Montag, 20. Oktober 2014

♂ Gated - Die letzten 12 Tage (Amy Christine Parker) [Rezension]

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„Ich kann mir nicht länger um den Rest der Welt Gedanken machen. Ihr Schicksal wurde vor langer Zeit entschieden – genau wie meins.“
(S.19)

„Ich sollte mich hier nicht gefangen fühlen, aber jetzt, in diesem Augenblick – und wenn ich ehrlich bin, immer häufiger, empfinde ich es so, ich kann es nicht ändern.“
(S.57)
Unter Führung des exzentrischen Pioneer bereitet sich die kleine Gemeinschaft in Mandrodage Meadows auf den Weltuntergang vor. Pioneers Visionen und sein Kontakt zu den Brüdern haben die Auserwählten vorbereitet. Völlig, bis auf regelmäßig stattfindende Versorgungstouren, abgeschottet von der Außenwelt führen sie hier ein geregeltes Leben. Die Schießübungen dienen dazu, sich zum rechten Zeitpunkt gegen die Außenstehenden verteidigen zu können.

Auch Lyla ist Teil dieser Welt. Nachdem ihre große Schwester Karen vor zehn Jahren entführt wurde, hatte sich das Familienleben schlagartig geändert. Nur Pioneer konnte der Familie in dieser schweren Zeit beistehen und helfen. Doch Karen kam nie wieder zurück. Durch Pioneers Visionen bestätigt, wagt die Familie den Schritt und zieht nach Mandrodage Meadows.

Als plötzlich und unvermittelt der Sheriff mit seinem Sohn Cody ins Dorf kommt, beginnt Lyla, tiefer über ihr Leben nachzudenken. Und stößt dabei auf so manche Ungereimtheit. Der Kontakt zu Cody verändert sie. Ein Kampf scheint unausweichlich zu sein.
Der interessante Klappentext und das Cover von „Gated“ ließen mich eine Geschichte in Richtung Endzeitroman oder dystopischer Literatur vermuten. Nachdem ich hierdurch wirklich neugierig auf das Buch geworden bin, musste es auch recht schnell bei mir einziehen. Lange konnte ich mich nicht zurückhalten. Und so griff ich gleich zu dem Buch.

Kaum hatte ich die ersten Seiten gelesen, musste ich meine Meinung zu dem erwarteten Genre, in dem diese Geschichte aus meiner Sicht spielen würde, gleich revidieren. Natürlich kann man das Leben in einer Sekte sicherlich auch in die ein oder andere Endzeit- oder dystopische Richtung deuten, dennoch befand ich mich hier im Real Life. Wenn auch in einem völlig anderem als mir bekannten Leben. Also versuchte ich erstmal umzudenken.

Gleich zu Beginn lernte ich Lyla kennen. Und erfuhr, dass ihre Schwester Karen entführt wurde. Einfach so, auf offener Straße. Und kurz zuvor hatten die Geschwister noch miteinander gespielt. Nur durch einen kleinen Streit kam es dazu, dass Lyla ins Haus gegangen war. Und seit diesem Zeitpunkt wird Lyla von Selbstvorwürfen geplagt. Ihre Eltern scheinen gebrochen. Gebrochen von dieser Entwicklung. Dem Verlust eines geliebten Kindes. Das führt dazu, dass Lyla keinen Schritt mehr unbeobachtet machen darf. Ihre Mutter verbietet Lyla sämtliche Aktivitäten, bei denen sie nicht unter ihrer Obhut steht. Natürlich wird Lyla von ihren Eltern geliebt, doch der Schock über das Verschwinden ihrer Schwester ist zu groß. Eine wie ich finde, wirklich nicht ungewöhnliche Reaktion, wenn man ein Kind verliert.

Solche Momente der Schwäche und Hoffnungslosigkeit nutzen Menschen wie Pioneer schamlos für ihre eigenen Ziele aus. Wirkt Pioneer anfangs noch hilfsbereit und aufopferungsvoll, konnte ich ihn im weiteren Verlauf als skrupellos und gewaltbereit erleben. Um die in Mandrodage Meadows lebenden Menschen spinnt er ein wohlüberlegtes Netz aus Lügen und vermeintlicher Sicherheit, dem keiner entfliehen kann. Immerhin ist Pioneer derjenige mit den Visionen. Die Menschen im Dorf glauben ihm. Selbst wenn die Unwahrheit ans Licht kommt, stehen die Menschen zu Pioneer. Denn er hat ihnen die Erlösung prophezeit, sie sind die Auserwählten, die den Weltuntergang überleben werden.

Es war auf jeden Fall ziemlich erschreckend zu lesen, mit welchen profanen Mitteln Menschen in Notsituationen oder Schwächeperioden dazu gebracht werden können, ihr ganzes bisheriges Leben einfach hinter sich zu lassen und sich einen Glauben einreden zu lassen, solange man sie überzeugend von ihren Problemen und Schicksalsschlägen ablenken kann. Wenn man einfach der Realität entfliehen kann, die Welt ausblenden will, dann haben Leute wie Pioneer leichtes Spiel.

