Samstag, 22. August 2015

♂ Afterworlds - Die Welten zwischen uns (Scott Westerfeld) [Rezension]

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„Als ich die Augen wieder öffnete, blickte ich auf eine Welt ohne Farben. Der endlose Himmel über mir war bleigrau. Es gab keine Sonne mehr, nur einzelne rote Sterne, die zur Erde zu starren schienen wie Augen.“
(S.87)
In der Wartehalle des Flughafens gerät Lizzi in einen brutalen Terroranschlag. Ringsum nichts als Blut und Leichen. In völliger Verzweiflung stellt sich Lizzi tot. Durch die situativ angstverstärkenden Emotionen gleitet sie in die Totenwelt. Hier trifft sie auf den Seelenführer Yamaraj, einem Psychopomp. Yamaraj kann Lizzi retten und so überlebt sie den Anschlag als Einzige. Nun weiß sie auch, dass sie eine besondere Fähigkeit hat – sie kann in die Totenwelt überwechseln. Doch hier lauern viele Gefahren.

Mit diesem Flughafenkapitel beginnt die Geschichte, die Darcy in nur einem Monat geschrieben hat. „Afterworlds“ wird von einem Verlag für viel Geld angenommen. Sogar für einen Folgeband erhält Darcy einen Vertrag. Sie kann ihre Eltern überzeugen, das geplante Studium um ein Jahr zu verschieben und zieht nach New York. Nach und nach fühlt sie sich in der Autoren-Szene immer sicherer. Darcy kann viele Erfahrungen für sich mitnehmen, auch Emotionen bleiben nicht außen vor. Und doch ist der Weg einer Autorin hart und steinig.
Auf „Afterworlds“ bin ich auf der Buchmesse in Leipzig aufmerksam geworden. Die Idee, zwei Geschichten in einem Buch zu präsentieren, klang richtig gut für mich. Natürlich hatte ich mir auch die Seitenzahl notiert, doch als das Buch bei mir ankam, musste ich über die Ausmaße erstmal kurz staunen. Aber eigentlich war es ja klar, dass man die Geschichten nur in einem größer dimensionierten Buch – was die Dicke betrifft – unterbringen kann. Und so freute ich mich nun auf die knapp über 700 Seiten Lesespaß.

Richtige Vorstellungen von dem, was mich in „Afterworlds“ erwarten wird, hatte ich eigentlich nicht. So bin ich dann absolut unvoreingenommen und neugierig in die Geschichte gestartet. Ich war sehr darauf gespannt, wie der Autor seine Idee mit zwei Geschichten in einem Buch umsetzen wird.

Und dann erfuhr ich zu Beginn der Geschichte, dass Darcy in nur einem Monat einen Roman geschrieben, das Manuskript an einen Verlag geschickt und binnen kürzester Zeit eine Zusage zur Veröffentlichung bekommen hatte. Dazu sollte noch ein immens hohes Honorar fließen. Darcy beschließt daraufhin, das geplante Studium zugunsten einer Autorinnenzukunft zumindest vorerst hintenanzustellen. Schließlich kann Darcy ihre Eltern sogar davon überzeugen, dass sie nach New York ziehen wird. Ihre jüngere Schwester Nisha entwickelt für Darcy einen Finanzplan für die Zeit in New York, so dass sie grundsätzlich immer wissen sollte, wieviel Geld ihr tatsächlich zur Verfügung steht. Aber natürlich sind Pläne das eine, die Realität jedoch etwas anderes.

Darcy ist noch jung und unbedarft, teilweise zeigt sich in Ansätzen eine gewisse Naivität, die bei ihr allerdings fast niedlich wirkt. Ihre Zeit in New York wird eine Zeit vieler erster Male, das erste Lektorat, die erste Lesung. Und natürlich darf die Liebe dabei nicht fehlen. Darcy erlaubte es mir, sie emotional zu begleiten, ließ Nähe zu. Ich konnte mit ihr leiden, aber mich auch mit ihr freuen. Darcy ist ein wirklich gelungener Charakter, ich war immer gespannt, welche weiteren Schritte sie unternehmen wird.

Ihre Geschichte „Afterworlds“ begleitet Darcy natürlich die ganze Zeit. Ich konnte hautnah erleben und nachvollziehen, welche Änderungen zum Teil in ihre Geschichte eingeflossen sind. Die Lektorin stellt Darcy vor ein für sie schier unlösbares Problem. Darcy hat eigentlich genügend Zeit, diese Aufgabe zu erledigen. Doch die Zeit rinnt dahin.

