Samstag, 9. Januar 2016

♂ Die Königin der Schatten (Erika Johansen) [Rezension]

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„Ab und an schienen die Bäume weit weg und dann wieder so nah, dass Zweige gegen ihren gepanzerten Körper peitschten. Ein eisiger Wind pfiff ihr um die Ohren und tief in ihrer Kehle schmeckte sie bitteres Adrenalin.“
(S.72)
Die Überfahrt vor Jahrhunderten versprach den Menschen ein besseres Leben. Doch die Entwicklung nahm einen anderen Verlauf. Nun ist das Königreich Tearling verarmt, nur wenigen der Reichen im Land ist ein Leben in Wohlstand vergönnt.

Kelsea, Tochter der verstorbenen Königin Elyssa, wächst heimlich und in Abgeschiedenheit bei ihren Pflegeeltern Carlin und Bartholemew Glynn auf. Hier wird sie auf ihr zukünftiges Amt als Königin vorbereitet. Und dann kommt der Tag, an dem die Garde der Königin sie holt. Nun soll Kelsea herrschen. Doch sie trifft auf Neid und Missgunst genauso wie auf Intrigen und Korruption. Ihr Leben ist in ständiger Gefahr. Und diese vergrößert sich noch, als Kelsea das verhängnisvolle Abkommen mit dem Nachbarland Mortmesne in Frage stellt. Die Königin von Mortmesne ist außer sich. Tearling scheint dem Untergang geweiht.
„Die Königin der Schatten“ stand jetzt schon eine ganze Weile auf meinem SuB-Regal. Zu der Geschichte habe ich sehr viele unterschiedliche Meinungen gehört. Viele lieben das Buch, andere wiederum konnten mit der Idee gar nichts anfangen. Nun wurde es also Zeit, mir eine eigene Meinung zu bilden.

Aufgrund der unterschiedlichen Meinungen bin ich etwas skeptisch gewesen, ob die Geschichte etwas für mich sein könnte. Also ging ich völlig ohne Erwartungen an das Buch heran und begann zu lesen.

Der Einstieg in „Die Königin der Schatten“ gelang mir dann auch wirklich leicht. Natürlich kannte ich die Zusammenhänge noch nicht, war deshalb auch anfangs ansatzweise etwas verwirrt, doch die Idee selbst konnte mich schon mal neugierig auf den weiteren Verlauf machen.

Kelsea konnte mich auch sogleich für sich einnehmen. Ich begann – wenn auch noch nicht in der Tiefe - zu verstehen, weshalb sie bei Pflegeeltern aufwachsen musste. Und als dann der Tag kam, an dem Kelsea von den Gardisten der Königin geholt wird um ihr Amt anzutreten, war ich mindestens genauso schockiert wie sie selbst.

Doch bei diesem Schock sollte es nicht bleiben. Gemeinsam mit Kelsea erlebte ich anschließend viele weitere Momente, in denen sich mir die Nackenhaare sträubten. Angefangen von den Verhältnissen im Königreich Tearling überhaupt bis hin zu diesem verhängnisvollen Abkommen mit dem Nachbarland Mortmesne. Nach und nach erfährt Kelsea Einzelheiten zum Handeln ihrer verstorbenen Mutter und beginnt nachzudenken. Sie will es besser machen, will eine gute Königin für alle Bevölkerungsschichten sein. Doch nicht jeder ist mit ihren Taten einverstanden. Auch wenn sie von einem Großteil der Menschen bewundert wird, schwebt eine große Gefahr über dem Königreich. Schon einmal musste man sich dem Nachbarland Mortmesne geschlagen geben. Die Nachwirkungen dieses Kriegszuges waren und sind verheerend. Angst breitet sich zusehends aus.

Mit ihrer Geschichte traf Erika Johansen wirklich einen Nerv bei mir. Ich verlor mich in den Seiten, konnte teils nicht glauben, was ich da gelesen habe. Die Grausamkeiten, die nach der Überfahrt bis in die heutige Zeit passiert sind, ließen mich ungläubig durch die Geschichte gleiten. Gewalt, körperliche und sexuelle, gegenüber Frauen und Kindern waren an der Tagesordnung, wurden mitunter sogar gefördert und gesellschaftlich akzeptiert. Die Geschichte ging mir deshalb nicht mehr aus dem Kopf, machte mich nachdenklich.

Erika Johansen sparte nicht mit Tabubrüchen. Eine entsprechende Wirkung erreichte sie dabei, indem eher andeutend denn detailliert beschrieben wird. Dabei lief das Kopfkino bei mir umso mehr auf Hochtouren auf, abstoßend und erschreckend auf der einen Seite, neugierig machend aber definitiv. Denn ich war gespannt, wie sich die Geschichte entwickeln wird, welchen Einfluss Kelsea ausüben wird und überhaupt kann, und vor allem, welche Meinung sie zu dem Ganzen vertritt.

Ich kann sagen, dass mich Kelsea nicht enttäuscht hat. Sie ist eine wirklich starke Protagonistin. Nein, Kelsea ist nicht die kraftstrotzende Schönheit, die man in so einer Geschichte erwarten könnte. Sie hat Makel, sieht durchschnittlich aus. Doch durch ihre Taten sticht sie heraus und blieb mir damit einprägsam im Gedächtnis.

Die Geschichte wird führend aus Kelseas Sicht in dritter Person Vergangenheit erzählt. Ab und an wurden weitere Sichten eingebaut, die meinen Leseeindruck gut abrunden konnten. Auch auktoriale Ansätze wurden von der Autorin eingebaut, die aus meiner Sicht zwar nicht unbedingt erforderlich waren, die Leseneugier dennoch anheizen konnten.

