden, eskaliert die Situation.

Kayla kann ihren guten Freund Tom, von dem sie seit Monaten nichts gehört hat, vor dem Drogentod retten. Doch indem sie Tom getroffen und geholfen hat, hat sie das Kontaktverbot zu ihrem Freund, das ihre Eltern ausgesprochen hatten, gebrochen. Ihre Eltern ziehen nun entsprechende Konsequenzen und fassen einen Entschluss.

Kaum im Camp angekommen, gibt es den ersten Ärger. Ricky wird daraufhin mit Isolation bestraft. Mike sorgt sich um Ricky, doch die Tage vergehen ohne dass er etwas von seinem Bruder hört.

Auch Kayla befindet sich nun im Camp und versucht, die Strapazen zu überstehen. Denn jeder muss für sich selbst kämpfen. Und dann gibt es da noch die Gerüchte über Camp 21. Ein Camp mit besonderen Methoden für besonders harte Fälle.
Bereits die Labyrinth-Reihe von Rainer Wekwerth konnte mich begeistern. Als ich nun von „Camp 21 – Grenzenlos gefangen“ gehört hatte, wusste ich, dass es eine Geschichte ist, die ich mir näher anschauen musste. Nun war das Buch bei mir und ich konnte sofort mit dem Lesen beginnen.

Und so befand ich mich mit den Brüdern Mike und Ricky auf einem Trip mit dem Auto ihres Vaters, der sich auf einer Geschäftsreise befand. Dass dieser Ausflug zu einem bizarren Ende kommen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Doch dann taucht unvermittelt eine Polizeistreife auf und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Den Brüdern werden verschiedene Straftaten zur Last gelegt und so steht als Alternative zum Jugendknast nur ein 6-monatiger Aufenthalt in einem Jugendcamp zur Auswahl.

Auch Kayla lernte ich recht schnell kennen. Getrieben von dem Gedanken, ihrem Freund Tom zu helfen, missachtet sie das von ihren Eltern auferlegte Verbot. Als Konsequenz daraus muss sie ungläubig erleben, was sich ihre Eltern als Bestrafung ausgedacht haben.

Und so finden sich die Jugendlichen aus, meinem Empfinden nach geringen oder sogar keinen, Rechtsbrüchen in einem Erziehungscamp wider. Schnell wird klar, dass die Jugendlichen völlig der Willkür ihrer Aufpasser ausgesetzt sind. Die Regeln werden eng ausgelegt, Strafen sind an der Tagesordnung. Wer die Regeln verletzt, schwebt allerdings noch in einer größeren Gefahr. Denn es kursieren Gerüchte über ein weiteres Lager – Camp 21. Hier kümmert man sich um die wirklich harten Fälle, mit besonderen Methoden.

Rainer Wekwerth fügte seiner Geschichte verschiedene Sichtweisen, die jeweils in dritter Person in Vergangenheitsform dargestellt werden, ein. Der interessante Grundgedanke und Handlungsansatz ließ von Beginn an eine bedrohliche Stimmung aufkommen, die ich bis zum Ende hin fühlte. Auch wenn ich mir bei den Charakteren insgesamt etwas mehr Tiefe und Hintergründe gewünscht hätte, beeinflusste dies meinen Lesefluss nicht. Die Handlungen waren dem Grunde nach zum Großteil nachvollziehbar geschildert. Das Martyrium der Jugendlichen konnte spürbar nahegebracht werden.

Mike ist ein besonnener Charakter, der sich versucht in sein Schicksal zu fügen. Das absolute Gegenteil zu Mike ist sein Bruder Ricky, der eher impulsiv reagiert. Insofern konnte es nicht lange dauern, bis Ricky in große Schwierigkeiten gerät. Die Sorge von Mike um Ricky ist nachvollziehbar groß, als die beiden Brüder getrennt werden. Mike ist zum Handeln gezwungen, wenn er seinem Bruder helfen will. Dass Kayla als Kollateralschaden nun ebenfalls betroffen sein würde, war so nicht geplant. Ihre Stimmung in Richtung Mike ist damit verstehbar, auch wenn ich bei der weiteren Entwicklung zwischen den beiden ein wenig ins Stolpern geriet, weil mir einige Handlungen zwischen den Charakteren dann doch zu schnell verliefen.

