Samstag, 27. Dezember 2014

♂ Red Rising (Pierce Brown) [Rezension]

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„Wir sind zusammen aufgewachsen und nun erwachsen. In ihren Augen sehe ich mein Herz. In ihrem Atem höre ich meine Seele. Sie ist mein Land. Sie ist meine Haut. Meine Liebe.“
(S.48)

„Sie gibt mir ein Zeichen zum Abschied. Ich spüre, dass das der Beginn eines Albtraums ist. Ich spüre ihn wie einen Nagel, der über meine Wirbelsäule kratzt, als sie mir etwas ins Ohr raunt.“
(S.61)

„Es ist ein ungleicher Kampf. Ich bin Darwins Sichel. Die Natur, die den Abfall beseitigt. Ich weiß nicht, wie man tötet.“
(S.203)
Das Leben der Clans ist hart. Tagtäglich schuften sie tief unter der Oberfläche des Mars, um wichtiges Helium-3 für das Terraforming der unwirtlichen Umwelt zu gewinnen. Immer wieder wird ihnen gesagt, dass sie die Pionierarbeit für das Überleben der Menschheit leisten.

Darrow ist der Höllentaucher im Lambda-Clan. Ein gefährlicher Job, wenn nicht sogar der gefährlichste überhaupt. Er und seine Frau Eo leiden, genau wie der ganze Clan, permanent Hunger. Denn nur der Clan mit der höchsten Förderquote erhält reichlich Lebensmittel und Medikamente.
Und nun wird der Lambda-Clan in dieser Periode um den verdienten Sieg betrogen. Wieder gehen sie leer aus.

Die Entdeckung, die Eo und Darrow machen, endet tödlich. Machtlos muss Darrow den Tod seiner Frau ansehen. Der Schicksalsschlag gibt ihm ein neues Ziel. Und dieses Ziel verfolgt er ab jetzt unerbittlich.
„Red Rising“ steht bereits eine ganze Weile unter meiner Beobachtung. Letztendlich durchringen konnte ich mich bisher allerdings nicht. Ich habe die eine oder andere Rezension zu diesem Buch gelesen und war unschlüssig aufgrund der Bandbreite der Meinungen. Doch nun kam auch nicht mehr darum herum, zu „Red Rising“ zu greifen. Denn nun hatte das Buch zu mir gefunden und lag zum Lesen bereit.

Der Klappentext hatte mich natürlich neugierig gemacht. Jedoch konnte ich mir nicht vorstellen, dass mich das Thema durch ein ganzes Buch begleiten könnte. Insofern ging ich erstmal etwas skeptisch an die Geschichte heran.

Nach den ersten Seiten schien sich meine Befürchtung auch zu bewahrheiten. Ich lernte eine grundsätzlich interessante Welt mit ziemlich angepassten Menschen, die in Clans organisiert waren, kennen. Die Charaktere selbst blieben anfangs etwas farblos und mir gelang es nur zögerlich, in der Welt Fuß zu fassen. Mich empfing eine unheimlich bedrückende Atmosphäre, die mit nur wenigen Lichtblicken aufgelockert wurde. Der Protagonist Darrow glänzte durch Naivität und einfacher Denkweise.

Doch dann kam dieser Wendepunkt. Ich konnte kaum glauben, was ich da gerade gelesen hatte und war ziemlich schockiert. Ohne Möglichkeit einzugreifen, musste Darrow dem Mord tatenlos zusehen. Genau diese Tatenlosigkeit konnte ich ihm lange Zeit jedoch nicht verzeihen. Zudem schien die Story hier auch noch ein ziemlich jähes Ende zu nehmen. Aber jedes Ende ist auch ein Anfang.

Nach diesem Zeitpunkt zog mich die Geschichte mehr und mehr in ihrem Bann. Die Vorbereitungen zur Erreichung des großen Ziels selbst fand ich dann schon sehr ansprechend dargestellt. Danach jedoch glitt ich sogar förmlich in einen Spannungsrausch. Woge um Woge ließ ich mich von den Ereignissen überrollen und geriet zunehmend außer Atem.

Nun verstand ich die Gesellschaft und ihre Hierarchien immer besser. Die Herrschaft der Weltengesellschaft über die niederen Farben ergab jetzt einen Sinn. Jede Farbe hatte ihre Bedeutung. Sind die Roten vor allem für die Rohstoffgewinnung zuständig, obliegt es den Pinken, den höheren Farben für die Freuden des Lebens zur Verfügung zu stehen. An der Spitze stehen die Goldenen. Dies nun schon seit den Zeiten der Eroberungskriege, die sie gegen die Erde gewinnen konnten. Darrow beginnt zu begreifen, dass diese Gesellschaft auf dem Rücken der Roten, die von alldem keine Ahnung haben, aufgebaut wurde. Sie sind die eigentlichen Sklaven dieses Imperiums.

