Donnerstag, 7. August 2014

♂ Die Zwerge (Markus Heitz) [Rezension]

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„Lange schwarze Haare peitschten über das Antlitz; einige Strähnen klebten auf der nassen, fast weißen Haut und wirkten wie Risse auf den Zügen eines kunstvoll gearbeiteten Elbenabbildes aus edelstem Marmor.“
(S.87)

„Alles, was er wahrnahm, war das laute Knistern der Flammen, das Knacken des brennenden Holzes und das Rumpeln der einstürzenden Dächer und Häuser. Im Dorf lebte niemand mehr.“
(S.108)

„Die einzigen Laute, die sie sonst noch vernahmen, waren das Knistern und Rascheln des verdorrten Laubs unter ihren Stiefelsohlen. Von den vielen Tieren fehlte jede Spur, kein einziger Vogel wagte es mehr, die Stimme zum Gesang zu erheben.“
(S.181)
Gewaltige Steinflügel in Fels gehauen versperren monströsen Gestalten den Weg und schützen das Geborgene Land. Doch die Grenze bröckelt und das Böse findet seinen Weg. Das Tote Land streckt mit seinen Kreaturen die Finger nach den friedliebenden Völkern aus. Und die Gefahr wächst und wächst.

Tungdil, ein Zwerg, der unter Menschen aufgewachsen und dessen Herkunft ungewiss ist, erhält von seinem Magus einen Auftrag. Er soll zum Schwarzjoch reisen und etwas überbringen. Doch die Reise verändert sich ungeahnt und stellt Tungdil vor große Herausforderungen. Plötzlich liegt das Schicksal des Geborgenen Landes in seinen Händen. Von dem großen Verrat ahnt er lange nichts; doch er stellt sich der Herausforderung.
Vor High-Fantasy-Geschichten habe ich einen ziemlichen Respekt. Es lässt sich für mich immer schwer vorher einschätzen, ob die Handlung tatsächlich etwas für mich sein könnte, oder ich mich irgendwann festlese und nicht mehr von der Stelle komme. Insofern war „Die Zwerge“, die Geschichte wollte ich aus gegebenem Anlass wirklich gern lesen, ein weiteres Experiment für mich. Das Buch fand durch eine Verquickung glücklicher Umstände den Weg zu mir. Allein durch die Optik rief es den unnachgiebigen Wunsch in mir wach, endlich gelesen zu werden. Es wollte förmlich in das Regal der gelesenen Werke umgesiedelt werden und nicht länger in der Warteschlange stehen. Und diesem Ruf konnte ich nun nicht mehr widerstehen.

Skeptisch wie ich bei diesem Genre bin, las ich vorsichtig in die ersten Seiten hinein. Bereits hier fand ich den Schreibstil recht ansprechend und lesefördernd. Insofern war die erste Hürde überwunden. Ich wurde mit Regeln aus unterschiedlichsten Quellen vertraut gemacht, wie sich der Umgang mit Zwergen gestalten sollte, ohne in die Gefahr feindschaftlicher Verwicklungen zu geraten. Sofort war mir klar, dass ich mich besser daran halten sollte. Und ich fuhr gut damit!

Hatte ich anfangs noch den leisen Eindruck, dass ich von den unterschiedlichsten Charakteren übermannt werden könnte, schloss ich zusehends Freundschaft mit den meisten der wirklich sehr unterschiedlichen Wesen. Ich erlebte einen unglaublichen Stolz und eine Durchhaltekraft der physisch kleinen Bewohner dieser Welt im Gegensatz zum Zerstörungswillen der Kreaturen Tions. Die Bedrohung für das Geborgene Land wächst fühlbar stetig; mit steigender Seitenzahl spürt man diese förmlich in den Fingern, mit denen man das Buch hält. Die Geschichte ist extrem nah am Leser geschrieben und man fiebert mit. Ob man will oder nicht. Der Bann der beschriebenen Handlungen hatte mich irgendwann richtig im Griff.

Markus Heitz versteht es, geschickte Spannungsbögen zu knüpfen, dabei immer wieder Verschnaufpausen einzubauen, die man auch tatsächlich notwendig hat. Ich fühlte mich nie durch die Seiten gehetzt. Ich konnte jedes Detail der Handlung genießen, verlor dabei jedoch nie das große Ganze aus den Augen.

