Samstag, 27. August 2016

♂ Wonderland (Christina Stein) [Rezension]

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„Ihre Worte hallen wider, bemüht, eine Antwort zu finden, lausche ich in mich hinein, aber da ist nichts, nur ein großer leerer Raum.“
(S.47)
Die Villa ist ein absoluter Traumort für eine Party. Jacob hat Liz und ihre Freunde zu diesem Abend eingeladen. Die Jugendlichen sind begeistert. Nahezu gleichzeitig werden sie später von einer unerklärlichen Müdigkeit übermannt und schlafen ein.

Am nächsten Morgen jedoch gibt es ein böses Erwachen. Denn nun befinden sie sich nicht mehr in der Villa, sondern an einem völlig anderen Ort. Eine hohe Mauer und Stacheldraht umgibt ihr Gefängnis. Doch es wird noch schlimmer. An jedem zweiten Tag muss jemand aus ihrer Mitte zum Opfer bestimmt werden. Wer als letztes übrig bleibt, soll reichlich entlohnt werden.

Die Verzweiflung wächst stetig. Und auch, wenn Jacob mit ihnen zusammen gefangen ist. Was hat er mit ihrer Situation zu tun? Denn Jacob hat sie zu dieser unglückseligen Party eingeladen! Doch es hilft alles nichts, nur ein Opfer macht frei!
Bereits als ich das erste Mal von „Wonderland“ gehört hatte, wusste ich, dass in diesem Buch eine Geschichte für mich stecken könnte. Neugierig wartete ich nun, dass das Buch den Weg endlich zu mir finden würde. Nun war es so weit. Kaum war „Wonderland“ eingetroffen, stürzte ich mich auch gleich in die Seiten.

Kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen, befand ich mich auch schon mitten in der Geschichte. Eine Warmlaufphase benötigte ich nicht. Ich machte Bekanntschaft mit den wichtigsten Charakteren, war mitten in einer Party, zu der Jacob eingeladen hatte. Die Party fand an einem extrem schönen Ort statt. Eine riesengroße Villa mit mehreren Pools und einem direkten Zugang zu einem eigenen Strandabschnitt am Meer. Und das alles im sonnenverwöhnten Thailand. Einen besseren Ort hätte man nicht finden können.

Und doch schwelte bei aller Ausgelassenheit von Beginn an eine spürbare unterdrückte düstere Stimmung mit hinein. Ich wartete auf den Punkt, an dem die Handlung umschlagen, das Schicksal seinen Lauf nehmen würde. Allzu lange Wartezeit kostete diese Entwicklung dann nicht, schnell und unvorhersehbar für sie fanden sich die Jugendlichen plötzlich eingesperrt wieder, umgeben von einer unbezwingbaren Mauer. Ein Entkommen war aussichtlos, sie befanden sich nun im absoluten Gutdünken ihrer Peiniger. Die erste Forderung versetzt sie dann auch in einen unglaublichen Schockzustand. Sie sollen abstimmen, wer aus der Gruppe geopfert wird. Und dies soll sich an jedem zweiten Tag wiederholen.

Kaum kann ich beschreiben, welche Achterbahnfahrt der Emotionen ich beim Lesen dieser Geschichte durchgestanden habe. Die Handlungen und Entwicklungen wurden von Christina Stein unglaublich gut beschrieben, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Ihr Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen ohne dabei auf die unbedingt erforderlichen harten Einwürfe zu verzichten. Durch die Erzählung der Geschichte aus wechselnden Ich-Perspektiven der Protagonisten Liz und Jacob in Gegenwartsform hatte ich immer einen kleinen Wissensvorsprung vor den Charakteren, der jedoch nichts an der durch die Seiten wogenden Spannung ändern konnte, zumal hierdurch meine Phantasie zusätzlich extrem angeheizt wurde. Auch der Einbau einer weiteren Perspektive, der ein kurzes Intermezzo erlaubt wurde, steigerte das Leseempfinden.

Beim Lesen hatte ich unterbewusst immer das Gefühl von Verzweiflung, Resignation und Machtlosigkeit. Ich erlebte unglaubliche Brutalität, emotionslose Entscheidungen über Menschenleben und sah in heftige Abgründe menschlicher Perversionen. Immer wieder erlebte ich dabei Phasen, in denen mir einfach die Luft weggeblieben ist, ich fast vergaß zu atmen. Christina Stein konnte mit ihrer Geschichte einen Bann auf mich ausüben, der mich absolut an die Handlungen fesseln konnte und mitfiebern ließ. Geschockt über so viel von Menschen ausgehender Grausamkeit flog ich förmlich durch die Seiten, konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Immer wieder ließ Christina Stein Rückblicke aus der Vergangenheit der Charaktere in die Handlung einfließen, die mitunter Raum für weitere Spekulationen meinerseits entfachten. Die Charaktere wurden von der Autorin auch wirklich gut ausgearbeitet, die Protagonisten selbst wurden mir mit jeder Seite sympathischer. Der Protagonistin Liz war ich sowieso von Anfang an zugetan. Nicht genug, dass sie aufgrund eines Herzfehlers tagtäglich um ihr Leben kämpfen muss, befindet sie sich nun auch noch in dieser unwirklichen Situation wider. Die Befürchtungen über die Absichten ihrer Peiniger sind neben dem zu erwartenden Tod noch widerlicher, als man sich in den schlimmsten Albträumen ausmahlen kann. Doch gerade Liz behält einen kühlen Kopf, will nicht ohne weiteres aufgeben.

