Montag, 10. November 2014

♀ Dunkelsprung (Leonie Swann) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
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In London tummeln sich die Fantasy-Gestalten.
Um seinem Tod zu entkommen, hat Julius Birdwell einen Handel angenommen und als Gegenleistung für seine Rettung versprochen, sich auf die Suche nach einer Nixe zu machen. Dabei trifft er auf Elizabeth, die es schafft, seine totgeglaubten Flöhe zu reanimieren. Elizabeth, die Hörner hat.

Gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach Hinweisen, die Verfolger stets dicht hinter ihnen. Sowie den Privatdetektiven Green, der mit seinem psychischen Problem glaubt, sich nur einzubilden, dass Elizabeth kaum ein Mensch sein kann.
Überraschend hat „Dunkelsprung“ den Weg in mein Regal gefunden und vom Klappentext neugierig gemacht, stürzte ich mich in die magische Welt, mit der ich im „Vorspiel“ konfrontiert wurde.

Gleich danach lernte ich Julius Birdwell kennen, einer der skurrilen Hauptcharaktere, denen Leonie Swann Leben eingehaucht hat. Julius Birdwell, der Nachfahre eines berühmten „Magiers“ und Ganoven würde am liebsten seine Ruhe haben und ganz allein für seinen Flohzirkus da sein. Julius hat ein Geheimnis. Die Flöhe arbeiten freiwillig für ihn und er muss sie nicht mit Goldfäden ketten, wie es die anderen tun. Die Ganoven, mit denen sein Großvater zusammengearbeitet hat, wollen auch in den Genuss von Julius‘ Hilfe kommen – doch er ist ein denkbar schlechter Ganove, der alles andere als gut im Lügen und Ausreden-Finden ist. Doch was Julius vorerst nicht weiß ist, dass all seine aufgetischten Lügen Wirklichkeit werden…
Nachdem seine Flöhe einem plötzlichen Nachtfrost zum Opfer gefallen sind und Julius – versehentlich – Fast-Selbstmord auf einer Brücke gemacht hätte, wird er von einer Nixe gerettet.
Die Gegenleistung ist einfach: Es gibt da jemanden, der magische Wesen entführt und gefangen hält – und Julius soll dabei helfen, sie zu retten.

Dabei lernt er den Privatdetektiv Green kennen, der seinerseits an einem sehr wichtigen Fall arbeitet und deren Wege sich immer wieder kreuzen. Noch wichtiger jedoch ist die Begegnung mit Elizabeth, deren wahres Geheimnis Julius erst sehr spät entdeckt, dem „verrückten“ Frank Green jedoch sofort ins Auge sticht: Elizabeth hat Hörner!

Der Einstieg in „Dunkelsprung“ gelang mir alles andere als leicht. Perspektivenwechsel, „Löcher“ und eine sehr verrückte Geschichte machten es mir alles andere als einfach, mich fallen zu lassen.
Es dauert mehrere Kapitel, bis ich mich einigermaßen in Leonie Swanns Welt zurechtfand. Ich bin Fantasy alles andere als abgeneigt, hier blieben diese Gestalten jedoch sehr lange versteckt und die Autorin deutete immer nur an, das es sie gäbe (was aber auch durchaus eine der Verrücktheiten sein hätte können, die die Charaktere so an sich haben).

Der Schreibstil ist sehr ausgeschildert, wirkt teilweise dann wieder berichtsartig (mit Lücken durch Perspektivenwechsel). Lange Zeit hatte ich keinen Zugang zu den Charakteren, die ihre Geschichte von einer dritten Person in Gegenwartsform schildern lassen. Sie waren zu speziell für mich, ich bin mit dem Gangsterjob (bzw. mit der „Bedrohung“ dadurch) von Birdwell oder der Psychotherapie (oder besser dem Grund dafür) von Green nicht zurechtgekommen – und auch nicht mit seiner zweiten Persönlichkeit Black.

