Sonntag, 28. August 2016

♂ Am Ende aller Zeiten (Adrian J Walker) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen: 
 

„Es war alles still, bis auf das Jaulen der Sirene. Dann knallte eine Tür, ein Mann brüllte, eine Frau heulte; Reifen kreischten auf dem Asphalt, und ein Auto raste davon.“
(S.33)
Durch die Asteroideneinschläge findet das vermeintlich idyllische Familienglück von Edgar Hill ein jähes Ende. Edgar, 35 Jahre alt und in Vollzeitanstellung, lebte ein bisher typisches Leben: Einfamilienhaus, Frau und zwei Kinder. Edgar fühlte sich in seinem Leben gefangen.

Nachdem die Familie verschanzt im Keller ihres Hauses die katastrophalen Einschläge vorerst überlebt hat, werden sie aus ihrer misslichen Lage nach einiger Zeit befreit. Doch auch nun kann Edgar die familiären Fesseln nicht abstreifen. Er meldet sich freiwillig zu Erkundungsmissionen.

Während einer seiner Einsätze wird der Rest seiner Familie von Hubschraubern gerettet und ins 500 Meilen entfernte Cornwall gebracht. Hier werden in wenigen Tagen Schiffe die Überlebenden in sichere Gebiete bringen. Edgar steht vor einer Entscheidung. Schlägt er sich allein durch die postapokalyptische Welt oder sucht er seine Familie. Er entscheidet sich für die Familie. Edgar begibt sich nun auf einen zerstörten und gefährlichen Weg, der ihm am Ende das Leben kosten könnte. 
Vor kurzem habe ich von „Am Ende aller Zeiten“ gehört. Der Klappentext und die zu erwartende Story sprachen mich gleichermaßen an. Es klang nach einer Geschichte, die ich mir nicht entgehen lassen durfte. Kaum war das Buch nun bei mir angekommen, begann ich auch schon mit dem Lesen.

Adrian J Walker warf mich sodann auch gleich an die Seite seines Protagonisten Edgar, der sich in seinem vermeintlichen Familienidyll gefangen sah. Eigentlich hatte er alles, was man sich wünschen kann. Eine Frau, zwei gesunde Kinder, ein Einfamilienhaus und einen Vollzeitjob. Und doch versucht er immer wieder, dieser Situation zu entfliehen. Ed verkörpert mit seinen 35 Jahren einen typischen Familiencharakter, wie wir ihn immer wieder genauso in der Realität finden. Unbewusst versucht Ed, der Situation wieder und wieder zu entfliehen, er trifft sich mit Freunden in Pubs und verliert sich im Alkohol.

Die Asteroideneinschläge verändern die Situation abrupt. Den gewohnten Alltag gibt es nun nicht mehr. Das nackte Überleben hat Priorität. Niemand hat die Bevölkerung gewarnt. Nichts hat auf eine Katastrophe hingedeutet. Bis zur letzten Minute hat man auf einen Berechnungsfehler gehofft. Doch umso brachialer bricht das Inferno über alle herein. Jeder versucht, sich selbst zu retten. Menschliche Urinstinkte gewinnen die Oberhand.

Adrian J Walker konstruiert in „Am Ende aller Zeiten“ eine durchaus denkbare Entwicklung. Seine Geschichte erlebte ich aus der Ich-Perspektive von Ed in Vergangenheitsform. Die Handlungen wurden bildhaft beschrieben, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen. Der Schreibstil des Autors ist sehr flüssig gehalten, manchmal erlebte ich dennoch zumindest Ansätze für kleine Verstrickungen. Hierdurch hatte ich dann auch das Empfinden, dass die Geschichte stellenweise ein klein wenig verharrte und damit nicht vorankommt. Doch dies wurde meist durch anschließende gut durchdachte Entwicklungen nahezu wettgemacht.

Auch die Charaktere weisen jeweils Eigenschaften auf, die eine Zuordnung und Unterscheidung der einzelnen Personen leicht machte. Ihre Handlungen waren meist nachvollziehbar und zeigten ein großes Repertoire an menschlicher Denkweise und Absichten. Der in der Geschichte enthaltene teils zynisch wirkende trockene Humor verlieh dem Plot eine umso authentischere Wirkung, ich erlebte die Geschichte sehr intensiv. Sozialkritische Elemente wurden ebenfalls mit entsprechendem Fingerspitzengefühl eingeflochten.

Der Protagonist Ed erlebt in „Am Ende aller Zeiten“ eine spürbare Entwicklung. Gerade auch dadurch, dass Ed kein typischer Heldencharakter ist und seine Gedanken über seine Situation erbarmungslos offen schildert, verleiht seiner Person wiederum einen gewissen Charme. Ed nimmt seine Aufgabe an, ist aber auch immer wieder am Zweifeln, ob er den gewählten Weg überhaupt bestehen kann. Dazu kommen immer wieder Bedenken an seiner Rolle als Ehemann und Vater überhaupt. Aber um bestehen zu können, muss er seine gedanklichen Monster besiegen, sich ihnen stellen.

Der Autor hat es trotz kleiner anbahnender Längen nicht versäumt, in seine Handlung entsprechende Spannungsstufen einzubauen. Ich erlebte Konflikte, sah wie Freundschaften entstanden und ich war Zeuge von Entwicklungen, die sich auf das Wesentliche besannen. Denn erst, wenn man etwas nicht mehr hat merkt man, was einem wirklich fehlt. Insgesamt empfand ich den Plot als eine durchaus abgerundete Sache.

Adrian J Walker hat für seine Geschichte ein Ende gewählt, mit dem nicht unbedingt zu rechnen ist, dennoch einen Abschluss bietet, der mich zufrieden zurücklässt. Ich habe meine Zeit im postapokalyptischen Schottland genossen – wenn man das denn bei der Weltuntergangshandlung sagen darf – und freue mich nun auf weitere Werke des Autors.
Am Ende aller Zeiten“ skizziert eine apokalyptische Entwicklung, die durchaus denkbar ist und mich an die Seiten fesseln konnte. Meine Lesestunden belohne ich deshalb mit eindeutigen 4 Büchern.

Für alle, die real dargestellte Charaktere mögen, sich mit diesen in Gefahren stürzen können und dabei Hindernisse als Herausforderung sehen.




Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir freuen uns über jeden Kommentar!

Liebe Grüße

Steffi & Kay