Amy Christine Parker erzählt ihre Geschichte nüchtern und kühl ohne emotionale Ausuferungen. Ich konnte mir das Leben in der Gemeinschaft wirklich gut vorstellen. Über sich anbahnende Längen konnte ich fast hinwegsehen, interessiert und neugierig blätterte ich durch die Seiten, motiviert, das weitere Geschehen zu erforschen.

Auch wenn die Geschichte in Ich-Perspektive/Gegenwart aus Lylas Sicht erzählt wurde, konnte ich dennoch keinen richtigen Zugriff auf die Protagonistin bekommen. Ihre Gedanken gab sie mir nur stückchenweise preis, ließ mich oftmals im Unklaren. Erst nach und nach konnte ich ihr näherkommen, würde unser Verhältnis jedoch nicht als innig bezeichnen.
Genauso ging es mir im Übrigen auch mit den anderen Charakteren in der Geschichte. Diese waren für mich zu weit entfernt, als dass ich bestimmte Gefühle entwickeln oder ihr Handeln durchgängig verstehen konnte.

Zum Ende hin steigerte sich der Spannungslevel plötzlich enorm. Konzentriert nahm ich die jeweiligen Wendungen in mich auf, konnte nach einem spannenden Finale diese Geschichte beruhigt ausklingen lassen.
„Gated - Die letzten 12 Tage“ zeigt schonungslos Umstände auf, durch die Menschen in neue Bahnen gelenkt werden, die auf den ersten Blick als undenkbar erscheinen. Nüchtern und offen erzählt hielten die Menschen in Mandrodage Meadows konstant einen beträchtlichen Sicherheitsabstand zu mir aufrecht. Für meine Erlebnisse in dieser für mich abstrakten Gemeinschaft vergebe ich an dieser Stelle sehr gute 3 Bücher.

Alle, die sich in Gemeinschaften und deren Ziele hineindenken können, Charaktere und Handlungen nicht hinterfragen müssen und Rückschläge verkraften können, sollten zu diesem Buch greifen. Fans von Charakterbeeinflussungen werden hier ein neues Spielfeld finden.



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Kommentare:

  1. Huhu,
    das klingt sehr spannend. Ich schau mir zuhause mal die Leseprobe an :)
    Liebe Grüße
    Jenny
    (http://jennys-bookworld.blogspot.de)

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    1. Huhu Jenny,

      man kann es auf jeden Fall gelesen haben! Viel Spaß mit dem Buch, wenn es dann soweit ist :-)

      LG

      Kay

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  2. Ich habe auch grade meine Rezension zu dem Buch veröffentlicht, ich habe es so geliebt! Das es eine Dystopie ist, habe ich auch erst gedacht und schon wirklich oft gelesen. Den Klappentext hätte man besser ausarbeiten können, finde ich :p
    Schade, dass du mit Lyla nicht so ganz warm werden konntest, ich hatte da zum Glück gar keine Probleme mit. Ich konnte sie absolut nachvollziehen :D

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    1. Hi Laura,

      sie hatte es letztendlich ja auch nicht so leicht in ihrer Welt. Da kann ich ihr Misstrauen mir gegenüber nachvollziehen ;-) Freut mich auf jeden Fall, dass es dir so gut gefallen hat :-)

      LG

      Kay

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  3. "Gated" ist schon längst auf meiner WL. Es muss ja nicht immer eine Dystopie sein, aber bei dem Cover und Titel habe ich auch zuerst daran gedacht.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hallo Nicole,

      einen Versuch ist das Buch definitiv wert! So kann man auch mal so richtig hinter "die Maske" einer Sekte schauen und manche Gedankengänge dahinter erfahren. Viel Spaß mit der Geschichte :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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  4. Ups, das hat jetzt doch schlechter abgeschnitten als ich mir erhofft habe. Runter von der Wunschliste!
    Vielen Dank für deine Buchbesprechung!
    LG

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  5. Huhu,

    wer weiß, vielleicht gefällt es dir doch besser als mir ;-)

    Liebe Grüße

    Kay

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    1. Nein ich glaube nicht, denn ihr habt oft genug einen guten Riecher für Geschichten bewiesen :-)
      LG

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  6. Dankeschön :-) Das ist echt ein großes Lob! Freu mich richtig!

    LG, Kay

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  7. Huhu liebster Kay,

    auch wenn ich deine Meinung ja schon so weit kannte, war ich trotzdem sehr gespannt auf deine Rezension. Ich habe "Gated" von meiner WuLi gelöscht, es gibt so viele Bücher, die ich unbedingt lesen will, da "muss" ich ein von dir bewertetes 3-Sterne Buch nicht unbedingt lesen.

    Liebste Grüße und Küsschen, Ally

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  8. Huhu Ally,

    ich will dir keinesfalls die Lust auf die Geschichte nehmen...Wer weiß, vielleicht würde es dein neues Lieblingsbuch? Aber du hast recht, es gibt so viele Bücher, die gelesen werden wollen :-)

    Ein ganz dickes Küsschen <3

    Kay

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Steffi & Kay