Darcys Roman „Afterworlds“ startet mit einem Terroranschlag in der Wartehalle eines Flughafens. Die Protagonistin Lizzi entkommt nur knapp dem Tod. Sie ist die einzige Überlebende, weil sie Hilfe von Yamaraj bekommen hat. Inklusive eines Übergleitens in die Totenwelt, die von nun an ihr zweites Zuhause sein wird. Denn Lizzi ist, genau wie Yamaraj, ein Psychopomp, eine Seelenführerin oder anders ausgedrückt eine Schnitterin. Lizzi wird enorm gefordert, große Herausforderungen stehen vor ihr. Und nur eine davon ist diese Sache mit dem bösen Mann.

Scott Westerfeld wählte für die im Buch enthaltenen Geschichten unterschiedliche Erzählstile. Darcys Geschichte, die für mich die Hauptgeschichte darstellt, wird aus Sicht der Protagonistin in dritter Person Vergangenheit präsentiert. Darcy´s Roman hingegen erlebte ich hingegen aus Lizzis Ich-Perspektive, auch in Vergangenheitsform. Die Geschichten wechseln sich von Kapitel zu Kapitel ab, so dass ich nie den Handlungsfaden des jeweiligen Plots verlieren konnte.

Der Autor erlaubte mir Blicke hinter die Kulissen der amerikanischen Autoren-Szene, ich erlebte Obsessionen und Paranoia, wurde vertraut gemacht mit den gängigen Vorgehensweisen. Natürlich weicht dies von den in Deutschland bekannten Normen schon um einiges ab. Allein die Honorare, die in „Afterworlds“ genannt werden, treffen sicherlich die amerikanische Normalität, in Deutschland jedoch sind diese wahrscheinlich Utopie.

Auch wenn ich von den im Plot enthaltenen Erkenntnissen teilweise schon fasziniert war, gab es dann doch sowohl in der real gedachten Geschichte als auch in der Romantasy-Version immer wieder einige Längen, die es zu überwinden galt. Manche Handlung selbst war für mich auch nicht unbedingt in sich schlüssig, doch dies schiebe ich mal auf die unterschiedliche Mentalität und konnte dies im Großen und Ganzen ausblenden.

Scott Westerfeld ist die Verknüpfung zweier an sich unterschiedlicher Geschichten hervorragend gelungen. Grundsätzlich könnte man die Geschichten sogar unabhängig voneinander lesen, doch dieser Aufbau hatte natürlich einen besonderen Reiz. Mitzuerleben, welche Stationen ein Autor von einer Idee bis zum Verkauf des fertigen Buches durchläuft und mit welchen Hürden man dabei konfrontiert wird, war wirklich sehr interessant. Die Spannungspunkte wurden in diesem Buch eher im Fantasy-Teil gesetzt, doch auch die Realgeschichte konnte mit entsprechenden Wendungen mitunter überraschen. Insgesamt ist dem Autor damit ein in sich schlüssiges Werk gelungen, das mich zum Großteil überzeugen konnte.

Das Ende der Geschichte, besser gesagt der Geschichten, war für mich nicht unbedingt überraschend. Dennoch gelingt es dem Autor, das Buch abzurunden. Ich hatte auf jeden Fall sehr schöne Lesestunden und konnte das Buch genießen. Zum Abschluss möchte ich am Ende noch erwähnen, dass man aufgrund der über 700 Seiten natürlich schon eine gewisse Lesekondition mitbringen sollte, wenn man zu diesem Buch greift. Eines ist jedoch wirklich sicher. Hier bekommt man zwei Geschichten in einem Buch!
Afterworlds“ punktet mit einem außergewöhnlichen Aufbau, einer konsequent verfolgten Idee und liebenswerten Charakteren. Mein Lesevergnügen in diesem ungewöhnlichen Setting belohne ich deshalb mit 4 Büchern.

Für alle, die sich von neuen Ideen begeistern lassen, einen Blick hinter die Kulissen wagen wollen und bereit sind, Wagnisse und Risiken einzugehen. 




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Kommentare:

  1. Von Scott Westerfeld habe ich schon vor einigen Jahren die ersten 3 Teile der "Uglies"-Reihe gelesen und war davon sehr begeistert. :) Letzte Woche hab ich dann auch endlich mal nach einer sehr langen Pause dazwischen, den vierten Band "extra" gelesen und fand den richtig schlecht... Da hat man gemerkt, dass ursprünglich nur eine Trilogie geplant war.
    Naja, das ist ja eine andere Geschichte, vielleicht lese ich das Buch dann doch noch. :)

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    1. Hallo Binzi,

      von Scott Westerfeld hatte ich bisher noch nichts gelesen. "Afterworlds" klang nach einer neuen Idee und deshalb musste ich einfach zugreifen. Ich hatte zwar ein bißchen etwas anderes erwartet, aber im Endeffekt hat es mir schon gefallen. Bin dann auf deine Meinung gespannt, wenn du das Buch gelesen hast :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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Steffi & Kay