Donnerstag, 7. Mai 2015

♂ #rausmitderdicken (Sophia Bennett) [Rezension]

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„Es war Freundschaft auf den ersten Blick. Sie kannte Gedichte von meinem Lieblingsdichter Stevie Smith auswendig und führte wie ich ein Album mit Bildern aller entlegenen Orte, die sie eines Tages besuchen will.“
(S.31)

„Die Musik hebt mich hoch, hoch über die Menge. Es ist, als würde ich fliegen lernen und wollte nie wieder landen.“
(S.63)
Sasha, Nell, Jodie und Rose sind beste Freundinnen. Und sie haben eine Band. Allerdings treten sie nicht öffentlich auf, sondern singen allein für sich.

Plötzlich ist das nagelneue iPhone von Sasha verschwunden. Darauf befinden sich viele, für die Mädchen peinliche Videos, in denen sie zusammen Songs üben und singen. Der aus einer Laune heraus entstandene Hit „Sonnenbrille“ ist ebenfalls zu sehen. Und dann beginnt das Desaster. Eines der Videos, gerade „Sonnenbrille“, taucht bei Killer Act, einer Online-Casting-Show von Interface, auf. Die User scheinen es zu mögen. Es gibt immer mehr Liker. Die Girls-Band befindet sich unter den TOP 100 und wird zum Finale eingeladen. Doch nun müssen sie eine Entscheidung treffen, die die Jury von ihnen verlangt. Und damit treten sie eine gewaltige Lawine los, die ihr ganzes Leben verändern wird. Denn eine von ihnen muss die Band verlassen.
„#rausmitderdicken“ ist eigentlich nicht unbedingt in dem Genre gelagert, das ich normalerweise lese. Doch die sympathische Sophia Bennett konnte mich auf der Buchmesse in Leipzig durch ihre positive Ausstrahlung davon überzeugen, dass ich diesen Ausflug vielleicht doch einmal wagen sollte. Und irgendwie hatte ich auch gerade Lust auf diese Geschichte. Gut, dass „#rausmitderdicken“ schon lesebereit auf meinem SuB lag.

So startete ich also in die Geschichte und war gespannt, was mich erwarten würde. Von Anfang an wurde ich dann auch von Sasha, der Protagonistin, abgeholt und mitgenommen. Mit ihr wagte ich meine ersten Schritte in diese Realität und wurde neugierig auf mehr.

Ich stürzte also in eine Welt von Teenager-Mädchen, wie ich sie mir zum Teil bisher auch immer so ausgemalt hatte. Es war interessant, meine Meinung bestätigt zu bekommen und ich fand es wirklich gut. Kein Wunder – Bestätigung hat immer etwas! Ich erlebte Sasha, Rose, Jodie und Nell in ihrem Alltag. Und danach. Ganz ehrlich, ich freute mich mit ihnen. Sie hatten viel Spaß, konnten sich miteinander über Sachen freuen und hielten zusammen. Und dann kam dieser Tag, an dem sie, eigentlich nur nebenbei und beim Blödsinn machen, ein Video drehen, dessen Song sie den Titel „Sonnenbrille“ geben.

Als Sashas iPhone verschwunden ist, denken sie sich erstmal noch nichts Schlimmes. Doch „Sonnenbrille“ taucht nun bei Killer Act, einer Internet-Casting-Show auf und steigt unaufhörlich im Ranking. Ich konnte die Gefühle der Mädchen nachvollziehen, die das Geschehen natürlich beobachteten, auch wenn die Bewerbung ungewollt war. Und nun geraten sie in einen Medienstrudel, der so nicht absehbar war. Und vor allem werden sie vor eine Entscheidung gestellt, die sie eigentlich nicht treffen wollen. Doch das Ergebnis macht sie letztendlich zu einer öffentlichen Zielscheibe. Denn Rose, im Vergleich zu den anderen Mädchen kräftiger gebaut, muss die Band verlassen. Sie haben sie sozusagen öffentlich diskreditiert. Und darauf werden die Mädchen ab sofort reduziert. Der Shitstorm im Internet trifft sie mit ungeahnter Härte.

