Mittwoch, 5. August 2015

♂ Nomaden (Michael Schreckenberg) [Rezension]

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„Das Heulen spülte meinen Kopf leer und ließ nichts zurück als weiße Panik, ich fiel zu Boden und schrie lautlos, denn ich wusste, was nun geschehen würde, ich hatte es gesehen, sie würden kommen, und ich…“
(S.55)
Die Abiparty rückt näher, doch Jo kennt nur einen Gedanken. Sein Leben hat keinen Sinn mehr. Der einzige Ausweg scheint ein Selbstmord zu sein. Doch er lässt sich überzeugen, zumindest bis zu dieser Wiedersehensparty zu warten. Den Argumenten Erkans kann er nicht widersprechen. Und tatsächlich kann er das eine oder andere Treffen mit alten Bekannten genießen. Aber auch die Party findet irgendwann ihr Ende. Jo hat nur noch ein Ziel: die Bahngleise. Nun ist der Augenblick gekommen, seinem Leben ein Ende zu setzen. Zu seinem Erstaunen kommt nicht ein einziger Zug, um ihn von seinem Schicksal zu erlösen. Auch Menschen hat er schon seit Stunden nicht mehr gesehen. Irgendetwas läuft völlig außer Plan. Und plötzlich befindet sich Jo nicht am Ende seines Lebens, sondern an einem gefährlichen Anfang.
„Der Finder“ war vor einiger Zeit eigentlich eher zufällig von mir entdeckt worden. Lange habe ich auf eine Fortsetzung gewartet. Nun endlich hatte der Autor seine „Nomaden“ veröffentlicht. Es war natürlich nur eine Frage der Zeit, wann ich zu diesem Buch greifen würde. Ich war einfach zu neugierig, wie sich die Geschichte fortsetzt.

Und so tauchte ich ein in die ersten Seiten des zweiten Bandes und erlebte u. a. so manches Revival meines Musikgeschmacks, schwelgte in Erinnerungen. Ziemlich bald hatte ich Jo an meiner Seite, dessen Probleme ich auch sofort erkannt hatte. Ich befand mich mit ihm in einer schier ausweglosen Situation, doch zumindest vorerst gab es eine Lösung.

So nimmt das Schicksal seinen Lauf, ausgelassene Freude wird von Ernüchterung verdrängt. Denn die Welt hat sich von einem auf den anderen Augenblick verändert. Nur noch wenige Menschen gehören zu den Überlebenden. Ein seltsames Muster scheint die Basis zu bilden. Doch für die Erforschung der Ursachen ist es noch zu früh. Nun geht es vorrangig um das nackte Überleben.

So sehr ich mich auf die Fortsetzung von „Der Finder“ gefreut hatte, so groß war allerdings auch nach einigen Seiten erstmal meine Ernüchterung. Ich muss gestehen, ich habe das Drumherum des Entstehens der Fortsetzung nur am Rande verfolgt. Vielleicht sind mir deshalb auch einige Informationen entgangen.
Nachdem ich nämlich doch etwas weiter in der Geschichte fortgeschritten war, musste ich dann erstmal auf den Buchdeckel schauen, ob ich tatsächlich „Nomaden“ in der Hand hielt, oder irgendwie auf ein Remake von „Der Finder“ gestoßen bin. Denn Handlungen und Abläufe kamen mir irgendwann sehr bekannt vor. Ich hatte den Eindruck, den ersten Teil nochmals mit anderen Charakteren und etwas abgewandelten Handlungssträngen zu lesen. Eine Abweichung davon war für mich ein Handlungsstrang mit einer Gruppe aus zwei Personen, der jedoch unwesentlich später in großen Teilen wieder aufgelöst wurde, in Grundzügen dennoch erhalten blieb. Insofern wiederholte sich die Geschichte für mich und ich hatte so manches Déja-vu. „Nomaden“ wurde für mich immer mehr zu einer Fortsetzung, die eigentlich keine ist. Denn erwartet habe ich eine Geschichte, die auf den ersten Teil aufbaut und keine parallelen Begebenheiten erzählt.

Trotz der langsam in mir aufkeimenden Zweifel hatte ich dennoch so manches Erlebnis in einem immer mehr von der starken Natur eingenommenen Deutschland, konnte die Entwicklungen spüren und mich treiben lassen. Auch so manche Gefahr erlebte ich hautnah, war froh, wenn die Bedrohung vorüber war. Denn dieser zweite Band ist trotz der Gleichnisse auf jeden Fall ausgefeilter, wirkt ausführlicher und beschreibender. Irgendwann gelang es mir dann auch, mich nur auf diese Geschichte einzulassen und den ersten Teil auszublenden.

Die Geschichte selbst wurde aus wechselnden Sichten in Vergangenheitsform erzählt. Hierbei wurde Jo durch die Abschnitte in Ich-erzählender Perspektive eindeutig zum Protagonisten ernannt. Alle anderen dargestellten Sichten berichten in dritter Person. Die Entwicklung im Stil von Michael Schreckenberg konnte ich deutlich spüren, auch wenn dieses Empfinden für mich durch meine bereits angeführten Anmerkungen doch einige kleine Rückschläge erhielt.

Das Ende der Geschichte enthielt zwar eine Erklärung, weshalb die Welt nun genauso ist, wie sie ist. So richtig konnte ich mich damit zwar nicht abfinden, akzeptiere dies jedoch an dieser Stelle. Die Abrundung ist dem Autor damit gelungen.

Auf jeden Fall kann man auch zu den „Nomaden“ greifen wenn man den ersten Band „Der Finder“ nicht gelesen hat, da der Fortsetzungsband nicht an der Geschichte des ersten Teils ansetzt, sondern letztendlich nahezu eine Parallelentwicklung bietet. Im Endeffekt konnte ich auch „Nomaden“ genießen und stelle das Buch nun zufrieden in mein Regal.
„Nomaden“ war von mir heiß erwartet, konnte meine Erwartungen an eine Fortsetzung jedoch nicht in allen Belangen erfüllen. Endzeitgefühle und Überlebenswille verschafften mir dennoch viel Lesefreude, die in knappen 4 Büchern mündet.

Für alle, die deutsche Landschaften in endzeitlichen Strukturen erleben möchten, sich der Gefahren dabei bewusst sind und den Glauben an die Zukunft nie verlieren.
1. Der Finder
2. Nomaden



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Kommentare:

  1. "Der Finder" habe ich vor exakt 4 Jahren gelesen und war begeistert. Wusste gar nicht, dass es eine Fortsetzung gibt und die werde ich mir nun näher anschauen. Danke für den Tipp!

    LG Nicole

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  2. Hallo Nicole,

    das freut mich jetzt aber :-) Viel Spaß dann mit den "Nomaden".

    Liebe Grüße

    Kay

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  3. Guten Morgen,

    diese Reihe kannte ich noch gar nicht, aber klingt recht interessant. Mal schauen, ob die nicht auch bei mir mal einziehen wird. :o)

    Liebe Grüße,
    Ruby

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    1. Hallo Ruby,

      es lohnt sich auf jeden Fall. Allerdings ist es eben nicht wirklich eine Reihe im klassischen Stil. Die beiden Bände spielen mehr oder weniger zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten. Kann ich aber echt empfehlen :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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