Der Schreibstil von Pierce Brown ist einfach gehalten und gut zu lesen. Kleine Verwirrungen und an manchen Stellen zu gewollt wirkende jugendliche Dialoge konnte ich locker wegstecken, da die vorherrschende Spannung gute Ablenkung bot. Fasziniert vom Geschehen und eingebauten Wendungen fiel es mir schwer, das Buch auch nur kurz zur Seite zu legen. Zu neugierig war ich auf das weitere Geschehen und das Handeln der Charaktere. Auch wenn die Geschichte wirklich ziemlich brutale Handlungen enthält, werden diese nüchtern und nicht überdetailliert beschrieben.

Begegnete ich anfangs einem ziemlich naiven Jungen, der zwar zugegebener Maßen einen wichtigen Job im Clan innehatte, sich jedoch nicht wirklich mit Intelligenz hervortat, erlebte ich bei Darrow eine Entwicklung, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Alle starren Regeln im Spiel der Gewalten missachtend, schwang er sich in ungeahnte Höhen in der von ihm verachteten Gesellschaft der Goldenen. Geist und Verstand blitzten bei ihm nun immer wieder auf. Darrow stellte wahre Führungsqualitäten heraus und wusste zusehends, wie er mich mit seinem Handeln begeistern konnte. Der Gedanke an seine tote Frau Eo treibt ihn stetig an. Verbissen geht er seinen Weg und verfolgt sein Ziel. Den Jungen vom Beginn der Geschichte ließ er verblassen; und auch ich konnte damit unsere Anfangsschwierigkeiten vergessen.

Nach vielen erlebten Entbehrungen und Gefahren endet „Red Rising“ mit einem mehr als zufriedenstellenden Ende für mich. Ich kann nun kaum das Erscheinen des Folgebandes erwarten. Denn definitiv werde ich diese Geschichte weiterlesen.
Brutale Machtkämpfe in einer erbarmungslosen Gesellschaft verbunden mit Geschick und vorausschauendem Handeln haben mich „Red Rising“ wirklich genießen lassen. Ständig ansteigende Spannung und sich rasant entwickelnde Charaktere ließen mich meinen durchwachsenen Einstieg fast vergessen. Ich fand das Spannungsniveau und den Unterhaltungswert so hoch, dass ich für „Red Rising“ sehr gute 4 Bücher vergebe.

Für alle, die sich nicht in definierte Nischen drängen lassen wollen, dabei Charakteren bedingungslos zur Seite stehen und Vergangenes ausblenden können. Liebhaber dystopischer Sci-Fi- Geschichten werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

1. Red Rising
2. Golden Son
(Erscheinungstermin: April 2015)
3. Originaltitel: Morning Star
(Erscheinungstermin noch nicht bekannt)



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Kommentare:

  1. ich fands auch ganz toll... zwischendurch wars mal etwas langatmig und ich hatte das Gefühl, es dient überhaupt nicht der Hauptgeschichte das so lange zu beschreiben, aber insgesamt war es super spannend und unvorhersehbar!
    Bin schon gespannt wie es weitergeht. =)
    LG, Anja =)

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  2. Hallo Anja,

    ich war auch irgendwann total gefesselt. Die Anflüge von Komplexität haben mich richtig fasziniert. Und jetzt muss schnell der zweite Teil kommen :-)

    Liebe Grüße

    Kay

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  3. Hey,

    muss zugeben, dass ich bei diesem Buch noch zögere. Ich bin einfach nicht sicher, ob es mir gefallen wird. Habe auch schon positives über die Fortsetzung von US-Lesern gehört.
    Es klingt ja schon interessant. Wäre vielleicht etwas für mich, wenn ich wieder mehr Lust auf dystopische Elemente habe.

    Liebe Grüße
    Sandy

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  4. Hallo Sandy,

    wenn die Lust auf dystopische Geschichten mal wieder bei dir aufkommen sollte, hast du das Buch ja schon im Hinterkopf. Und dann wird dir die Geschichte garantiert auch gefallen ;-)

    Liebe Grüße

    Kay

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  5. Hey Kay
    Ich habe das Buch kürzlich erst ausgelesen und mir gefiel es anfangs so überhaupt nicht aber noch ungefähr der Hälfte hat es michso richtig in seinen Bann gezogen und ich wollte es nicht mehr aus der Hand geben.Ich freue mich daher schon wahnsinnig auf den zweiten Band "Golden Sun".

    Liebe Grüße
    S.

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  6. Ich weiß, was du meinst. Die Geschichte braucht wirklich einen gewissen Vorlauf, bis man aber letztendlich nicht mehr davon los kommt. Auch dem Prota hätte ich anfangs gern immer wieder eine Kopfnuss gegeben ;-) Aber später fand ich richtig toll, was der Autor aus seiner Idee gemacht hat. "Golden Son" kann eigentlich nur richtig gut werden :-)

    Liebe Grüße

    Kay

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  7. Hallo Kay!

    Das ist ja auch schon wieder so ein Thema - *räusper*
    Vielleicht kann ich ja was in meiner Forschungsarbeit mit Büchern machen, und das hernehmen, mal schauen:) Soziologie ist eben ein Gebiet, das SEHR weit gespannt ist.

    LG,
    Valerie

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    1. Hallo Valerie,

      dafür bietet sich das Buch sicherlich an ;-) Du kannst gern mal berichten :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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Steffi & Kay