Donnerstag, 4. September 2014

♂ Wild Cards - Das Spiel der Spiele (George R. R. Martin Hsrg.) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
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„Die Verletzung an der empfindlichsten Stelle des menschlichen Körpers hatte wieder einmal Wunder gewirkt. Schlaff sank der verwundete Arm an der Seite des Asses hinab.“
(S.25)

„Im Fauchen der knisternden Flammen war von draußen das Kreischen eines Babys zu hören. Es war ein durchdringender Laut, der die Anspannung auf eine neue Ebene hob.“
(S.58)

„Wir haben das ganze Land durchkämmt nach neuen Assen, nach mächtigen Fähigkeiten und nach Menschen, die das Zeug dazu haben, die Welt zu verändern. Willkommen bei American Hero!“
(S.83)
Die Welt hat sich tiefgreifend verändert, seit das Wild-Card-Virus nach dem zweiten Weltkrieg grassiert und Menschen mutieren lässt. Es ist ein wahres Glücksspiel. Neben normalen Menschen gibt es nun auch Joker und Asse. Während die Joker lediglich körperliche Veränderungen aufweisen, entwickeln die Asse Superkräfte. Genau das richtige Material für eine Fernsehshow – American Hero wurde geboren. Jedes Ass hat sein eigenes Talent, mal mehr, mal weniger nützlich. Zu welchen Taten sie fähig sind, können die Asse nun im Wettbewerb demonstrieren. Der Kampf der Asse beginnt!

Die angespannte politische Lage in Ägypten ist derweil kaum eine Schlagzeile wert. Alle Welt konzentriert sich auf die Show der neuen Stars. Doch wie lange kann der Völkermord unbeachtet bleiben? Die Schatten des Krieges werden immer länger.
Bereits als ich das erste Mal von „Wild Cards“ gehört hatte, war ich sehr neugierig geworden. Die Geschichte hörte sich für mich nach einer faszinierenden Idee an. Unbedingt wollte ich mir eine Meinung bilden. Von George R. R. Martin hatte ich schon das eine oder andere Buch gelesen und wusste deshalb, dass mir sein Schreibstil sehr liegen würde. Nun hielt ich „Wild Cards“ endlich in den Händen und los ging es!

Vorweg möchte ich erwähnen, dass es sich bei „Wild Cards“ um das Gesamtwerk mehrerer Autoren handelt. Hier ist natürlich auch George R. R. Martin mit von der Partie. Insgesamt greifen hier jedoch Handlungsstränge und Stile aus unterschiedlichen Federn ineinander. Dies sei nur zur Vervollständigung vorangestellt.

Gleich zu Beginn erhielt ich die notwendigen Informationen, um die erschaffene Welt in Grundzügen verstehen zu können. Natürlich gehörte bereits hier ein gewisses Maß an Akzeptanz der Rahmenbedingungen dazu, doch dies fiel mir wirklich nicht schwer.

Von Beginn an fühlte ich mich an die Geschichte gebunden. Fasziniert von der Vielfalt der Charaktere mit unterschiedlichsten Eigenschaften wurde ich nahezu an die Seiten gekettet. Das Buch aus der Hand zu legen, war fast unmöglich.

Ich war als Leser in jeder Szene hautnah dabei. Erlebte bereits bei den Auditions zur Show ein ganzes Spektrum an Emotionen. Auch wenn die Talente der Asse, die letztendlich den entscheidenden Einzug in die Show geschafft haben, nicht gleich auf den ersten Blick entsprechenden Nutzen versprachen, ließ ich mich im weiteren Verlauf der Geschichte vom Gegenteil überzeugen. Fast wähnte ich mich beim Lesen in eine Reality-Show versetzt, so nah war ich am jeweiligen Geschehen.

Die Charaktere wurden sehr vorstellbar beschrieben, es war eine nachvollziehbare Struktur erkennbar. Aufgrund der Vielzahl der handelnden Personen war ich mitunter kurz vor dem Verlust meines Überblickes, konnte jedoch immer zurück in die Geschichte finden.

