Dienstag, 23. Juni 2015

♂ Blackhearts (Chuck Wendig) [Rezension]

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„Es ist schon so lange her. Ihre Hände kribbeln förmlich.
Früher hasste sie ihren Fluch.
Das tut sie immer noch. Aber das ändert nichts an ihrem Verlangen.“
(S.13)

„Ich bin eine Giftpille. Ich bin ein Anti-Smiley-Aufkleber, wie die auf den Giftflaschen. Ich bin nicht gut für Menschen.“
(S.131)
Eine gewisse Normalität ist in Miriams Leben eingekehrt. Nur kann sie sich damit nicht wirklich anfreunden. Miriam fühlt sich eingeengt und versucht, diesem Leben zu entfliehen.

Und so landet sie plötzlich für einen Auftrag an der Caldecott-Mädchenschule. Eine Lehrerin bietet ihr Geld, damit Miriam ihre Gabe bei ihr einsetzt. Doch dabei bleibt es nicht!

Miriam berührt eine der Schülerinnen und sieht einen grausamen Ritualmord, dem das Mädchen zum Opfer fallen wird. Weitere Morde werden folgen. Und es bleibt nicht mehr viel Zeit. Kann Miriam das Schicksal ein weiteres Mal überlisten und die Morde verhindern?
Erst vor kurzem habe ich den ersten Teil dieser Reihe „Blackbirds“ gelesen und fand das Setting insgesamt recht gut und interessant. Da ich den Folgeband „Blackhearts“ bereits im Regal stehen hatte und natürlich neugierig auf das weitere Geschehen rund um Miriam Black geworden bin, musste ich nun gleich zugreifen und mich wieder in diese Geschichte stürzen.

Auf den ersten Seiten hatte ich es dann mit einer Miriam zu tun, die versuchte, sich anzupassen und in einem normalen Leben zurechtzufinden. Doch dieses Leben entspricht nicht ihrem Wesen und natürlich gerät sie immer wieder in Schwierigkeiten. Louis ist nun ein Teil ihres Lebens, doch für eine Beziehung hat es nicht gereicht. Das hält sie jedoch nicht davon ab, auch weiterhin gewisse Extras gemeinsam zu genießen. Und als Trucker ist Louis auch sehr unregelmäßig zu Hause, so dass die beiden so unterschiedlichen Charaktere wenige Chancen zum Streiten bekommen.

Und so kommt es, wie es kommen muss. Miriam will ausbrechen aus dieser Welt. Ihr innerstes Wesen verbietet es ihr ganz einfach, sich irgendwo anpassen zu wollen. Miriam flieht vor dieser Situation, sie kann nicht bleiben. Miriam weiß, dass sie Louis damit wehtun wird, aber das nimmt sie in Kauf. Doch sie hat nicht mit Louis´ Reaktion gerechnet. Denn nur kurze Zeit später findet er sie. Und bringt sie direkt in die Caldecott-Mädchenschule zu einem Auftrag.

Miriam hat auch in dieser Fortsetzung nichts von ihrem bissigen Sarkasmus verloren. Gerade mit ihrer Ausdrucksweise, die man in der Rubrik Kneipenjargon einordnen könnte, läuft sie immer wieder Gefahr, Menschen verbal zu verletzen. Doch genau damit baut sie auch eine Mauer um sich herum, will eigentlich niemanden an sich herankommen lassen. Einerseits ist das insofern ja auch verständlich, weil sie immerhin bei jeder noch so kleinen Berührung erfährt, wie und wann Menschen sterben werden. Diese Gabe kann Segen und Fluch zugleich sein. Damit jedoch umgehen zu können, verlangt einem alles ab, bringt Grenzerfahrungen mit sich.

Manchmal lässt Miriam nun ihre Maske fallen, lässt hinter die aufgebaute Fassade schauen und eröffnete mir so Einblicke in ihr wahres Ich. Bei all ihren Erlebnissen in der Vergangenheit war ihre Entwicklung für mich dann auch zum Großteil verständlich und nachvollziehbar. Und doch fällt es ihr nach wie vor schwer, sich auf andere Menschen einzulassen. Dieser Charakter entwickelt sich aus meiner Sicht fortlaufend und gewinnt wirklich Tiefe.  

Auch in „Blackhearts“ erlebte ich die Geschichte in Gegenwartsform aus Miriams Sicht in dritter Person. Die vorhandenen Dialoge haben nichts von ihrem Biss verloren und so bewegte ich mich beim Lesen oftmals an der Grenze des verbal Erlaubten und Zumutbaren. Nichtsdestotrotz führte die Atmosphäre, ein Mix depressiver Züge gemischt mit scharfem Sarkasmus, zu einer eher faszinierenden Anziehung, der auch ich nicht entfliehen konnte.

Chuck Wendig setzt in diesem zweiten Band auf einen höheren Fantasy-Anteil, der dem Ganzen im Endeffekt noch einen Hauch mehr an Geheimnis und Düsternis verleiht. Seine Idee hat der Autor wirklich gut umgesetzt und präsentierte einen spannenden Handlungsfaden. Zum Ende hin fand ich die Geschehnisse teilweise allerdings schon etwas überspannt, der Spannungsbogen fühlte sich irgendwann etwas überdehnt an. Chuck Wendig konnte mich dennoch weiterhin an seine Geschichte binden und neugierig auf den Ausgang machen. Einige Schockmomente durften natürlich nicht fehlen und so bekam ich doch das eine oder andere Mal eine kalte Gänsehaut.

Nachdem ich spannende Lesestunden mit teilweiser Gänsehaut genossen hatte, führte der Autor diese Geschichte zu einem Ende, das aus meiner Sicht folgerichtig genau so sein musste. Zufrieden kann ich mich nun deshalb erstmal von Miriam verabschieden und das Buch ins Regal stellen.
„Blackhearts“ zog mich mit einer Mischung aus düsterer Atmosphäre und fragwürdig gesellschaftsfähigen Verbalattacken zusammen mit einem oftmals hohen Spannungslevel tief in die Geschichte und ließ mich menschliche Abgründe erleben. Für diese mit kleinen Einschränkungen spannende Geschichte vergebe ich deshalb 4 Bücher.

Für alle, die immer die Nerven behalten, sich auf nicht alltägliche Protagonisten einlassen können und brutaler Gewalt widerstehen.
1. Blackbirds
2. Blackhearts



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Kommentare:

  1. Uuuuh das Cover ist ja richtig abgefahren ... :) bei “gesellschaftsfähigen Verbalattacken“ kann ich einfach nicht nein sagen :D ... ab auf die WuLi

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  2. Huhu,

    lies am besten mal in die Leseprobe. Ist schon wirklich ne abgefahrene Geschichte, die nicht jedem liegen wird. Ich fand es ja ziemlich interessant und es hätte auch eine fast nicht beschreibbare Sogwirkung auf mich :-)

    Liebe Grüße

    Kay

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Steffi & Kay