Erst kurz vor der Hälfte des Buches konnte ich mich einigermaßen in die Charaktere und Leonie Swanns London überhaupt einfinden. Die Suche nach der Nixe wird zu einem waschechten Krimi, der Spurenverfolgung und Jagd nach weiteren Hinweisen – im Nacken stets die „böse“ Seite, die dasselbe Ziel anvisiert. Dann jedoch wurden mir die Charaktere teilweise doch zu suspekt. Julius, der eine ganz spezielle Wandlung durchmacht, ist nur ein Beispiel.

Ich bekam Zug um Zug Antworten auf Fragen, die ich mir nicht einmal gestellt habe. Teils in philosophische, bildgewaltige Sätze gepackt, erschuf Leonie Swann eine ganz spezielle Urban-Fantasy-Welt, die so ziemlich alles beherbergt, das man als Fantasy-Leser so kennt. Dennoch konnte mich die Autorin nie packen. Die Idee mit den Flöhen war mir zu suspekt, die Perspektive der Flöhe, vor allem die des Albino-Flohs Lazarus Dunkelsprung, nicht nur gewöhnungsbedürftig. Lieder wie „Blut tut gut“ usw. konnten mir weit weniger Spaß bereiten als vermutet.

Die vielen Perspektivenwechsel und sogar Zeitwechsel haben es mir zusätzlich schwer gemacht, einen roten Faden zu finden. So baute sich nur sehr langsam Spannung auf und ist erst gen Showdown wirklich spürbar. Dem gut gestalteten Ende (aber was nach dem letzten Satz passiert, hätte mich dann doch noch interessiert) folgte eine Abhandlung über Flöhe und aus dem Buch bekannte Namen, die es auch in der Realität gab, was ich persönlich sehr interessant fand.
„Dunkelsprung“ ist alles andere als leichte Kost. Das auf dem Cover zitierte „Märchen“ suchte ich vergeblich, bekam dafür aber allerhand Fantasy-Gestalten und winzige Flöhe, die Großes bewirken. Der Geschichte konnte ich nach dem schwierigen Einstieg nicht immer folgen, das Verhalten und die Entwicklungen der Charaktere waren mir teilweise suspekt. Alles in allem gibt es von mir sehr sehr gute 2 Bücher.

Wer in eine erwachsene, poetisch-philosophisch angehauchte Urban-Fantasy-Welt tauchen und dabei den skurrilsten Charakteren begegnen möchte, sollte sich unbedingt näher mit „Lazarus Dunkelsprung“ beschäftigen.




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Kommentare:

  1. Steffi liest ein Buch über Flöhe - schon das allein ist ja mal genial xD

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    1. Wenn ich das vorher so genau gewusst hätte :-D
      Aber die Kapitelabsetzer in Form von Flöhen hätte es mir sofort sagen sollen :'D

      Willst es nicht doch haben? Das Angebot steht :-)

      Liebe Grüße

      Steffi

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    2. Nein, ich muss doch meinen SuB bekämpfen, nicht füttern :D

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    3. und schon gar nicht mit Flöhen :'D

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  2. Hallo Steffi,

    vielen Dank für deine Rezi! Nach dem lesen frage ich mich jetzt, ob das Buch wirklich etwas für mich ist. Ich hatte es schon ins Auge gefasst, weil der Klappentext sich wirklich vielversprechend angehört hat. Aber die Geschichte ist mir (glaube ich) ein wenig zu skurril.
    Und das Buch ist wirklich nach dem Albino-Floh benannt? Das finde ich irgendwie lustig ;-)

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Vielleicht bin ich auch einfach zu doof, den tieferen Sinn des Ganzen zu verstehen. Für mich blieb das Falsche beantwortet und was ich wissen hätte wollen, noch offen...
      Aber ich lese im Normalfall ja nur Jugendbücher aus dem Genre - vielleicht liegt es daran o.O

      Lies mal in die Leseprobe. Wenn du damit gut zurechtkommst, könnte auch der Rest was für dich sein :-)

      Liebe Grüße

      Steffi

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  3. Hey ich habe dich numienert ich hofde ihr macht mit :)
    http://sarahsbuecherhoehle.blogspot.de/

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  4. Hach ja ... und wieder ein Buch dass von meiner Wunschliste gekickt wird ;-)
    Danke für deine schöne Rezi. Sie ersparrt mir viel Zeit.