Beispielhaft für die gut beschriebenen Charaktere möchte ich hier Jonathan Hive nennen, der sich in einen Wespenschwarm verwandeln kann. Was wie eine nicht unbedingt nutzbare Eigenschaft anmutet, wird von Jonathan zusehends wirksam und zielführend eingesetzt. Auch wenn er dieses Talent nicht ausschließlich zu eigenen Zwecken einsetzt. Jonathan ist ein definitiver Teamplayer, so manche Marotte kann man ihm verzeihen. Eigentlich hat er ein großes Ziel. Und daran hält er fest und gibt dafür alles. Erwähnenswert finde ich Jonathans wirklich gelungene Beiträge im Blogformat, die der Geschichte insgesamt nochmals ein gewisses Etwas verleihen.

Doch ich fand auch an Earth Witch, Curveball, Drummer Boy und all den anderen Gefallen, die mich mit ihren Eigenarten und Talenten in ihren Bann ziehen konnten. Reale menschliche Eigenschaften, und auch Schwächen, verliehen den Überfliegern ein großes Maß an Authentizität.

Was das ganze Geschehen mit den angedeuteten Entwicklungen in Ägypten zu tun haben könnte, will ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Hier möchte ich an die Leseneugier aller Leserinnen und Leser appellieren und keine Informationen vorausschicken. Nehmt die Herausforderung an und findet es heraus!

Die Geschichte selbst wird vorrangig in Vergangenheitsform aus der Sicht unterschiedlicher Charaktere erzählt, wobei sich die Zeitform dem jeweiligen Verlauf entsprechend anpasst. Natürlich gab es auch die ein oder andere Durststrecke, die sich jedoch meist innerhalb kurzer Zeit überwinden ließ. Im Großen und Ganzen fühlte ich mich gut unterhalten, akzeptierte so manche Wendung, die die Geschichte vorankommen ließ und konzentrierte mich einfach nur auf den Eindruck der Handlung.

Das Zusammenwirken unterschiedlicher Autoren verleiht der Geschichte einen besonderen Reiz und lässt sie in ihrer Gesamtheit stimmig erscheinen. Die verschiedenen Handlungsstränge finden zielstrebig zueinander und es folgt Zug um Zug so manche Erklärung. Oftmals gelang es der Autorencrew zudem, mich mit der einen oder anderen eingebauten Information tatsächlich zu verblüffen. Ebenfalls fehlt es nicht an einer gewissen Portion Gesellschafts- und Publicitykritik, die stetig zwischen den Zeilen zu finden ist.

Das Ende ist definitiv ein anderes, als man zu Beginn der Geschichte erwartet, dennoch sehr gut entwickelt und zielsicher durchdacht. Hier erwartete mich ein wahrhafter Show-Down, der letztendlich in einem Cliffhanger mündet. Nach diesem teils nervenaufreibendem ersten Teil fühle ich mich definitiv dazu genötigt, sobald wie möglich nach der Fortsetzung zu greifen!
Eine nicht ganz alltägliche Geschichte, die ihren Charme mit steigender Seitenzahl vervielfacht, gewürzt mit spannender Handlung und gut inszenierten Charakteren. All dies trifft auf „Wild Cards“ zu. Spannende Lesestunden belohne ich deshalb mit sehr guten 4 Büchern.

Für alle, denen das Außergewöhnliche nicht genug ist, extreme Belastungen verkraften und in gut durchdachten Realitäten versinken können.
Wild Cards (Wild Cards, #1)  
Aces High (Wild Cards, #2)   
Jokers Wild (Wild Cards, #3)
Aces Abroad (Wild Cards, #4)
Down and Dirty (Wild Cards, #5)
Ace in the Hole (Wild Cards, #6)
Dead Man's Hand (Wild Cards, #7)
One-Eyed Jacks (Wild Cards, #8)
Jokertown Shuffle (Wild Cards, #9)
Double Solitaire (Wild Cards, #10)
Dealer's Choice (Wild Cards, #11)
Turn of the Cards (Wild Cards, #12)
Card Sharks (Wild Cards, #13)
Marked Cards (Wild Cards, #14)
by George R.R. Martin (Editor)
Black Trump (Wild Cards, #15)
Deuces Down (Wild Cards, #16)
by George R.R. Martin (Editor)
Death Draws Five (Wild Cards, #17)
Inside Straight (Wild Cards, #18)
Busted Flush (Wild Cards, #19)
Suicide Kings (Wild Cards, #20)
Fort Freak (Wild Cards, #21)
Lowball (Wild Cards, #22)



