Donnerstag, 14. April 2016

♂ Babylon (Thomas Thiemeyer) [Rezension]

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„Die Welt, das Licht, die Zeit – das ganze Universum spannte sich wie ein Regenschirm vor ihm auf. Alle Schrecken, alle Wunder waren auf einen einzigen Moment geschrumpft. Grenzenlose Freiheit, gefolgt von kalter schwarzer Enge.
Alles und nichts.“
(S.75)
Endlich ist Hannah zur Ruhe gekommen. Gemeinsam mit ihrem Mann John und ihrer Tochter Leni erkundet sie den traumhaften Ausgrabungsort auf dem Peleponnes. Doch mit der Ruhe soll es bald vorbei sein. Ihr Geldgeber Stromberg taucht überraschend auf und hat eine neue Aufgabe für sie. Und er hat ein gutes Argument.

Ein für Stromberg arbeitender Archäologe hat im Nahen Osten eine Tempelanlage entdeckt, die mit Sicherheit großes Aufsehen erregen wird. Mitten in vom Islamischen Staat kontrolliertem Gebiet, ringsherum herrscht Krieg. Auch wenn Hannah sich gegen den Auftrag entscheidet, befindet sie sich nun doch bald auf dem Weg dorthin. Mit dabei ist auch ihre Tochter.

Die Auswirkungen ihres Handelns könnten gravierend sein. Besser wäre die Tempelanlage unangetastet geblieben. Die Warnungen waren eindeutig. Aber sie haben nun keine andere Wahl. Und so steht eine vom Zufall zusammengestellte Gruppe von Menschen plötzlich vor dem Abgrund zur Hölle.
Die bisherigen Bücher von Thomas Thiemeyer haben mir immer recht gut gefallen. Er ist einer dieser Autoren, deren Neuveröffentlichungen ich früher oder später zum Großteil immer lesen werde. So war es an sich nur eine Frage der Zeit, wann „Babylon“ den Weg in mein Regal finden wird. Nun, da das Buch bei mir eingezogen war, zog mich die Geschichte unglaublich an und ich konnte mich nicht lange gegen diesen Lesedrang wehren.

Gleich zu Beginn ließ mich Thomas Thiemeyer Zeuge einer potentiell geschichtsträchtigen Entdeckung werden. Gemeinsam mit Professor Hammadi und seinem Sohn verschaffte ich mir Zugang zu einem geheimnisvollen Ort. Die durch die Seiten wabernde mystische Stimmung hatte mich gleich für sich eingenommen. Es war unschwer zu ahnen, dass hier etwas nicht stimmte, hinter diesen Mauern wartete etwas Gefährliches, Böses.

Und so kommt es, wie es kommen muss. Kurz darauf folgte bereits die erste Bestätigung, dass hier Mächte am Handeln waren, die man sicherlich nicht im Zaum halten kann. Meine Neugier wurde angefeuert.

Bei Thomas Thiemeyer kann man sich eigentlich immer darauf verlassen, keine 0815-Geschichte in der Hand zu halten. Und so wurde ich auch hier nicht enttäuscht. Der Autor baut in „Babylon“ verschiedene Handlungsstränge ein, die auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt zusammen passen, dennoch zielstrebig auf einen gemeinsamen Punkt zusteuern.

Der Autor lässt seine Geschichte aus dritter Person in Vergangenheitsform erzählen. Dabei verschafft er den Charakteren immer wieder eine wechselnde Präsenz, um ihre jeweiligen Gedanken zu transportieren. Ich erhielt auf diese Weise Einblicke in menschliche Tiefen, die ich so nicht erwartet hätte. Thomas Thiemeyer beschönigt mit Sicherheit nichts, doch er macht auch nicht Halt vor der bitteren Realität. Der Autor gibt jederzeit ein unverblümtes, offenes Statement seiner Weltanschauung ab. Auch wenn ich mit dem Autor sicher nicht in jedem Detail konform gehe, mag ich gerade das an seinem Stil. Thomas Thiemeyer ist einfach ein authentischer Autor, der auch nicht davor zurückschreckt, seine mitunter gefühlte unangenehme – aber wirklich gut nachvollziehbar und erklärte – Meinung kundzutun und mit den Konsequenzen zu leben. Hut ab!

Definitiv bedient Thomas Thiemeyer mit „Babylon“ verschiedene Genreeinschläge, wobei ich sagen muss, dass mir die Fantasie des Autors zum Ende hin fast ein wenig zu viel geworden ist. Bis dahin fühlte ich mich super unterhalten, konnte die prickelnde Spannung kaum zur Seite schieben. Der stilistische Einschlag zum Ende hin war aus meiner Sicht allerdings schon fast übertrieben, der Kontrast wirkte überproportional. Dennoch kann man sagen, dass die Spannungsbögen in der Geschichte sehr gut gesetzt waren und man innerlich immer dazu angetrieben war, weiter durch die Seiten zu fliegen.

Trotz dieser Anmerkungen kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass Thomas Thiemeyer seiner Linie absolut treu geblieben ist. Der Autor erklärt Hintergründe, gibt tiefergehende Informationen. Alles wirkt bis ins Detail hinein wirklich gut recherchiert.
Seinen Charakteren verpasst der Autor gezielt und einprägsam Nuancen, die man während der ganzen Geschichte definitiv nicht vergisst. Der Geschichte verleiht Thomas Thiemeyer eine Note, die einem eindeutig im Gedächtnis bleibt. Er ist kein Mann übertriebener Worte und dennoch gelingt es ihm durchweg, die Handlungen präsent zu gestalten, nie Langeweile aufkommen zu lassen.

Mit der Auflösung der Geschichte konnte ich sodann wirklich gut leben. Nach einem sich Seite für Seite aufschaukelnden Showdown lässt Thomas Thiemeyer sein Szenario beruhigt ausklingen. Ich habe „Babylon“ wirklich sehr genießen können und stelle das Buch nun zu meinen anderen Thiemeyer-Werken ins Regal.
Mit „Babylon“ präsentiert Thomas Thiemeyer erneut eine Geschichte, deren Sog man sich nur schwer entziehen kann. Gezielt eingesetzte Spannungsmomente in Verbindung mit einem Blick hinter so manche Fassade und dazu ein unverwechselbares Thiemeyer-Setting bescherten mir einen Lesegenuss, der mir definitiv sehr gute 4 Bücher wert ist.

Für alle, die Abenteuern nicht abgeneigt sind, dabei große Gefahren bestehen und Risiken richtig einschätzen und eingehen können.




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Liebe Grüße

Steffi & Kay