Dienstag, 9. Juni 2015

♂ Aquamarin (Andreas Eschbach) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen: 
 

„Alle starren mich an. Auf einmal scheint die ganze Welt aus Augen zu bestehen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, also sage ich gar nichts.“
(S.39)
Seahaven ist eine neotraditionalistische Stadt in Australien. Alle Einwohner lieben das Meer. Und jeder ist mit dem Ozean auf irgendeine Art verbunden.

Auch Saha lebt mit ihrer Tante in Seahaven. Doch ihre Wunden verbieten es ihr, im Meer zu schwimmen, dem Wasser nah zu sein. Genau das macht sie natürlich zur absoluten Außenseiterin. Sie leidet, sie versucht, sich größtmöglichst im Hintergrund zu halten. Und doch wird sie immer wieder zum Opfer. Später entdeckt sie das Geheimnis, das in ihr schlummert. Doch wenn jemand davon erfahren sollte, wird sie aus Seahaven verbannt.
Von „Aquamarin“ habe ich das erste Mal auf der Buchmesse 2015 in Leipzig erfahren und fand die Idee sehr interessant. Umso mehr, als ich von Andreas Eschbach bereits einige Bücher gelesen und diese für gut befunden hatte. Also war ich schon sehr gespannt auf diese neue Geschichte des Autors.

Und so fand ich mich im Jahr 2151 wieder. Die Welt hatte sich deutlich verändert und war mittlerweile in Zonen aufgeteilt. Selbst die Energiekriege hatte die Menschheit überstanden. Und alle gefährlichen Tiere, ob nun vom Aussterben bedroht oder nicht, wurden vernichtet.

Saha lebt zusammen mit ihrer Tante in einer neotraditionalistischen Zone. Ihre Mutter ist schon lange tot, ihren Vater kennt sie nicht einmal. Alte Gebräuche und Traditionen wurden in Seahaven bewahrt. Bestimmte Dinge, wie Genmanipulationen oder einige technische Entwicklungen, die die Menschen von Maschinen und Robotern abhängig machen würden, sind verboten. Doch auch hier lauern so einige Tücken. Denn die Kluft zwischen Arm und Reich ist selbst in Seahaven erkennbar. Auf den ersten Blick erscheint Saha daran angepasst. Und doch fühlt sie sich eingeengt. Trotz der Sicherheit, trotz des vermeintlichen Glücks, das ihre Tante in dieser Zone gefunden hat. Um nichts in der Welt würde Saha dieses Leben riskieren wollen.

Als Saha ihr Geheimnis endlich entdeckt, ist der Schock erstmal groß. Wie kann sie das Geheimnis bewahren? Zu viel steht auf dem Spiel! Und doch kann sie nicht widerstehen und bringt sich womöglich in Gefahr.

Andreas Eschbach hat hier eine wirklich interessante Welt entworfen. Mit diesem Weltentwurf konnte mich der Autor auf jeden Fall zu großen Teilen überzeugen. Die Geschichte selbst erlebte ich aus der Ich-Perspektive Sahas in Gegenwartsform. Ihre Gedanken waren mir dadurch immer sehr nah und ich konnte oftmals verstehen, warum sie in einigen Situationen gerade so reagierte. Eingebaute Dialoge rundeten den Plot gut ab.

Die Handlung an sich bleibt zum größten Teil eher ruhig. Ab und an flackerten Spannungsspitzen auf, verebbten dann doch relativ schnell. Die Erklärungen zu Hintergründen waren für mich sehr interessant, dennoch hätte ich diese nicht immer unbedingt benötigt. Ich erlebte Lektionen zu zwischenmenschlichen Beziehungen und Interaktionen. Der Fokus der Geschichte lag für mich eindeutig auf der Entwicklung der Charaktere, so dass der Actionfaktor zwar ansatzweise vorhanden war, jedoch immer wieder in den Hintergrund gedrängt wurde.

Die Entwicklung von Saha ist nämlich wirklich sagenhaft. Man könnte fast die Geschichte vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan als Beispiel nehmen. Saha war für mich durchgehend ein sympathischer Charakter, dessen Stärke von Seite zu Seite gewachsen ist. Trotz aller Einschüchterungen zum Anfang erkennt sie ihre wahre Stärke und gewinnt zunehmend an Selbstbewusstsein.

Das Ende der Geschichte wurde von Andreas Eschbach sehr treffend entworfen. Genau so habe ich mir das Finale gewünscht. Denn obwohl noch nichts gewiss und sicher ist, könnte ich mir eine Anknüpfung, sprich einen Folgeband, durchaus vorstellen.
„Aquamarin“ glänzt nicht mit atemberaubender Spannung. Es ist dennoch eine Geschichte, bei der man immer wissen will, was als Nächstes geschieht. Charakterliche Entwicklungen in einem wirklich schwierigen Umfeld lassen mich auf jeden Fall gute 3 Bücher vergeben.

Für alle, die sich vor Entdeckungen nicht fürchten und Geheimnisse wahren können, viel Wert auf die Entwicklung von Charakteren legen und das Heft des Handelns nie aus der Hand legen wollen.




Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.

Kommentare:

  1. Ich lese Aquamarin gerade, mein erster Eschbach ��
    Der Rezension kann ich bis zum jetzigen Zeitpunkt voll zustimmen, bin dreiviertel durch ��
    Ich kann es auch gar nicht erwarten weiter zu lesen , so sehr hat mich die Geschichte in ihre Bann gezogen.
    Ich bin jetzt, nach dem Lesen der Rezi, noch neugieriger auf das Ende.
    Danke dafür
    LG Meli ����

    #CLOCKWORK

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Meli,

      Eschbach-Bücher kann man eigentlich immer lesen :-) Probier mal "Black Out", "Hide Out" und "Time Out" von ihm. Die Reihe hatte mir wirklich richtig gut gefallen. Vielleicht wäre das ja auch was für dich :-)

      Liebe Grüße

      Kay

      Löschen

Wir freuen uns über jeden Kommentar!

Liebe Grüße

Steffi & Kay