    LG

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    1. So wie ich deinen Lesegeschmack einschätze, würde es dir auch nicht gefallen. :-(

      Liebe Grüße

      Steffi

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  5. Oh je... na, dann war es ja gut, dass ich gezögert habe. Hätte es dir gefallen, hätte ich mit dem Buch noch einen Versuch gestartet, aber so gehe ich davon aus, dass es mir genauso wenig gefallen würde wie "Glennkill".

    LG Petra

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    1. Es war einfach nicht meins. Der Stil war für mich sehr speziell und die Geschichte auch :-(
      Hast du die Leseprobe gelesen?

      Liebe Grüße

      Steffi

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  6. Also das klingt ja wirklich sehr schräg öÖ
    Vielleicht ja gerade dadurch das für mich? ^^
    Die Rezension fand ich voll super, muss ich sagen, ich bin immer wieder begeistert (und kommentiere dafür viel zu selten! :O )

    Noch liebe Grüße und einen schönen Tag,
    Cynder
    http://bluesplashes.blogspot.co.at/

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    1. Danke für den lieben Kommentar <3
      Das Buch ist wirklich sehr schräg - ich empfehle dir, erstmal in die Leseprobe zu lesen :-)

      Ganz liebe Grüße

      Steffi

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  7. Ich hab bisher noch gar nichts von dem Buch gehört, aber deiner Rezension nach ist es wohl eher nichts für mich :) Trotzdem wie immer eine tolle Rezi!

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    1. Ich glaube, das wäre auch nichts für dich :-)

      Liebe Grüße und Danke für das Lob <3

      Steffi

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  8. Hallo, meine Liebe! :)

    Endlich habe ich auch "Dunkelsprung" gelesen und ich muss sagen, es hat mir richtig gut gefallen. Vielleicht bin ich dieses Jahr in der Stimmung für etwas Neues und offen fürs Skurrile, aber bei mir hat das Buch einen Nerv getroffen. Ich habe jede Seite genossen, aber mehr hätten es auch nicht sein dürfen.

    Liebste Grüße

    Rica

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    1. Vermutlich muss man für skurril einfach in der richtigen Stimmung sein :-D
      Ich habe mittlerweile alles der Story verdrängt :-)

      Aber schön, dass es dir besser gefallen hat :-)

      Ganz liebe Grüße

      Steffi

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  9. Ahoy Steffi,

    jetzt wo das Buch mit neuem Cover als Taschenbuch erschienen ist, konnte ich nicht widerstehen...

    Ich habe dieses Buch so sehr lieben wollen, aber durch allzuviel Skurrilität wurde mir das sehr schwer gemacht. Ich hatte irgendwie mehr auf Zirkusmagie gehofft und davon recht wenig bekommen :/

    Liebe Grüße, Mary <3
    http://marys-buecherwelten.blogspot.de/2017/01/dunkelsprung.html

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    1. Ja, es war einfach ZU wirr, daher kann ich dich nur allzu gut verstehen.
      Ich wusste nicht einmal, dass es noch einmal verlegt wurde :-)
      Oder ich habe es verdrängt. Meins war das Buch jedenfalls nicht.

      Ganz liebe Grüße und ich hoffe, dein nächster Lesestoff wird besser <3

      Steffi

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    2. Haha ja, das neue Cover ist allerdings wundervoll *-*
      Und ja, ich habe gerade "Die Schiffe der Waidami" beendet, eine Piratengeschichte im weitesten Sinne, aber mit einem magischen Volk und Visionen und waaaaah, es war sooo gut!!!

      LG, Mary<3

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Steffi & Kay