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Kommentare:

  1. Hallo Kay,

    ich stand dem Buch von Beginn an sehr skeptisch gegenüber - ein Roman der aus aufeinander aufbauenden Kurzgeschichten besteht, funktioniert das? Offensichtlich tut es das, was mich neugierig macht. Die 21 noch folgenden Teile schrecken mich dann aber wieder extrem ab, ich wusste noch gar nicht, dass die Reihe SO lang ist. Ich bin leider überhaupt kein Fan von Endlosreihen und gebe dann immer irgendwann mittendrin auf. ;)

    Liebe Grüße, Hanna

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    1. Hallo Hanna,

      ja, das ist dann Lesestoff für die nächsten Jahre ;-) Ich wollte mir zumindest erstmal ein Bild machen. Und da es mir wirklich gut gefallen hat, kann ich mir gut vorstellen, dass ich weiterlese :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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    2. Liebe Hanna,
      soweit ich das verstanden habe, steht jeder Band für sich. Zwar kommen die Charaktere auch mal übergreifend vor, doch an sich kann man jeden Band einzeln lesen.
      Dies zeigt auch das unser Band 1 im Englischen Band 18 ist.
      LG Chia

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  2. Buhuuuuuuuuu - schon wieder ist mein Kommentar gefressen worden! :(

    Schöne Rezi, lieber Kay!
    Ich wollte das Buch nicht als Rezi-Ex haben, weil ich gerade einfach einen großen SuB habe. Und dann war es plötzlich in meinem Briefkasten. :)
    Schön, dass dir das Buch so gut gefallen hat. Ich hoffe dann also, dass ich auch bald dazu kommen werde.

    Liebste Grüße,
    SaCre

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    1. Huhu Sabrina,

      unser Blog scheint deine Kommentare zu mögen, wenn sie immer gefressen werden ;-)

      Trau dich ruhig ran. Das Setting ist wirklich gut und die Geschichte nicht 0815. Dazu dann noch diese schönen Schreibstile und heraus kommt wirklich toller Lesespaß :-) Bin dann auf deine Meinung gespannt!

      Liebe Grüße

      Kay

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  3. Oh gott... 22 Teile?! What the hell...
    ich glaube das überlege ich mir nochmal gut... soviel Geduld hab ich nicht xD
    Aber eine schöne Rezi ;)

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    1. Hi Jessy,

      du lässt dich sonst nicht so schnell abschrecken :-P Aber die Anzahl der Teile kann schon abschrecken...und, dankeschön :-)

      Liebe Grüße

      Kay

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  4. Nein, das ist glaube ich nichts für mich. Dabei habe ich schon so viel Gutes darüber gehört. Doch das mit den Kurzgeschichten reizt mich einfach nicht. Und dann noch eine Endlosreihe, lieber nicht! Hoffentlich bleibe ich standhaft ..
    Danke für die Rezi!

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    1. ...es lohnt sich definitiv, zumindest mal zu testen. Gib der Neugier nach und genieße die Geschichte :-)

      LG

      Kay

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  5. Hey
    eine schöne Rezension :) Ich werde das Buch auch ganz schnell lesen. Hier liegen tut es nämlich schon :)
    Aber 22 Teile??? Was?! Krass :D Naja, aber wenn es sich lohnt, warum nicht.

    Liebe Grüße
    Lena

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    1. Hallo Lena,

      die Einstellung finde ich gut :-) Wünsche schonmal viel Spaß mit der Geschichte :D

      Liebe Grüße

      Kay

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Liebe Grüße

Steffi & Kay