Mittwoch, 10. Februar 2016

♂ Der letzte Engel - Der Ruf aus dem Eis (Zoran Drvenkar) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen: 
 

„Ahnungslosigkeit ist hochgefährlich. Auf die Entfernung hin wirkt sie harmlos und charmant, auf die Nähe hin kann sie aber so vernichtend sein, dass sie Herzen zum Stillstand bringt.“
(S.90)

„In die Vergessenheit wird die Erinnerung eingesperrt, die uns belastet, die wir nicht verarbeiten können. Aber kein Gefängnis ist für immer, und jede Erinnerung will beachtet werden.“
(S.357)
Nach dem Verlust seiner Flügel fühlt sich der Engel Motte unvollständig. Gemeinsam mit Esko macht er sich auf die Jagd nach den Gräfinnen, die seine Flügel gestohlen haben. Und so sind nun zwei flügellose Engel auf der Suche. Doch sie ahnen nicht, welche Rolle sie noch spielen werden. Denn der Ruf ist stark, eine alte Macht könnte erweckt werden. Der Untergang der Menschheit scheint nicht mehr fern sein.
Der erste Teil „Der letzte Engel“ von Zoran Drvenkar hatte mir trotz kleiner Abstriche wirklich gut gefallen. So musste folgerichtig kurzfristig der zweite Teil „Der letzte Engel – Der Ruf aus dem Eis“ bei mir einziehen. So konnte ich die Teile nun unmittelbar hintereinander lesen.

Ich glaube sagen zu können, dass es absolut keine schlechte Idee war, diese Dilogie direkt durchgehend zu lesen. Zoran Drvenkar hat hier etwas erschaffen, das man im ersten Teil erstmal kennenlernen muss, um es dann im zweiten Teil zu genießen, weil man sich auf seinen außergewöhnlichen Stil eingelassen hat. Außerdem gibt es viele Handlungsstränge, die man verinnerlichen muss, damit einem der rote Faden nicht verloren geht.

Zoran Drvenkar blieb auch in diesem zweiten Teil seiner Linie absolut treu. Er legte mir Fährten, denen ich folgen konnte, ohne das Ergebnis und Zusammenhänge vorauszuahnen. Verschiedene Sichten unter Verwendung und Verschmelzung unterschiedlicher Zeitformen führten mich mitunter in die Irre, jedoch ohne das Interesse an der Geschichte zu verlieren. Über den Zeilen lag ein gewisser skurriler Touch, dem ich einfach nicht widerstehen konnte.

Auch Sarkasmus, Witz und Humor konnte ich erspüren. Hatte der Protagonist Motte auf der einen Seite das Problem, seine Flügel wiederzufinden, gab es da noch eine andere Kleinigkeit, die einem männlichen Teenager wie Motte ziemlich zu schaffen machen kann. Natürlich hört es sich vordergründig gut an, dass man nun ein Engel ist. Aber wenn das „beste Stück“ über Nacht verschwindet und man mehr oder weniger tatsächlich zu einem geschlechtslosen Wesen wird, ist das schon ein harter Einschnitt. Auch Motte hat damit zu kämpfen. Seine Freundin Rike scheint sich mit der Situation zu arrangieren, aber ob so eine Beziehung auf Dauer Bestand haben wird, wage ich zu bezweifeln.

Definitiv war ich in diesem zweiten Teil den Charakteren näher als noch im Vorgängerband. Ich erfuhr weitere Einzelheiten und konnte Ereignisse immer besser zuordnen. Ich verstand so einige Handlungen immer besser, denn so manches Geheimnis wurde mir offenbart.

Wie auch schon im ersten Teil der Reihe hatte ich Eindrücke von konfusen Handlungsstrukturen, die auf den ersten Blick verwirrend wirken. Und wieder ist es dem Autor gelungen, dass ich seiner Idee bedenkenlos folgen konnte. Zu gut waren teils selbständig wirkende Entwicklungen im Endeffekt doch miteinander vernetzt.

Mein Liebling war auch in diesem zweiten Teil definitiv Mona. Sobald sie in Szene gesetzt wird, schlägt ganz einfach mein Beschützerinstinkt an. Sie habe ich wirklich in mein Herz geschlossen. Aber auch alle anderen Charaktere erlebte ich in dieser Fortsetzung offener mir gegenüber, die Distanz schmolz dahin und ich konnte so einige Taten – wenn auch nicht verzeihen – so doch besser verstehen.

Insgesamt gesehen erlebte ich, trotz kleiner angedeuteter Längen, etwas mehr Tempo in entscheidenden Szenen, so dass mich nichts vom Weiterlesen abhalten konnte.

Zoran Drvenkar brachte mir ein durchaus nicht undenkbares Szenario näher, das auf ganz besondere Weise zu fesseln versteht und mich das Buch nicht zur Seite legen ließ.

Zum Ende der Geschichte hin werden nochmals sämtliche Geschütze aufgefahren, um diese dann doch für mich sehr beruhigend ausklingen zu lassen und damit das Buch zur Seite zu legen.
Der letzte Engel – Der Ruf aus dem Eis“ führt die Entwicklungen aus dem ersten Teil konsequent weiter, verknüpft dabei geschickt Handlungsstränge und führt die Geschichte voran. Meine Leseerlebnisse sind mir deshalb auf jeden Fall eindeutige 4 Bücher wert.

Für alle, die nicht nur ihr eigenes Glück im Sinn haben, dabei dennoch den eigenen Willen behalten und sich auch mit kleinen Erfolgen zufrieden geben können.
1. Der letzte Engel
2. Der letzte Engel – Der Ruf aus dem Eis



Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.

Kommentare:

  1. Hach, mir hat der erste Band eigentlich auch so gut gefallen, aber das ist nun schon wieder so lang her, dass ich mich wahrscheinlich an zu wenig erinnern kann, um nun einfach in den zweiten einzusteigen. Vielleicht sollte ich mal einen ReRead wagen, aber danke erstmal, dass du mir die Dilogie wieder schmackhaft gemacht hast ;P

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gerne doch. Diese Dilogie ist schon etwas eigen, man muss den Stil mögen...Am besten überfliegst du vor dem zweiten Teil schon nochmal den ersten Band. Dann bist du garantiert schnell wieder drin in der Geschichte...Ich habe ja beide Bücher mehr oder weniger hintereinander gelesen...LG, Kay

      Löschen
  2. Sieht sehr interessant aus- solche Bücher gefallen mir gut.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ...die Geschichte ist auch irgendwie "anders". Ich denke, man muss diesen Stil mögen, wenn man gut unterhalten sein möchte. LG, Kay

      Löschen

Wir freuen uns über jeden Kommentar!

Liebe Grüße

Steffi & Kay