Die der Geschichte enthaltene Gewalt, die wirklich reichlich vorhanden ist, wird nüchtern sachlich, nahezu emotionslos und düster distanziert dargestellt. Auch wenn für mich einige Fragen in der Geschichte noch offen sind, hat sie einen Tiefgang, der mich fesseln und begeistern konnte. Die Charaktere sind einprägsam beschrieben, die Protagonistin herausragend. Den Schreibstil der Autorin empfand ich angenehm flüssig zu lesen, Spannungspunkte wurden an genau den richtigen Stellen gesetzt.


Erika Johansen treibt ihre Geschichte zum Ende hin nochmals auf einen enormen Spannungslevel, der mich das Buch nicht mehr aus der Hand legen ließ. Nach diesem atemberaubenden Ereignis lässt die Autorin die Geschichte beruhigend ausklingen. Zufrieden mit dem Ausgang, aber neugierig auf die Fortsetzung kann ich „Die Königin der Schatten“ nun vorerst ins Regal stellen.
Die Königin der Schatten“ führte mich in Abgründe gesellschaftlichen Bewusstseins, konfrontierte mich mit wahren Gewaltexzessen und ließ mich dabei immer auf eine Besserung der Situation hoffen. Meine Lesestunden im Königreich Tearling an der Seite von Kelsea belohne ich deshalb mit 5 Büchern.

Für alle, denen Gewalt und Ungerechtigkeit nicht den Kampfgeist nehmen, ausweglose Situationen überstehen können und dabei immer die möglichen Konsequenzen bedenken.
1. Die Königin der Schatten
2. Die Königin der Schatten: Verflucht (ET: Mai 2016)
3. The Fate oft the Tearling (Originaltitel, ET: November 2016)



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Kommentare:

  1. huhu
    Ich glaube ich bin eine der wenigen, die mit dem Buch nicht wirklich viel anfangen konnte!! Dabei klang es soo spannend und das Cover fand ich richtig cool, es wäre eigentlich genau meins gewesen, vielleicht besorge ich mir trotzdem noch den zweiten Band in der Hoffnung, dass er besser ist!

    Liebe Grüße
    Tamara

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    1. Huhu Tamara,

      ich glaube, man mag es richtig oder kommt mit dem Buch nicht wirklich klar. Nachdem ich einige kritische Meinungen gelesen hatte, war ich echt skeptisch. Aber irgendwie konnte es mich total packen. Wahrscheinlich kam es auch zum richtigen Zeitpunkt...Bin schon ziemlich neugierig auf die Fortsetzung :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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  2. hey,
    ich gehöre zu denen, die das Buch super fanden. Kann deine Rezi deswegen auch genau so unterschreiben :)
    Genau wie dich hat auch mich die Geschichte einfach in den Bann gezogen und allein all die moralisch/politischen Fragen, mit denen Kelsea sich rumschlagen muss fand ich ziemlich beeindruckend - ich hätte ehrlich gesagt auch keine Ahnung, wie ich in ihrer Situation gehanelt hätte.

    Was mich etwas irritiert hat war diese Mischung aus Dystopie und Fantasy, also bis irgendwann Herr der Ringe aufgetaucht ist, dachte ich nicht, dass es in unserer Welt spielt und ich hoffe sehr, die Autorin kann das ganze vernünftig auflösen.

    Liebe Grüße
    Lena

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    1. Hallo Lena,

      die Geschichte spaltet die Geschmäcker wirklich total. Die Mischung habe ich mal einfach akzeptiert und wollte der autori da freie Hand lassen. Bin auch richtig gespannt auf die Fortsetzung, vor allem ob die Autorin ihrem Stil treu bleiben kann und wie sich alles auflöst :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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  3. Hey meine Liebe,

    ich mochte das Buch sehr gerne und bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung. Mal schauen was uns da noch alles erwarten wird. Es ist definitiv ein krasses Buch, dass mich aber überzeugen konnte.

    Liebe Grüße,
    ruby

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    1. Huhu Ruby,

      "krass" ist irgendwie der perfekte Ausdruck für diese Geschichte...Und wir müssen ja "nur" noch bis Mai auf die Fortsetzung warten...;-)

      Liebe Grüße

      Kay

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  4. Hi Kay,

    ich fand das Buch auch so richtig klasse und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung =)

    Lg
    Micha

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    1. Huhu Micha,

      ich freue mich mal auch so richtig auf die Fortsetzung...Eigentlich kann es nur gut werden :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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    2. Das glaube ich auch =)

      Lg
      Micha

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    3. ...dann sind wir uns ja einig :-) LG, Kay

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  5. Hallo Kay,

    bevor ich mir deine Rezi zu Band 2 durchlese, wollte ich natürlich erst einmal wissen, wie dir der Auftakt gefallen hat. Und wow, ich bin echt beeindruckt, dass dich das Buch so sehr begeistern konnte.

    Eigentlich ist das nicht so mein Genre, aber deine Rezi hat mich total neugierig auf diese Reihe gemacht. Bislang steht sie nicht auf meiner Wunschliste, aber ich denke, da landen die Bücher nun. Mal schauen, wie dir Band 2 gefallen hat.

    Vielen Dank für die schöne Rezension!

    Liebe Grüße und einen schönen Restsonntag :)
    Caterina

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    1. Huhu Caterina,

      witzigerweise habe ich deinen Kommentar zur zweiten Rezension zuerst gelesen...Also, die Geschichte hat mich tatsächlich umgehauen...Ich war ja selbst überrascht. Allerdings habe ich auch schon einige Geschichten aus diesem Genre gelesen...Ich kann es dir echt empfehlen und vertraue darauf, dass es dir auch gefällt 😉

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Liebe Grüße

Steffi & Kay