Mittwoch, 9. September 2015

♂ Das Geflecht (Andreas Laudan) [Rezension]

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„Die Schreie jagten ihm einen Schauder über den Rücken, denn sie waren schrill und unartikuliert, und sie wollten nicht abbrechen. So schrie nur ein Mensch, der entsetzliche Schmerzen litt oder dem der Schrecken die Worte verschlagen hatte.“
(S.34)
Eine romantische Abschlussparty in einem stillgelegten Bergwerk? Für Justin ist das eine tolle Idee. Zusammen mit seinen Freunden Dana, Finn und Laura erlebt er schöne Stunden tief unter der Erde. Doch plötzlich läuft etwas gewaltig schief. Dana und Finn stürzen durch einen engen Schacht weiter in die Tiefe. Vollkommen hilflos landen sie in bedrückender Dunkelheit.

Tia Traveen, eine bekannte Höhlenforscherin und Wissenschaftlerin wird zu Hilfe gerufen. Sie ist blind, dafür sind ihre anderen Sinne deutlich ausgeprägter. Mitten in der Rettungsaktion stürzt die Tunneldecke ein. Schnell wird klar, dass die Verschütteten nicht allein sind. Denn um sie herum wächst etwas Tödliches. Alle sind in größter Gefahr. Doch damit nicht genug. Jemand setzt alles daran, ein Geheimnis in der Tiefe zu bewahren. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
„Das Geflecht“ hat leider eine ganze Weile in meinem Regal warten müssen. Einerseits hat mich die Geschichte definitiv interessiert, andererseits war bisher irgendwie nicht der richtige Zeitpunkt für dieses Abenteuer. Nun war es aber endlich soweit, meine Neugier war jetzt zu groß geworden.

Vorweg muss ich sagen, dass ich nicht so ganz einschätzen konnte, was mich hier erwarten würde. Ich begann deshalb ganz unvoreingenommen und tastete mich langsam in die Geschichte. Ich muss sagen, was ich hier vorfand, machte eindeutig Lust auf mehr. Und so versank ich immer tiefer in die Handlung.

Justin scheut keine Gefahr, ist ein Draufgänger. Nachdem er heimlich die Schlüssel für das stillgelegte Bergwerk bei seinem Vater seinem Vater besorgt hat, überrascht er seine Freundin Dana und das befreundete Pärchen Finn und Laura mit der romantischen Party im Stollen. Dana äußert zwar wirkliche Zweifel, doch im Endeffekt schließt sie sich der Gruppe an. Alles läuft nach Plan, die dramatische Entwicklung konnte niemand vorhersehen. Das Desaster beginnt, nachdem Finn und Dana in diesen Schacht stürzen und nur mit Hilfe von außen gerettet werden könnten.

Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, war ich ziemlich gespannt darauf, wie mir Tia gefallen würde. Da sie ein Handicap hat – sie ist blind – stellte ich mir ihr Handeln nicht ganz so einfach vor. Aber ich muss sagen, ich bin hier auf einen wirklich starken Charakter getroffen. Tia macht ihre vermeintliche Schwäche zu einer Stärke. Sie konnte mir definitiv imponieren und hatte meine Sympathie von Beginn an.
Ihre Entdeckung behält sie vorerst für sich. Tia will die anderen nicht beunruhigen. Doch wie lange kann sie schweigen, wenn sie doch alle in größter Gefahr sind? Tia nimmt diese Bürde auf sich und geht systematisch ihrem Ziel entgegen. Erst einmal müssen die Verschütteten den Weg nach draußen finden, der Rest ist zweitrangig.

Niemand konnte damit rechnen, dass neben der großen Gefahr im Inneren des Bergwerks auch weitere Gegenspieler existieren, die den Erfolg der Mission in Teilen sabotieren. Denn ob allein das Entkommen aus dem Höhlenlabyrinth die Rettung bedeutet, mag bezweifelt werden.

