Dienstag, 4. Oktober 2016

♀ Blue Screen - Mirador #1 (Dan Wells) [Rezension]

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Das Los Angeles des Jahres 2050 hat sich zu einer gigantischen Megacity entwickelt, in der rund um die Uhr Nulis herumschweben. Kleine Roboterdrohnen, die so ziemlich alles erledigen, was früher Menschen tun mussten. Genauso sieht es in den Fabriken aus. Auch dort ist alles roboterisiert/automatisiert.

Die Arbeitslosenquote ist in einer Welt, in denen Roboter alles erledigen, gigantisch und die Schule nicht unbedingt ein Weg, der zum Erfolg führt.

Marisa lebt in dieser Welt. 24 Stunden am Tag mit ihren Freunden vernetzt über das implantierte Djinni in ihrem Kopf. Mit ihm steuert man einfach alles, wird von Werbepopups belästigt oder immer und überall aufgespürt.

Doch Marisa ist nicht nur Teil einer Gamer-Gruppe, sie ist auch eine Hackerin. Daher erkennt sie auch ziemlich schnell, dass das, was den Kids als Droge „Blue Screen“ als Möglichkeit zum „Abschalten“ dient, weit mehr ist. Und plötzlich sehen sich Marisa und ihre Freunde einem übermächtigen Gegner gegenüber, der nichts Gutes im Sinn hat.
Der Klappentext versprach ein interessantes Zukunftsszenario, das nicht allzu abwegig klingt. So ist schon Eva Siegmunds „Pandora“ auf denselben Schluss zur Weiterentwicklung des Smartphones (als Implantat) gekommen und in „The Evil Me“ wird ebenfalls genau das thematisiert.

Dennoch liegt der Fokus in jedem dieser Bücher auf einem anderen Part. So auch in der von Dan Wells erschaffenen Welt, die insbesondere von den äußeren Umständen und den enormen Schattenseiten der Technisierung erzählt. Das Stadtbild des Los Angeles‘ der Zukunft wird von fliegenden Robotern, den Nulis, geprägt. Sie machen einfach alles, während die Menschen sich in autonomen Fahrzeugen durch die Gegend kutschieren lassen – sofern sie denn das Geld aufbringen können, ein solches zu besitzen. Denn durch die Automatisierung aller Fabriken gibt es kaum Jobs und Einnahmequellen – außer der ‚Anstellung‘ bei diversen Gangs.

All die Technik wird mit einem Blinzeln und Aktivieren der in den Kopf implantierten „Djinnis“ gesteuert. Gespielt wird in virtuellen Welten, die das Geschehen dank vernetzten Sinnen hautnah miterleben lassen.

Insbesondere am Anfang war mir das ganze Spiele/Gamer-Szenario, Marisas Hobby, etwas zu viel. Ich spiele nicht und daher konnte ich nur hoffen, dass Marisa und ihre Freunde bald weniger Zeit in der Spielwelt verbringen. Und mein Wunsch wurde erhöht.
Als eine neue Droge ins Spiel kommt, die für die Nutzer äußerst gefährlich wird.

Zug um Zug erhöht Dan Wells die Spannung, während seine ausgedachte Welt nebenbei immer detaillierter wird – und schockierender. Rivalisierende Gangs, Schutzgelder wie zu Mafiazeiten und „Familien“, die bis zum Tod hintereinander stehen.
Während der Leser bis zu den letzten Kapiteln nicht wirklich weiß, wer dahintersteckt, gibt der Autor häppchenweise Informationen, mutet der Stadt Zerstörung und seinen Figuren Schmerz und Verlust zu und konnte mich so durchweg bei der Stange halten.

Der Schreibstil ist eher an Jugendlicheren orientiert und ich hatte auch nie das Gefühl, ein Buch für Erwachsene zu lesen. Einzig die vielen spanischen Begriffe und auch Flüche, die man teilweise mangels Erklärung einfach so stehen lassen muss, sind untypisch für ein Jugendbuch. Das Alter der Protagonistin und deren Freunde deuten jedoch ebenfalls darauf hin.

Der erste Band der „Mirador“-Reihe hätte bis kurz vor Schluss als Standalone gelten können, doch mit seinem letzten Kapitel hat Dan Wells noch einmal alles verändert und die Basis für die Fortsetzung geschaffen, auf die ich schon sehr gespannt bin.
Mit „Blue Screen“ schafft Dan Wells ein düsteres und bedrückend realitätsnahes Zukunftsszenario, das zum Nachdenken anregt. Die anfangs durch – für meinen Geschmack – zu viele Gamer-Szenen und –Gespräche etwas zähe Handlung nimmt im Laufe der Geschichte immer mehr an Fahrt auf und wird zu einem gelungenen Kampf gegen die moderne Technik. Sehr gute 4 Bücher für den ersten Band der „Mirador“-Reihe.
1. Blue Screen
2. Originaltitel: Ones and Zeros
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Kommentare:

  1. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich anfangs kurz dachte "Ohje, das wird so gar nicht mein Fall", aber nachdem die ganze Spielerei dann erst einmal in den Hintergrund getreten ist, konnte ich das Buch echt nicht mehr weglegen. Super Anfang der neuen Serie!

    Ganz liebe Grüße an euch beide,
    Svenja

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    1. Genau so ging es mir auch :-D
      Zum Glück war die Spielerei irgendwann zu Ende :-)

      Ganz liebe Grüße

      Steffi

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Steffi & Kay