Der Autor verwendet für seine Darbietung der Handlung die Vergangenheitsform. Intelligent eingebaute Perspektivwechsel gestatteten mir jederzeit einen 360 Grad Blick. So konnte ich die Geschichte aus allen Richtungen beleuchten und war immer sehr nah am Geschehen, wusste mitunter sogar mehr als die beteiligten Personen selbst, was mir teilweise einen kleinen Vorsprung verlieh. Hierdurch konnte ich das Gesamtwerk eindeutig noch mehr genießen. Markus Heitz hat hier wirklich nicht an fantastischen Wesen gespart. Ich machte Bekanntschaft mit Orks und Ogern auf der einen, mit Zwergen und Elben auf der anderen Seite. Verziert wurde das Ganze dann noch mit der Steigerungsform der Elben, oder besser gesagt mit ihrem bösen Spiegelbild – den Albae. Eine wirklich gelungene Mischung!

Auch die Charaktere gestaltete Markus Heitz sehr vorstellbar. Man fühlte entweder sofort Sympathie oder auch Missfallen. Die gewählte Mixtur unterschiedlicher Schwächen und Stärken führt zu einer gelungenen Darstellung verschiedenster Handlungen. Ich wurde durchgehend mitgenommen, genoss den beschreibenden, dabei nicht überbordenden Erzählstil. Humorvolle bis sarkastisch angehauchte Zwergendialoge steigerten darüber hinaus mein Leseerlebnis.

Der Protagonist Tungdil durchläuft im Fortlauf der Geschichte spürbar einige Stadien der Reife. Bemerkt man anfangs noch deutlich Phasen der Verunsicherung gewinnt er mehr und mehr an Selbstvertrauen und entwickelt sich zu einem Anführer. Ein Anführer, der stets das Wohl der ihm Folgendem im Blick hat und dafür auch sein Leben opfern würde. Jederzeit konnte ich mich in seine Lage versetzen, litt mit ihm oder jubelte. Mit Tungdil ist dem Autor ein sehr authentischer, wenn auch nicht wirklich realer, eben ein fantastischer Charakter gelungen.

Kleinere Spannungslöcher konnte ich durchaus verzeihen, weil diese durch regelrechte Explosionen mehr als nur aufgefüllt wurden. Und trotz der permanent existenten Gefahr fühlte ich immer wieder Hoffnung wie ein Wetterleuchten am Horizont.

Zum Ende der Geschichte hin treibt Markus Heitz die Dramatik fast ins Unendliche. Nach einer sprichwörtlichen Supernova bringt der Autor sein Werk zu einem für mich wirklich befriedigendem Ende und lässt mich neugierig auf die Fortsetzung zurück.
„Die Zwerge“ ist ein verheißungsvoller Auftakt einer Reihe, die süchtig machen könnte. Gelungene Handlungen, intelligente Handlungsstränge bis hin zu authentischen Charakteren ließen mich die Geschichte so genießen, dass ich hier ruhigen Gewissens 5 Bücher vergeben kann.

Für alle Liebhaber, die sich dem Guten verschrieben haben, blutrünstige Gemetzel vertragen können, dabei so manche Niederlage verkraften, dennoch nie das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren. Alle, die mit dem High-Fantasy-Genre liebäugeln, sollten einen Versuch wagen; für Fans des Genres ein Must-Read!
1. Die Zwerge
2. Der Krieg der Zwerge
3. Die Rache der Zwerge
4. Das Schicksal der Zwerge
5. Der Triumph der Zwerge (Frühjahr 2015)





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Kommentare:

  1. Endlich bist du zu einem meiner absoluten Lieblingsromanen gekommen und es freut mich natürlich, dass dir der Roman dann auch noch so gut gefallen hat! :) Nächstes Jahr kommt irgendwann Band 5 auf den Markt, hast also noch etwas nachzuholen ;)
    Auf jeden Fall ist die Rezi wie immer sehr gelungen und trifft durchaus meine Meinung :)

    LG und viel Spaß bei "Zwerge live" morgen Abend.
    Philip

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  2. Hallo Philip,

    ja, ich hatte richtig viel Spaß mit der Geschichte! Und auf das Zwergenspektakel morgen Abend freuen wir uns auch schon riesig. "Die Zwerge" wird nicht das einzige Buch des Autors für mich bleiben :-) Dankeschön :D