Rainer Wekwerth hat mit „Camp 21 – Grenzenlos gefangen“ wiederum eine solide Geschichte geliefert, deren Sog man sich kaum entziehen kann und die mir spannende Lesestunden bescherte. Auch mit dem Ende wählte der Autor sodann einen konsequenten Abschluss, der treffender nicht hätte sein können. Insofern kann ich mich nun absolut lesebefriedigt von „Camp 21“ verabschieden und die Geschichte in guter Erinnerung behalten.
Camp 21 – Grenzenlos gefangen“ punktet mit einer bedrohlichen Atmosphäre und einer soliden Grundidee, die mir spannende Lesestunden bescherten. Für meine Erlebnisse an der Seite von Kayla und Mike vergebe ich deshalb solide 4 Bücher.

Für alle, die sich in ihren Handlungen nicht einengen lassen, willkürliche Bestrafungen ertragen können und dabei ihre Menschlichkeit nicht verlieren.




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Kommentare:

  1. Ich bin ja ein großer Fan des Autors, seit ich 2013 bei einer Lesung von ihm auf der Leipziger Buchmesse mitlesen durfte :)
    Freue mich schon sehr auf sein neues Jugendbuch!

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    1. Liebe Binzi,

      unter den Voraussetzungen wird es dir definitiv gefallen :-)

      Liebe Grüße,
      Kay

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  2. Antworten
    1. Hallo Luni,

      kann es wirklich empfehlen:-)

      Liebe Grüße,
      Kay

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  3. Ich mag ja Bücher mit bedrohlicher Atmosphäre so gerne! Das ist fast ein Garant für spannende Lesestunden. Ach ja, auf der Messe war die Arena Vorstellung so wunderbar. Kann mich gar nicht entscheiden, was ich davon alles lesen will :-)
    LG
    Damaris

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    1. Liebe Damaris,

      da haben wir eindeutig etwas gemeinsam ;-) An spannender Atmosphäre komme ich nie vorbei :-)

      Liebe Grüße, Kay

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  4. Hey meine Liebe,

    mich reizt das Buch durchaus und deine Rezi macht Lust auf mehr, wenn ich mir auch nicht sicher bin ob die Charaktere mich vollends überzeugen können. Dennoch werde ich mir die Geschichte mal anschauen und selber herausfinden, ob ich überzeugt werden kann.

    Liebe Grüße,
    Ruby

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    1. Hallo Ruby,

      probier es mal aus - vielleicht ist die Geschichte genau dein Ding ;-)

      Liebe Grüße,
      Kay

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  5. Halli hallo

    Ich denke das wird eine schnelle, spannende, kurzweilige Story für zwischendurch sein, manchmal mag ich das ja ganz gerne ;)

    Liebe Grüsse
    Bea

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    1. Liebe Bea,

      ich glaube, da bist du dann mit der Geschichte absolut richtig dran :-)

      Liebe Grüße,
      Kay

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  6. Hi Kay,

    ich fand es so toll! Schon allein die Idee, die beiden aneinander zu fesseln, obwohl sie sich nicht leiden können! =)

    Lg
    Micha

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    1. Hallo Micha,

      finde auch, dass die Geschichte grundsätzlich ne Menge Potential besitzt :-)

      Liebe Grüße,
      Kay

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  7. Huhu Kay,

    danke für diese wunderbare und ehrliche Rezension! Ich hatte bisher nur "Blink of Time" von Rainer Wekwerth gelesen und fand es großartig. Seine "Labyrinth-Trilogie" steht schon ganz oben auf meiner WuLi. Nach deiner großartigen Rezi habe ich echt Lust bekommen, wieder einen Wekwerthroman zu lesen. Vielen Dank!

    Schön, dass es dir so gut gefallen hat. Wird "Camp 21" ein Einzelband bleiben? Weißt du das?

    Alles Liebe,
    Caterina

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    1. Huhu Cata,

      bei so viel Lob werde ich ja richtig rot...Dankeschön ☺ Hier solltest du auf jeden Fall zugreifen, die Geschichte ist wirklich gut! Und es ist als Einzelband geplant ;-)

      Liebe Grüße,
      Kay

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Steffi & Kay