Donnerstag, 13. Oktober 2016

♂ Wir waren hier (Nana Rademacher) [Rezension]

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„Oben – kein Dach. Abbruchkante. Rissige Steine.
Über uns der eisige Himmel.
Das nächste Hausdach. So weit, zu weit.
Sie kommen.
Sie schreien.
Sie sind da.“
(S113)
Das Jahr 2039. Die Welt wird von Kriegen erschüttert. Für die Menschen geht es täglich ums Überleben. Es fehlt an allem.

Mitten im zerbombten Berlin lebt Anna mit ihren Eltern. Essen und Trinken sind knapp, überall patrouilliert das Militär. Ständig sterben Menschen.
Irgendwie gelingt es Anna, wieder ins Internet zu kommen und damit weiter an ihrem Blog zu schreiben. Hier trifft sie auf Ben, einem Jungen aus Hamburg. Doch sie muss vorsichtig sein. Im Internet zu sein ist, wie viele andere Sachen auch, verboten und gefährlich. Die Webpolizei kann einen jederzeit erwischen. Ben kann Anna davon überzeugen, ihn zu treffen.

Anna und Ben treffen sich an einem geheimen Ort. Sofort sind sie sich sympathisch. Aber Ben scheint ein Geheimnis zu haben, was Anna misstrauisch werden lässt. Gemeinsam wollen sie dennoch den Weg in ein besseres Leben antreten. Und so beschließen die Jugendlichen, Berlin zu verlassen. Sie wussten, dass an jeder Ecke Gefahr lauern würde. Doch plötzlich werden ihre Befürchtungen real.
„Wir waren hier“ war ein absoluter Spontankauf. Ich sah das Buch im Regal einer Buchhandlung und konnte nicht daran vorbei. Das Cover zog mich magisch an und der Klappentext hatte es mir sofort angetan. Nachdem die Geschichte dennoch kurze Zeit warten musste, war es nun endlich so weit.

Die Idee klang vielversprechend und so stürzte ich mich in die Seiten. Der erste Teil der Geschichte wurde in blogähnlichem Stil geschrieben, was mir grundsätzlich schon einmal gefiel. Allerdings lauerte dabei dann immer die Gefahr, dass sich in einigen Auszügen Längen anbahnten. Dennoch wurde ich neugierig auf die weiteren Entwicklungen.

Die Welt, in der die Geschichte spielt, wurde mir einfühlsam und gut beschrieben nahegebracht, wobei keinesfalls Verharmlosungen benutzt wurden. Ich spürte eher sofort, dass ich mich hier in einer Realität wiederfand, die grausam und schrecklich den Tod vieler Menschen verursacht. Von der ersten Seite an stellte sich sodann auch ein ziemlich bedrückendes Lesegefühl ein, das mich bis zur letzten Seite nicht mehr los ließ.

Die von Nana Rademacher skizzierte Welt erlebte ich aus der Sicht von Anna in Gegenwarts-Ich-Perspektive. Die Gedanken der Protagonistin waren mir damit immer recht nah. Ab und an konnte ich bei Anna auch emotionale Reaktionen erleben, die beim Lesen jedoch nicht immer spürbar wurden und den Charakter so ein wenig verblassten. Anna ist vom Grunde her selbstlos und gibt alles für die ihr am Herzen liegenden Menschen. Vielleicht lag es gerade an dieser hier extrem stark ausgeprägten Eigenschaft, dass ich ihrem Handeln nicht immer bedingungslos trauen konnte. Doch Anna findet immer wieder ihren Weg, lässt niemandem im Stich. Im Gegenteil, sie opfert sich förmlich auf.
Auch wenn der Einstieg für mich nicht gänzlich reibungslos verlief, konnte ich irgendwann nicht mehr von der Geschichte lassen. Gut gesetzte Spannungspunkte verschafften mir einen schönen Lesefluss, auch wenn zwischendurch immer wieder eine ruhigere Gangart zu verzeichnen war.

Die Charaktere wurden glaubhaft dargestellt, konnten dadurch eine Präsenz entwickeln, so dass Verwechslungen ausgeschlossen waren.
Meine Erlebnisse in einer vom Krieg verwüsteten und dominierten Welt hinterließen wirklich eine beklemmende Wirkung, angedeutete Grausamkeiten und Vergehen entwickelten entsprechende Emotionen in mir.

Zum Ende hin treibt Nana Rademacher den Spannungspegel nochmals sehr hoch, bevor ihre Geschichte mit einem schönen und zufrieden stellenden Ergebnis endet.
Wir waren hier“ ist keine actiongeladene Geschichte, sondern punktet eher mit gut durchdachten Handlungssträngen, die einer guten dystopischen Geschichte wirklich gerecht werden. Meine Lesestunden in unserer durchaus denkbaren und erschreckenden Zukunft sind mir deshalb knappe 4 Bücher wert.

Für alle, die durch Entbehrungen nicht ihre Kraft verlieren, dabei starken Gegnern standhalten und den Glauben an eine glückliche Zukunft nicht verlieren.




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Kommentare:

  1. Huiiii das klingt ja interessant! Ich hab schon so lange keine Dystopie mehr gelesen. Vielleicht wird das Buch ja die nächste :) Schöne Rezension!

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    1. Huhu Binzi,

      dann wird es ja mal wieder Zeit für diese Stilrichtung ;-)

      Liebe Grüße, Kay

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    2. Das stimmt :) Ich lese zur Zeit fast nur Liebesromane :D

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    3. ...dann bin ich ja mal bei dem Genrewechsel gespannt :D

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  2. Sehr coole Rezension! Buch kommt gleich auf die Wunschliste;)
    Liebe Grüße
    Jenny

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    1. Hallo Jenny,

      Ziel erreicht :-)

      Liebe Grüße, Kay

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Steffi & Kay