    LG

    Kay

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  3. Hallo Kay, tolle und bildlich geschriebene Rezi! Dank eurem Beitrag über die Veranstaltung am 08.08. in Kaltenberg hatte ich mir das Buch bzw. das Hörbuch (bin auch so ein Skeptiker :) ) näher angeschaut, aber kurzer Hand bei Audible heruntergeladen. Zur Zeit höre ich es im Auto - wie Steffi - und bin begeistert und ja es macht süchtig, bin wieder im "Herr der Ringe" Fieber. Kann die Reihe auch nur empfehlen und wünsche euch viel Spaß morgen bei der Aufführung ich beneide euch darum, lg Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      ich bin von den Seiten irgendwie nicht mehr weggekommen. Die Dialoge und der Zwergenhumor ist aber auch einfach nur göttlich :D Bin echt froh, dass das Buch zu uns gefunden hat! Auf die Veranstaltung freue ich mich auch schon. Das wird bestimmt HAMMER! Wir werden ja berichten :-)

      LG

      Kay

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    2. Ja, die Dialoge zwischen den Zwergen ist genial. Beim Hörbuch bin ich gerade an der Stelle mit den beiden Brüdern, dem Käse und Tungdil ! Ich hab mich im Auto bald kaputt gelacht und ich glaube die Bücher muß ich mir holen!

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    3. Kann ich mir wirklich bildlich vorstellen :D Die Reihe werde ich wahrscheinlich auch weiter lesen!

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  4. Das ist so ein typisches Buch, das ich wahrscheinlich nie lesen werde :D
    Zu viel Fantasy für mich, vermute ich ;D

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    1. Huhu Binzi,

      ja, das habe ich auch mal gesagt *lach* Aber du siehst ja, wie es gekommen ist ;-)

      LG

      Kay

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    2. So geht es mir auch manchmal :D Aber hier ... puuuuh :D Sag niemals nie ... aber ... nee :P

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    3. ...ich warte mal ab und schreib dann bei dir nen Kommentar mit nem Zwinker-Smiley, wenn es doch so weit gekommen ist :D

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  5. Tolle Rezi Kay Schatz <3

    Ich bin ja so gar kein Zwergen-Fan also ist das Buch eher nichts für mich, ich freue mich aber, dass es dir so gut gefallen hat :) Morgen Abend wird sicher super.

    Dickes Küsschen, Ally

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  6. Hach, Ally-Maus <3,

    du weißt ja, dass ich kaum HF lese. Aber hier war ich wirklich begeistert. Vielleicht solltest du es doch mal probieren ;-)

    Ganz dickes Küsschen zurück

    Kay

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  7. Hi, sehr schöne Rezi. :)
    Ich lese selbst gerne mal High Fantasy und gerade die Zwerge-Reihe von Markus Heitz gehört da zu meinen absoluten Favoriten. Ich kann Band 5 kaum erwarten. *-*
    Wünsche dir ein schönes Wochenende. :)

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  8. Hallo Annie,

    bisher habe ich nur den ersten Teil gelesen. Aber wie man sieht, wurde ich infiziert :-) Bis zum Erscheinen von Teil 5 habe ich also noch etwas Lesestoff vor mir. Und, dankeschön :D

    Wünsche dir auch ein schönes Wochenende :-)

    LG

    Kay

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  9. Huhu Kay,
    als ich deine Rezi geleseb habe sind mir sofort bildfetzten hochgekommen und ich bin zum Regal gelaufen. Denn ich wollte wissen wie lange dieses Buch schon bei mir steht (fast 11 Jahre).
    Schön, dass es dich auch so begesitert hat.
    Was ich jetzt mit Erschrecken feststelle, dass es noch einen Teil gibt. Band 4 fand ich schon nicht so gut wie anderen. Für mich hätte es eine Trilogie bleiben können.
    LG Chia ( Melanie)

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    1. Ich gebe dir absulut Recht, der vierte Band hat mir auch überhaubt nicht gefallen. Die Bände zwei und drei waren zwar nicht so gut wie der Erste aber denn noch lesenswert. Nun habe ich gerade den fünften Band ausgelesen und muss sagen, dass Markus Heitz zu seiner alten Form zurück gefunden hat.

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    2. Bin eigentlich schon richtig gespannt auf Teil 3 und 4. Dann muss ich meine Erwartungen wohl etwas kürzen. Aber wenn dann ein gelungener fünfter Teil auf mich wartet, lohnt es sich bestimmt, durchzuhalten :-) LG, Kay

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  10. Huhu Melanie,

    ich bin total unschlüssig, ob ich tatsächlich weiterlesen werde. Der erste Band war halt wirklich sehr gut; nicht, dass ich bei der Fortsetzung enttäuscht werde. Markus Heitz schreibt gerade tatsächlich am 5. Band der Reihe. Reizen würde es mich insgesamt ja schon. Mal sehen :-)

    LG

    Kay

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Liebe Grüße

Steffi & Kay