Donnerstag, 14. Mai 2015

♀ Bin mal kurz tot (Lance Rubin) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen: 
 

Dank den Forschern von AstroThanatoGenetic kann der Tod eines Menschen bis auf den Tag genau vorherbestimmt werden. Die Gesellschaft hat sich verändert, seit die Bestimmung in vielen Ländern obligatorisch wurde. Man „feiert“ seine letzte Woche und nimmt letztendlich sogar an seiner eigenen Bestattungsfeier teil.

Denton Little weiß, dass er am nächsten Tag sterben wird. Er weiß nicht wie und wann genau – der Tag hat ja 24 Stunden – aber es wird morgen soweit sein. Ein schlechter Zeitpunkt also, um total verkatert in einem fremden Bett aufzuwachen und den ersten Blackout seines Lebens zu haben.

Stück für Stück versucht Denton, die letzte Nacht zu rekonstruieren, ehe bei seiner Bestattungsfeier ein Mann auf ihn zugeht, der etwas über Dentons verstorbene Mutter zu wissen scheint. Und plötzlich hat Denton noch mehr nachzudenken als über seinen bevorstehenden Tod.
Der Titel, das Cover, sowie der humorvolle Klappentext hatten mich so neugierig gemacht, dass ich sofort zu dem Buch greifen musste.

Schon der Einstieg gelang Lance Rubin einfach wunderbar. Der 17-jährige Protagonist Denton wacht völlig ahnungslos in einem Bett auf, das nicht ihm gehört. Durch die gewählte Erzählung in Ich-Perspektive in Gegenwartsform ist man als Leser hautnah bei dem Kater dabei. Während Denton versucht, sich an die vergangene Nacht zu erinnern, erklärt er immer wieder, wie sich die Welt seit der Bestimmung des Todestages verändert hat.

Die Grundidee fand ich richtig gut gelungen und gut durchdacht. Es wäre makaber, Leute mit aktuellem Todesdatum in ein Flugzeug zu lassen – auch wenn die anderen vermutlich mit Verletzungen oder Koma davonkämen. Auch den Umgang mit dem Wissen um den eigenen Tod fand ich gut. Eine Spring-Break-artige Abschiedswoche, schulfrei, alles, was man sich noch gewünscht hat, erledigen können… In der Theorie ist das für Denton auch recht klar, doch die Praxis sieht anders aus.
Er wusste von klein auf, dass er zu den „Frühen“ gehört und er wollte immer ein normales Leben führen, eine tolle Beziehung haben und kein Idiot sein. Doch an seinem letzten Tag, den ich gemeinsam mit ihm erleben durfte, verändern sich seine Vorstellungen doch ein wenig.

Stück für Stück arbeitete der Autor einen Faden ein, dem ich nur neugierig folgen konnte. Die kleinen Häppchen wie beispielsweise über den Bekannten von Dentons verstorbener Mutter schubsten mich immer weiter in der Geschichte, bis ich nicht mehr von den Seiten loskam.

Lance Rubins Schreibstil machte mir das aber auch nicht schwer. Die Sprache passte einfach perfekt zu dem jugendlichen Protagonisten und die naiv-jugendliche Art kam perfekt bei mir an. Die Dialoge waren teilweise zum Auflachen und die Vergleiche und Beschreibungen brachten mich ebenfalls zum Schmunzeln.

Bei all dem Humor und jugendlich-naivem Charme werden dennoch (für Jugendliche) tiefgründige Fragen aufgeworfen und eine Antwort gesucht. Was passiert nach dem Tod? Wie werden diejenigen, die jetzt schon so lange mit dem frühen Todesdatum umgehen müssen, den Tod selbst bewältigen? Was muss man erlebt haben, bevor man stirbt?

All dies ist jedoch weniger dramatisch, wie es sich anhört, denn Denton hat auch in seiner Denkweise meist wenig Taktgefühl und redet/denkt locker-flockig darüber nach. So wurde ich förmlich durch die Geschichte gerissen und wurde immer neugieriger gemacht. Auch wenn „Bin mal kurz tot“ nicht gerade von nervenaufreibender Spannung geprägt ist, gleicht der humorvolle Schreibstil dies größtenteils aus und ich fieberte nicht der nächsten Spannungsspitze sondern der nächsten kleinen Wendung oder dem nächsten (unfreiwillig komischen) Witz entgegen.
„Bin mal kurz tot“ von Lance Rubin war genau das, was ich erwartet hatte. Ein humorvolles Buch über den Tod und was es bis dahin alles zu erledigen gibt. Wer wirklich Tiefgründiges erwartet, wird enttäuscht werden – wer sich auf diesen besonderen Weltenentwurf einlassen und sich durch die absolut witzigen Dialoge mitreißen lassen kann, erlebt von Lachen durchzogene Lesestunden – ohne nervenaufreibende Spannung oder großartiges Drama. Die Stunden an Dentons Seite belohne ich mit 4 Büchern.
1. Bin mal kurz tot
2. Originaltitel: Denton Littles Birthdate
(voraussichtlicher Erscheinungstermin: 2016)



Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.

Kommentare:

  1. Das klingt super, Steffi! Bei mir lag das Buch überraschend im Briefkasten. Ich kann also ruhigen Gewissens zugreifen und es lesen. :)
    Liebste Grüße
    Sabrina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich wünsche dir ganz viel Spaß damit! Die sind so lustig :'D

      Viele Küsschen

      Steffi

      Löschen
  2. Hallo Steffi,

    als ich das erste Mal das Cover und den Klappentext gesehen/gelesen habe, wusste ich, dass ich es sehr gerne lesen will und freue mich jetzt, auch dank deiner tollen Rezi, um so mehr darauf.

    Liebe Grüße,
    Uwe

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Viel Spaß beim Lachen - Kay ist immer zusammengeschreckt, wenn ich losgeprustet habe. Man muss sich die jungen Kerle nur bildhaft vorstellen - genial :-D

      Viel Spaß beim Lesen, wenn es so weit ist.

      Liebe Grüße

      Steffi

      Löschen
    2. Noch ein Grund mehr, das Buch zu lesen :D

      Löschen
  3. Leider ist das Buch hier nicht angekommen! Ich werde glaube ich mal nachfragen! LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Könnte auch am Poststreik liegen. Vielleicht hätten es noch einige mehr bekommen sollen :-/

      Aber es lohnt sich.

      Liebe Grüße

      Steffi

      Löschen
  4. Also, das Cover und der Titel sprechen mich ja mal richtig an, werd es mir mal angucken. Danke dass du mir das Buch gezeigt hast!
    LG VintesBlog!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn dich jugendliche Naivität nicht stören, dann ist es auf jeden Fall empfehlenswert (und jugendliche Naivität kann verdammt witzig sein!) :-)

      Liebe Grüße

      Steffi

      Löschen
  5. Auch dieses Buch kommt direkt auf meine Wunschliste :)
    Eigentlich mag ich Romane über den Tod gerne, wenn viel Drama darin vorkommt, aber das hier klingt einfach mal "anders" :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Drama hat es echt nicht sehr viel - geht schon eher in die Richtung Spannung.
      Den Platz auf der WuLi hat es sich verdient.

      Liebe Grüße

      Steffi

      Löschen

Wir freuen uns über jeden Kommentar!

Liebe Grüße

Steffi & Kay