Mittwoch, 29. Juli 2015

♂ Memories to do: Allies Liste (Linda Schipp) Rezension

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„Es würde Fragen geben, die neue Fragen aufwarfen, Fragen nach der Sache, und es würde nicht lange dauern, bis die Antworten zu Tränen führen würden.“
(Pos.2037, 42 %)
Als Allie aus dem künstlichen Koma erwacht, ist die Welt eine andere. Sie kann sich an die letzten siebzehn Jahre ihres Lebens einfach nicht erinnern. Ihr Ehemann Aaron ist ihr fremd, einzig zu ihrem Sohn Mo kann sie eine Beziehung aufbauen. Und warum wird sie von ihrem Ehemann Amanda genannt?

Das Letzte, an das sie sich erinnern kann, ist ihr guter Freund Luis. Mit ihm hat sie viele Sachen erlebt und ihre Beziehung war immer sehr eng. Und genau dieser soll helfen, ihre Erinnerungen wiederzufinden. Doch Aaron ist skeptisch. Aber auch er lässt sich auf das Experiment ein. Immer in der Ungewissheit, seine Frau für immer verlieren zu können.
Was soll ich sagen… Eigentlich merkt man an der bloßen Inhaltsangabe, dass die Geschichte eigentlich nicht dem mir angestammten Genre entspricht. Allerdings weiß auch jeder, der meine Vita ein klein wenig kennt, dass ich Unbekanntem mit Sicherheit nicht abgeneigt bin und mich schon immer mal wieder auf neuem Terrain bewegt habe. Doch die Idee konnte mich neugierig machen und versprach viel Potential, so dass ich hier bewusst ein Risiko eingegangen bin. Und schon vorweg, das Risiko hat sich, zumindest für mich, gelohnt.

Und so wurde ich gleich auf den ersten Seiten in eine Beerdigungsszene geworfen, die grundsätzlich erst einmal etwas Abstand halten lässt. Die Erklärungen waren zwar zum Großteil vorhanden, dennoch hatte ich ein gewisses Misstrauen. Nachdem ich einige Seiten weitergelesen hatte, konnte sich dieses noch nicht so ganz aufheben und ich war tatsächlich ein wenig durcheinander. Ich versuchte, alle Puzzleteile zusammenzufügen und an der Geschichte zu bleiben.

Und wirklich, mit steigender Seitenzahl fühlte ich mich integrierter in den Plot, ich fing an, die Gefühle wahrzunehmen. Hatte ich anfangs den Eindruck, dass die Autorin versuchte, mich ungestüm in die Geschichte zu pressen, fing sie mich auf den folgenden Seiten dann förmlich ein. Ich las und las, dann hatte ich irgendwann das Gefühl, dass Linda Schipp nun ihren Rhythmus gefunden hatte und die Handlungen förmlich aufblühten. Mit steigender Seitenzahl konnte sie mich mehr und mehr fesseln.

Nach wie vor gab es zwischendrin kleinere Unklarheiten. Manchmal waren mir die Handlungen auch etwas zu sprunghaft, zu unabsehbar. Auch kleinere Unabwägbarkeiten und Stolpersteine konnte ich entdecken. All diese Kleinigkeiten in Summe konnte ich der jungen Autorin allerdings verzeihen. Denn ich spürte jederzeit, welche Intensität Linda Schipp in diese Geschichte gelegt hat. Sie war beim Schreiben definitiv mit Herzblut dabei.

Ich erlebte wirklich interessante Entwicklungen, wurde Zeuge unkonventioneller Maßnahmen und meine Neugierde tat ihr übriges. Ich konnte mich irgendwie nicht mehr von den Seiten lösen und wollte nur noch wissen, wie es weitergeht.

Die Charaktere selbst sind, wie ich eigentlich erwartet hatte, nicht bis in die Tiefe beschrieben. Dennoch konnte ich gerade Allie sehr in mein Herz schließen, ihr so manche Eigenart verzeihen. Denn sie hat es wirklich nicht leicht. Wenn ich mir vorstelle, siebzehn Jahre meines Lebens einfach so zu verlieren, würde ich wahnsinnig werden. Das Geheimnis zwischen Luis und Allie tut ein Übriges.

Auch Luis trägt eine eigene Handschrift. Er ist mit Sicherheit nicht der typische Bad Boy, den man in einer solchen Geschichte erwartet. Vielmehr gewinnt er Sympathien durch Werte wie Treue und Glaubwürdigkeit. Auch wenn er grundsätzlich kein Kind von Traurigkeit ist und dies auch unter Beweis stellt. Und nicht immer einhalten kann. Denn eine Verbindung ist ganz offensichtlich gegeben.

Linda Schipp hat für die Präsentation ihres Plots die Vergangenheitsform gewählt, wobei auch zwischendurch einige Abweichungen zu bemerken waren, die den Lesefluss allerdings nicht beeinflussten. Zielstrebig steuert die Autorin auf ihr Ziel hin, wirft einige gut platzierte Dialoge in das Rennen und hatte mich irgendwann tatsächlich eingefangen.

Das Ende der Geschichte wurde von der Autorin klar konzipiert, lässt einem das Herz aber eindeutig nochmals höherschlagen. Es gab hier kleinere Überraschungen, im Endeffekt konnte mich Linda Schipp dennoch beruhigen und die Geschichte genießend ausklingen lassen.
Memories to do – Allies Liste“ konnte mich nach kleinen Anfangsschwächen absolut in einen Bann ziehen, der mir das Fortkommen von den Seiten schwer machte. Mit jeder Seite gewannen die Möglichkeiten des Plots mehr Raum und ließen mich in der Geschichte versinken. Meine Erlebnisse an Allies Seite belohne ich deshalb mit 4 Büchern.

Für alle, denen vergangene Handlungen zweitrangig sind, die sich voll auf das Jetzt konzentrieren und von Rückschlägen nicht beeinflussen lassen. 




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Liebe Grüße

Steffi & Kay