Dienstag, 12. Januar 2016

♂ Das Buch der Finsternis (Richard Dübell) [Rezension]

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„Sein Leben war nicht mehr als ein Stück Blei, das zufällig das richtige Gewicht besaß, um das Gold in der anderen Schale aufzuwiegen.“
(S.17)
Salzburg im Jahr 1486. Um das Lehrgeld für den erstgeborenen Sohn aufzubringen, wird der dreizehnjährige Quirin von seinem Vater als Hilfsarbeiter an Meister Lukas, einem angesehenen Buchdrucker gegeben. Ein Großauftrag führt Meister Lukas in das Kloster Admont. Auch Quirins Arbeitskraft wird benötigt und so begleitet er den Meister.
Kurze Zeit später wird Quirin völlig überhastet von seinem Meister dazu genötigt, eine kleine Truhe zu Bischof Johann nach Salzburg zu bringen. In der der Truhe befindet sich „Das Buch der Finsternis“, in dem der Teufel die ihm versprochenen Seelen verzeichnet haben soll. Ab jetzt befindet sich Quirin in großer Gefahr. Anna, ein Mädchen aus der Gegend, steht ihm zur Seite. Doch nun hat Quirin gefährliche Feinde. An jeder Weggabelung lauert der Tod.
Beim Ravensburger Buchverlag konnte ich bisher schon so manche Buchperle entdecken. So wurde ich auch auf „Das Buch der Finsternis“ aufmerksam. Allein der Umschlag dieser Hardcoverausgabe ist schon ein echter Hingucker. Dies in Verbindung mit meinen über das Buch vorliegenden Informationen ließ mir gar keine andere Wahl, als unbedingt zu dieser Geschichte zu greifen.

Gleich zu Anfang der Geschichte traf ich auf Quirin, der unmittelbar in eine seltsame Szene geraten ist. Diese Szene legte letztendlich einen Grundstein für das spätere Verständnis der Geschichte. Natürlich wusste ich dies zu diesem Zeitpunkt noch nicht, verrate damit aber auch definitiv nichts.

Kurz darauf begab ich mich zusammen mit Quirin auf die Reise zum Kloster Admont, in dem sein Meister einen Großauftrag des Abtes zu erledigen hatte. Im Kloster trifft Quirin auf Anna, einem Bauernmädchen aus der Gegend, der er bald etwas schuldig bleiben sollte. Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Quirin erhält den eiligen Auftrag, dem Bischof in Salzburg die Truhe mit dem „Buch der Finsternis“ zu überbringen. Nichtsahnend, dass er damit zwischen alle Fronten gerät, versucht er seinen Auftrag zu erfüllen. Mit Anna an seiner Seite gerät er in Gefahrensituationen, wie er sie sich bisher nicht auszumalen vermochte.

Quirin begegnete mir anfangs als ziemlich naiver Charakter mit einem Hang zu Selbstzweifeln. Einerseits seine Erziehung, andererseits die Gepflogenheiten zum Ende des Mittelalters in Verbindung mit seinen gerade erst dreizehn Jahren rechtfertigten sein Wesen. Lesen und Schreiben gehörte zu dieser Zeit nicht zum Standardrepertoire der Menschen. Heutzutage kann man sich das nicht mehr vorstellen. Dennoch wurde es mir immer wieder überdeutlich vor Augen gebracht, welche Errungenschaft diese Vorteile für die heutige Gesellschaft im Vergleich zu früheren Lebensweisen sind.
Im Laufe der Geschichte konnte ich bei Quirin deutliche Veränderungen spüren. Er wird aufgrund der Ereignisse erwachsener, sein Denken wird klarer und sein Selbstbewusstsein festigt sich. Nicht zuletzt ist es aber auch Anna, der er diese Entwicklung verdankt.

Bei Anna hatte ich eigentlich von Beginn an den Eindruck, dass sie genau weiß, was sie will. Die Begegnung mit Quirin ist ihre Chance, dem für sie vorausgeplanten Leben zu entfliehen. Und doch entwickelt sich die Handlung zwischen Anna und Quirin nicht so, wie man grundsätzlich vermuten würde. Quirin lernt, mit Enttäuschungen umzugehen und Chancen zu nutzen, wenn sie sich ergeben und nicht einfach abzuwarten.

Richard Dübells Schreibstil ist nicht ausufernd erzählend, dennoch gelingt es ihm mit einfachen Mitteln, die Szenerie anschaulich und vorstellbar zu beschreiben. Die Geschichte wird zum Großteil aus Quirins Perspektive in dritter Person Vergangenheit erzählt, andere Sichtweisen flossen dabei immer wieder mit ein. Dabei schafft es der Autor, immer wieder interessante Informationen über diese Zeit einzuflechten, dabei aber nicht lehrerhaft zu wirken.

Auch wenn die Spannungsbögen nach meinem Empfinden mitunter gestrafft werden könnten und für einen Dreizehnjährigen nachvollziehbare naive Handlungsansätze mich mitunter die Augen verdrehen ließen, fühlte ich mich wohl mit dieser Geschichte und war neugierig, was mich auf den vor mir liegenden Seiten erwarten würde.

Hatte ich lange den Eindruck, dass ich den Handlungsverlauf vorherahnen könnte, führte mich der Autor dann doch auf falsche Fährten und zeigte mir eindrucksvoll auf, dass nichts tatsächlich so war, wie es schien. Richard Dübell konnte mich mit dem Ablauf und den gewonnenen Erkenntnissen tatsächlich überraschen.

Die Geschichte endet, wie ich es nicht unbedingt erwartet hatte. Dennoch ist das gewählte Ende für mich absolut akzeptabel und stellt mich definitiv zufrieden.
Das Buch der Finsternis“ führte mich in eine dunkle Epoche der Menschheit, zeigte mir dabei immer wieder die Schrecken dieser Zeit auf, konnte mich dabei aber wirklich gut unterhalten. Für meine Lesestunden an der Seite von Quirin vergebe ich deshalb absolut solide 4 Bücher.

Für alle, die ihnen auferlegte Bürden schultern können, dabei ungewohnte Wagnisse eingehen und sich von überraschenden Entwicklungen nicht einschüchtern lassen.




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Liebe Grüße

Steffi & Kay