Dienstag, 2. Februar 2016

♂ Der letzte Engel (Zoran Drvenkar) [Rezension]

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„Erinnerung lässt sich nicht ändern, sie lässt einen zurückschauen, aber sie ist unantastbar.“
(S.43)

„Alles hat seinen Preis, auch Respekt und Loyalität. Nur die Moral musstest du dir nie erkaufen. Erkaufen. Sie steht auf deiner Seite und sie wird immer auf deiner Seite stehen.
(S.117)
Stell dir vor, du bekommst die Nachricht, dass du sterben wirst. Stell dir vor, du wachst am nächsten Morgen auf und nichts ist mehr so wie es war. Nun existiert dein Leben nicht mehr. Denn du hast dich verändert. Doch du willst nicht das Wesen sein, zu dem du geworden bist. Du bist nun ein Engel.

Plötzlich gerätst du zwischen die Fronten von mächtigen Gegnern. Dieser Kampf dauert schon sehr lange. Gut gegen Böse, Böse gegen Gut. Die Ziele verschwimmen und doch scheint eines von vornherein klar zu sein. Du kannst nicht gewinnen.
„Der letzte Engel“ hat eher zufällig den Weg zu mir gefunden. Auf meinem Leseplan hatte ich das Buch nicht. Und doch hat es nach seiner Ankunft eine ziemlich anziehende Wirkung auf mich ausgeübt, so dass ich nicht lange widerstehen konnte. Also musste ich kurzfristig nach diesem Buch greifen und stürzte mich in die Geschichte.

Eines kann ich gleich am Anfang erwähnen. „Der letzte Engel“ ist eindeutig keine typische Engelsgeschichte. Aber ich möchte ja nicht vorgreifen.

Zoran Drvenkar ließ mir wenig Zeit, mich mit der Geschichte vertraut zu machen. Mehr oder weniger warf er mich in seine Idee und überschüttete mich mit allerhand Informationen, die mir auf den ersten Blick erstmal gegensätzlich erschienen. Meine Neugier war geweckt. Auch wenn ich noch nicht den Ansatz eines Überblicks hatte wollte ich wissen, wie sich die Geschichte entwickelt.

Hatte ich anfangs die Hoffnung, dass ich diesen Überblick schnell bekommen würde, warf mir der Autor immer wieder richtig dicke Knüppel zwischen die Beine. Irgendwann befürchtete ich gar vor der Entscheidung zu stehen, dass es vielleicht doch besser wäre, die Geschichte unvollendet in guter Erinnerung zu behalten. Und doch schaffte es Zoran Drvenkar immer wieder diese Entscheidung hinauszuschieben.

Der Autor baute im Verlauf der Geschichte verschiedene Sichten und Zeitformen ein, die nicht immer auf Anhieb einen Sinn ergeben. Dennoch gelang es ihm, mich bei Laune zu halten und immer darauf zu spekulieren, welche nächste Idee meinen Weg kreuzen würde. Den Schreibstil würde ich als eigenwillig bezeichnen und mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Mitunter kann man auch den Eindruck eines Tatsachenberichtes erhalten. Aber genau dies wirkt auf der anderen Seite auch so unheimlich fesselnd. Es ist einfach anders.

Die vom Autor entworfenen Handlungsstränge, dazu mehrfache Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit verknüpft mit Eindrücken aus Erinnerungen wirken etwas wirr, entwickeln mit der Zeit allerdings auch einen Charme, dem man sich nicht entziehen kann. Weiterhin flossen stellenweise eine gehörige Portion Sarkasmus und Humor in die Entwicklung ein, so dass ich nicht umhin kam, zusehends in den Seiten vorzustürmen.

Die Charaktere sind alles in allem vorstellbar beschrieben. Eine besondere Beziehung konnte ich zu Mona, einem zehnjährigen Mädchen aufbauen, die mich immer wieder beeindrucken konnte. Auch Markus – Motte – konnte mich für sich einnehmen. Allzu verständlich war die Situation, in der er sich befand für mich. Und ich konnte mit ihm fühlen. Die vielen Handlungswechsel ließen darüber hinaus allerdings wenig Nähe zu den Charakteren aufkommen.

Im weiteren Verlauf gewann ich immer mehr Einblicke, konnte Zusammenhänge erspüren und erahnen. Manche Handlung ergab plötzlich Sinn. Der Autor setzte Puzzleteile zusammen, die ich nie geglaubt hatte, dass sie in diesen Kombinationen zusammen gehören könnten. Plötzlich liefen Handlungsfäden aufeinander zu und brachten mehr und mehr Erklärungen. Die Tiefgründigkeit, die mich hier nach und nach überkam, ließ mir so manches Mal eine Gänsehaut aufkommen.

Das Ende der Geschichte gestaltet Zoran Drvenkar genau so, dass ich gar nicht umhin komme, die Fortsetzung lesen zu wollen. Kaum zu glauben, dass es der Autor geschafft hat, mich mit den auf den ersten Blick unzusammenhängenden Handlungssträngen zu überzeugen den zweiten Teil unmittelbar zu kaufen. Und ich gestehe, ich freue mich darauf!
Der letzte Engel“ wirkt auf den ersten Blick als unpassende Abfolge einer wirr entsprungenen Phantasie, fasziniert dennoch mit einer Idee, die mich das Buch nicht zur Seite legen ließ. Meine Zeit an der Seite (gefallener) Engel belohne ich mit sehr guten 3 Büchern.

Für alle, die sich von Handlungsverläufen überraschen und nicht vorschnell auf eine Seite ziehen lassen, dabei gewisse Vorurteile zur Seite legen und ganz in der Ideenwelt eines Autors aufgehen können.
1. Der letzte Engel
2. Der letzte Engel – Der Ruf aus dem Eis



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Kommentare:

  1. hey,
    ich finde es gerade irgendwie lustig, dass ich heute zwei (gerade veröffentlichte) Rezis zu dem Buch lese. Dabei wird es ja gerade nicht besonders gehypt^^ Ich hab das Buch auf meinem SuB liegen, aber irgendwie hatte es auf mich keine solche Sogwirkung und da liegt es schon ein paar Jahre *hust*

    Insgesamt bin ich durch die Rezis aber schon neugierig geworden... Ich hoffe einfach, ich komme mit dem Chaos in der Geschichte irgendwie klar ;)

    Liebe Grüße
    Lena

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    1. Hi Lena,

      die Geschichte ist schon irgendwie...anders...Aber es konnte mir - wahrscheinlich auch deshalb - wirklich gut gefallen. Wünsche dir ganz viel Spaß, wenn du es dann liest :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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  2. Hallo Kay!
    Vor einiger Zeit habe ich das Buch auch geschenkt bekommen, ich hätte es mir eher nicht selbst gekauft. Auch ich hatte zu Beginn meine Probleme und war mir unsicher, was ich von dem Buch halten soll. Doch zum Ende hin, war es wie ein Sog und es gefiel mir sehr gut!
    Der zweite Band steht auch schon bei mir im Regal und wartet darauf gelesen zu werden.
    Ich bin sehr gespannt, wie dir das zweite Buch gefällt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Sunny

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    1. Hallo Sunny,

      ja, der Sog würde wirklich dann immer größer, das kann ich eindeutig bestätigen. Den zweiten Teil habe ich jetzt auch schon gelesen. Muss da nur noch die Rezension fertig machen. Aber ich kann schonmal sagen, dass der Autor seiner Linie treu bleibt. Und es gibt kein offenes Ende :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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Steffi & Kay