Jacob, der von Beginn an erstmal Rätsel zu seinem Handeln aufgibt, offenbart nach und nach die Hintergründe hierzu. Verständlich, dass die Gruppe ihm gegenüber misstrauisch auftritt.

Die Interaktionen der Charaktere waren für mich definitiv realistisch und nachvollziehbar dargestellt. Keine Handlung wirkte überzogen oder unglaubwürdig. Nein, schlimmer noch, die Geschichte wirkte auf mich, als wenn so etwas tatsächlich real passieren könnte oder vielleicht sogar schon passiert ist. Eine erschreckende Vision, die mich so einiges an Nerven gekostet hat, je weiter ich vorgedrungen bin. An dieser Stelle möchte ich allein deshalb darauf hinweisen, dass die vom Verlag genannte Altersempfehlung ab 16 definitiv nicht zu Unrecht gegeben wurde.

Den Abschluss der Geschichte gestaltete Christina Stein für mich dann folgerichtig und lässt sie so ausklingen, dass man auch, nachdem das Buch dann zugeschlagen ist, weiterhin einen Hauch von Traurigkeit verspürt und das Gelesene nochmals in Ruhe auf sich wirken lassen muss.
Wonderland“ beschreibt eine Aneinanderkettung erschreckend realistisch wirkender Visionen menschlicher Abgründe, die spürbare Emotionen wie Verzweiflung, Resignation und Machtlosigkeit hervorrufen und dabei unglaublich echt wirken. Meine Lesestunden an der Seite von Liz, Jacob und den anderen todgeweihten Jugendlichen belohne ich mit eindeutigen 5 Büchern.

Für alle, die sich unerschrocken aussichtslosen Situationen stellen können, dabei nicht die Nerven und die Hoffnung auf den richtigen Augenblick vertrauen und an sich glauben.




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Kommentare:

  1. Hey ihr beiden,

    ich glaube das ist absolut kein Buch für mich. So interessant es auch klingt, die Spannung warscheinlich von Anfang bis zum Ende mitreisen wird kann ich mir vorstellen dass es für meine Nerven definitiv zu extrem ist. :D
    Vielen Dank für die Rezi ;)

    Liebe Grüße und schönes WE,
    Ruby

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    1. Huhu Ruby,

      ist so etwas nichts für dich? Extrem war es aber wirklich, zumindest an einigen Stellen...Nervenkitzel pur...Ich kann deine Einstellung aber verstehen ☺️

      Liebe Grüße, Kay

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  2. Hey,

    lese dieses Genre ja nur, wenn mich ein Buch mit dem Klappentext schon direkt umhaut, weil das einfach nicht mein normales Beuteschema ist. Dark Wonderland gehört zu einem solchen Buch und diese Rezension hat mich nur noch darin bestärkt, dass ich es lesen muss. Schon allein wie die Auswahl der Opfer stattfinden wird und was passiert, wenn sie sich weigern. Ich habe jetzt schon tausend Fragen im Kopf.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.
    Isbel

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    1. Hallo Isbel,

      beim Lesen werden noch viel, viel mehr Bilder in deinen Kopf entstehen. Ich kann dir nur raten...Versuch es mit der Geschichte ;-)

      Liebe Grüße, Kay

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  3. Hallo Kay,

    das Buch ist mir jetzt schon öfter aufgefallen, aber bisher dachte ich nicht, dass es etwas für mich sein könnte. Danke, dass du mal wieder die Wunschliste gefüllt hast!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hallo Nicole,

      immer wieder gern geschehen ;-)

      Liebe Grüße

      Kay

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  4. Verdammt! Das klingt ja doch nach einem Buch für mich...ahhhh, die Wunschliste freut sich >.<

    Schöne Rezi!

    Liebe Grüße

    Rica

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    1. Hallo Rica,

      dankeschön:-) Ich glaube, die Geschichte wird dir gefallen! Viel Spaß, wenn es so weit ist :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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  5. Huhu :)

    das Buch klingt echt interessant und die Rezi ist ja auch mal wieder toll :). Es kommt definitiv auf meine Wunschliste :)

    Viele Grüße

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Steffi & Kay