Dienstag, 8. März 2016

♂ Alle Zombies (Maria Engels, David Michel Rohlmann, Piper Marou) [Rezension]

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„Für Helden war diese Welt nicht gemacht. Man konnte kämpfen und auf einen Sieg hoffen oder man rannte und überlebte. Vorerst.“
(Pos.272,11%)
Wenn die Scheinwelt aus einem Online-Videospiel grausame Realität wird, steht die Menschheit am apokalyptischen Abgrund. Ein Virus greift um sich und verseucht nach und nach alle Menschen. „Alle Zombies“ greift diese Thematik 20 Jahre nach dem Ausbruch der Epidemie in 11 Kurzgeschichten zusammen und beschreibt Menschen in Extremsituationen, im Bangen zwischen Angst und Hoffnung. Denn der kleinste Fehler hat unweigerlich nur ein Ergebnis: den Tod.
Es ist noch gar nicht so lange her, als ich auf das Werk „Keine Zoombies“ von Maria Engels und David Michel Rohlmann aufmerksam gemacht wurde. Im Zombie-Thema bin ich eigentlich nicht wirklich zu Hause, doch Ausflügen in andere Genres stehe ich grundsätzlich schon aufgeschlossen gegenüber. So kam es denn auch, dass ich nun, nachdem der Sammelband „Alle Zombies“ erschienen ist, auch hier zugreifen musste, da mir der Schreibstil der Autoren bereits im ersten Werk sehr gut gefallen hat.

Dieser Sammelband besteht aus drei Anthologien. „Keine Zombies“ von Maria Engels und David Michel Rohlmann, „97,5 Zombies“ von Maria Engels, Piper Marou und David Michel Rohlmann sowie „Die letzten Zombies“ ebenfalls von diesem Autoren-Trio.

Nochmals muss ich betonen, dass Zombie-Welten ganz sicher nicht der Lesestoff sind, dem ich ansonsten folge. Dennoch wollte ich mich gern auf dieses Abenteuer einlassen.

Gleich in der ersten Geschichte, auch wenn ich sie letztendlich wie vorab erwähnt schon einmal gelesen hatte, wurde ich in eine apokalyptische Welt katapultiert, die es in sich hatte. Nach der ersten Erkenntnis und einer kurzen Erleichterung folgte förmlich auf dem Fuß der Schock. Bereits der Einstieg in diesen Sammelband war also sehr gut herausgearbeitet, führte mich teils in die Irre, ließ mich aber wieder zarte Kontakte zu diesem Genre knüpfen.

Ich möchte eigentlich gar nicht auf die verschiedenen Schreibstile der beteiligten Autoren bis in die Tiefe eingehen. Jeder Stil hat seine eigenen, unverkennbaren Ausschläge, und jeden Stil habe ich wirklich gemocht. Ich möchte behaupten, dass jede Geschichte ihre Lebensweisheit mit sich bringt, der man glauben kann oder auch nicht. Definitiv ist es jedoch so, dass ich hier nicht auf sinnlose Zombiegemetzel oder Ähnliches gestoßen bin. Denn immer erlebte ich einen tieferen Kern hinter den Erzählungen. Und doch erlebte ich in so manchen Situationen diese Gänsehaut-Dynamik, musste meinen Magen im Zaum halten. Aber nichts wird übertrieben dargestellt.

Auf den ersten Blick hat man wirklich viele voneinander unabhängige Geschichten vor sich, die einen Einblick in dieses von mir teilweise wenig beachtete Genre geben. Und doch konnte ich Parallelen zwischen diesen entdecken, Handlungsstränge, die aufeinander zugeschnitten waren und erst im Nachhinein ein abgerundetes Ganzes ergeben.

Ich erlebte in diesem Sammelband wirklich so einige Facetten menschlichen Bewusstseins. Zu entdecken gab es Überlebende, die sich in einem Zoo Schutz gesucht hatten. Es gab genauso rachsüchtige Menschen, die diese Katastrophe nutzten, um sich Genugtuung zu verschaffen. Und es gab aufopferungsvolle Charaktere, die immer an das Wohlsein ihrer Liebsten dachten, ohne dabei an sich selbst zu denken. All das rundete mein Bild von diesem gut gewählten Sammelband eindrucksvoll ab.

Die Autoren spielten aus meiner Sicht in jeder Geschichte mit der Erzählperspektive und Zeitform, fanden aber immer einen gemeinsamen Nenner mit meinem Geschmack, so dass es hier wenig zu kritisieren gäbe. Insgesamt zählte hier eindeutig das Zusammenspiel zwischen Spannung und Kreativität, das hier eindeutig in einem ausgewogenen Verhältnis zu finden ist. Immer wieder stand ich vor der Frage, wie viel Menschen bereit waren zu opfern, wenn Liebe oder letztendlich nur der gemeine Überlebenswille zählen. Ich finde, dass das Autorenkollegium hier eine absolut gelungene Mischung auf die Seiten gebracht hat.

Die letzte Geschichte in diesem Sammelband trägt den Titel „Hoffnung“, die ich auch nun, da ich das Buch zur Seite legen konnte, immer im Hinterkopf habe. Denn gerade Hoffnung habe ich immer beim Lesen aller Geschichten bei mir getragen, immer in dem Glauben, dass nicht alles Positive ausgelöscht sein kann. Ich kann diesen Sammelband ohne Vorbehalte allen empfehlen, die in diesem Genre noch nicht so trittsicher sind. Fans dieses Themas sind hier eindeutig an der richtigen Adresse!
Alle Zombies“ erscheint allein aufgrund des Titels wie ein schnöder Zombie-Sammelband, ist aber alles andere als sinnloses Gemetzel und Zombie-Gestöhne. Gut durchdachte Entwicklungen gepaart mit spannungsvollen Entwicklungen mit Tiefgang verschafften mir einen eindeutigen 5 Bücher Lesegenuss.

Für alle, die gern ihnen fremde Genres testen, wohl dosiert in diese Welten eingeführt werden wollen und dabei apokalyptischen Entwicklungen nicht abgeneigt sind.




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Kommentare:

  1. Apokalyptischen Entwicklungen gibts ja gerade genug, aber vielleicht ist das genau der Roman den ich mal brauche.

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    1. Hi Terence,

      da hast du schon recht ;-) Aber schau dir den Sammelband mal an, könnte dann schon was sein. War echt begeistert! VG, Kay

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Liebe Grüße

Steffi & Kay