Sophia Bennet schreibt locker und flüssig. Ich fühlte mich jederzeit wohl in der Geschichte und konnte die Handlungen der Charaktere zum größten Teil nachvollziehen. Die Protagonistin Sasha erzählt die Handlung aus Ich-Perspektive in der Gegenwart, so dass ich immer aktuell informiert über das Geschehen war. Ernste Themen wie Cybermobbing und erste Liebe packt die Autorin in ein gut strukturiertes Geschehen und versucht, die Handlungen abgemildert an den Leser zu bringen. Und doch konnte ich beim Lesen die Emotionen fühlen, die Mauer, die sich um die Mädchen bildet. Gerade noch berühmt, sind sie nun das Ziel jeglichen Hasses. Gewinner kann es dabei eigentlich nicht geben…

Sophia Bennet versteht es geschickt, die alltäglichen Risiken, vor allem im Internet, glaubhaft darzustellen und darauf hinzuweisen. Sei es im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit von Casting-Shows und Internet- Rankings, die Realität lässt sie dabei nicht außen vor und beschreibt zwischenmenschliche Problemstellungen, gerade in der Pubertät, vorstellbar.

Die Geschichte selbst hatte sicherlich ein paar kleinere zähere Stellen, an denen ich nicht spürbar vorangekommen bin, dennoch fühlte ich mich insgesamt gut unterhalten. Nachdem ich mich auf dieses Genre dank des Schreibstils der Autorin wirklich einlassen konnte, ließ Sophia Bennet zum Ende hin mein Herz nochmals höher schlagen, bevor ich mich von Sasha und Co. verabschiedet habe. Dieser Ausflug hat mir auf jeden Fall sehr viel Freude gemacht.
#rausmitderdicken“ zeigt die Risiken der heutigen multimedialen Zeit auf, punktet zugleich mit authentisch wirkenden Szenerien und Handlungen. Die Zeit an der Seite von Sasha konnte ich genießen und vergebe deshalb 4 Bücher.

Für alle, die sich unbewussten Risiken aussetzen, heftigen Situationen standhalten und einfach mehr als alles andere auf Freundschaft vertrauen. 




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Kommentare:

  1. Hey!
    Eine wirklich schöne, ausführliche Rezension der ich nur zustimmen kann. #rausmitderdicken hat mich nach dem lesen noch eine ganze Zeit bewegt.
    LG
    Yvonne

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    1. Hi Yvonne,

      ich muss schon sagen, dass ich eine wirklich andere Entwicklung erwartet hatte. Stellenweise konnte mich die Geschichte auch richtig berühren...Man sollte diese Geschichte wirklich mal lesen. Kann es nur empfehlen :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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  2. Ich muss zugeben, dass der Titel mich schon etwas abgeschreckt hat, aber die Rezi hat mich überzeugt :) sehr schön geschrieben.

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    1. Hallo wayland,

      dankeschön:-) Ich bin mir (fast) sicher, dass dir die Geschichte gefallen wird! Sie ist auf jeden Fall nicht so, wie man bei diesem Titel erwartet...

      Liebe Grüße

      Kay

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  3. Ich liebe das Buch! Hatte zwar einige wenige seltsame Stellen (der kleine Hacker, ist klar, ne), aber es war so unglaublich authentisch :D
    Freut mich, dass es bei dir auch punkten konnte :D Völlig verdient, meiner Meinung nach :3

    LG Heffa

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    1. Huhu Heffa,

      das Buch hat mich doch irgendwie überrascht. Auf jeden Fall verdient :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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    2. Ja, krass oder? ich dachte am Anfang so: naja, total Klischee und kindlich. Und dann so ... genial :)

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    3. ...so ungefähr dachte ich auch. Aber nach dieser guten Erfahrung werde ich bestimmt weitere Bücher der Autorin lesen :-)

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  4. Bisher hat mich das Buch ehrlich gesagt nicht sonderlich angesprochen, aber jetzt bin ich mir sicher, dass ich es lesen möchte :)

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    1. Hi Binzi,

      sicher war ich mir vor dem Lesen auch nicht. Aber ich hatte richtig Spaß mit der Geschichte. Könnte sich also schon für dich lohnen...

      Liebe Grüße

      Kay

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Steffi & Kay