Andreas Laudan präsentiert seine Geschichte aus verschiedenen Sichten, die sich kapitelweise abwechseln. Der Autor nutzte die Erzählung in dritter Person Vergangenheitsform. Der Schreibstil ist wirklich sehr flüssig und gut zu lesen. Mit seiner Idee konnte mich Andreas Laudan mehr und mehr überzeugen. Kleine Längen und die teilweise Verwendung nicht ganz umgangssprachlicher Wortkombinationen beeinträchtigten meinen Lesefluss nur am Rande und störten mich kaum. Im Großen und Ganzen fühlte ich mich eindeutig gut unterhalten. Auch über zeitweise Abschweifungen in der Handlung konnte ich hinwegsehen.

Ergänzend möchte ich erwähnen, dass Leserinnen und Leser, die hier eventuell fantastische oder magische Ansätze erwarten, diese nicht finden werden. Andreas Laudans Entwurf basiert auf realen Möglichkeiten, wie sie tatsächlich passieren könnten. Ihm ist es zum Großteil gelungen, mich gefesselt an den Seiten zu halten. Geschickt gesetzte Spannungspunkte in Verbindung mit dem gut dargestellten Umfeld, das mir in Teilen klaustrophobische Emotionen bescherte, taten ihr Übriges für einen schönen Lesegenuss.

Die Charaktere interagieren wirklich gut miteinander, sind vorstellbar und ausreichend beschrieben. Die in der Geschichte enthaltenen Dialoge runden die Handlung ab und vermitteln zielgerichtet die vom Autor gewollten Emotionen.

Nach spannenden Lesestunden konnte Andreas Laudan seine Geschichte zu einem für mich gelungenen Ende führen. Nun, da ich die Geschichte kenne, könnte ich mich fast ärgern, dass das Buch so lange ungelesen in meinem Regal gestanden hat. Auf jeden Fall kann ich hier eine klare Empfehlung aussprechen und stelle das Buch nun zufrieden zurück.
„Das Geflecht“ vermittelte mir spannende Lesemomente in einer bedrückenden Atmosphäre, so dass ich kaum von den Seiten weggekommen bin. Meine Lesestunden tief unter der Erde belohne ich deshalb mit eindeutigen 4 Büchern.

Für alle, die ihre Angst vor der Dunkelheit überwinden können, ihre Klaustrophobie dabei im Griff und mögliche Lösungswege immer im Blick haben.




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Kommentare:

  1. Hi!

    Schöne Rezi aber was meint ihr mit „nicht ganz umgangssprachlicher Wortkombinationen“?

    LG,
    André

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    1. Hi André,

      ab und zu kommen etwas veraltete Wörter und das Ganze noch in Kombination vor. Das stört aber nicht wirklich, ist mir aber immer wieder aufgefallen ;-)

      Liebe Grüße

      Kay

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    2. Wenn es passt, kann sowas urst stimmungsvoll sein. :)

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    3. Da hast du recht, es fällt halt nur auf, wenn es vom täglichen Sprachgebrauch abweicht ;-) LG, Kay

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  2. Hallo Kay,

    auf die Rezension habe ich schon gewartet! Ich fand es ja nicht ganz so toll, aber es freut mich, dass es dir gefallen hat.

    Schönen Abend,
    Nicole

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    1. Hallo Nicole,

      es ist doch völlig legitim, wenn du zu dem Buch eine etwas andere Meinung hast ;-) Manchmal kommt eine Geschichte zum falschen Zeitpunkt, und manchmal hat man auch einen anderen Geschmack oder etwas anderes erwartet. Ich finde allein den Austausch schon richtig gut :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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    2. Guten Morgen, Kay!

      Ja, natürlich, das sehe ich auch so. Mir hat irgendwas gefehlt, teilweise fand ich es etwas zu "plump" (das Wort ist jetzt etwas extrem gewählt) erzählt. Die blinde Protagonistin war großartig! Das war für mich eine recht neue Idee.

      Wünsche einen schönen Tag!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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    3. Guten Abend, Nicole,

      Tia empfand ich wirklich als richtig starke Protagonistin. Sie nimmt die Herausforderung an und lässt sich nicht bremsen. So muss ein Charakter sein :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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  3. Passt wohl jetzt zur dunklen Jahreszeit, viele Grüße.

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    1. Hallo Hilla,

      ich würde dem mal eindeutig zustimmen ;-)

      Liebe Grüße

      Kay

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Steffi & Kay