Samstag, 26. Juli 2014

♂ Stigmata - Nichts bleibt verborgen (Beatrix Gurian) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
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„Ich war nur noch ein atmender Haufen von Haut und Knochen, und das war auch gut so.“
(S.17)

„Das Leben ist ein Sterben. Es sind die vielen kleinen Tode, die dem Leben einen Sinn geben.“
(S.46)

„Ich höre ein merkwürdig rasselndes Geräusch, irgendetwas zwischen einem Wimmern und Röcheln, und in dem Moment, als ich registriere, dass es von mir kommt, wird mir schwarz vor Augen.“
(S.76)
Nach dem Unfalltod ihrer Mutter gibt sich Emma die Schuld. Wie undankbar sie doch gewesen war. Emma zieht sich total von der Welt zurück und resigniert. Doch dann bekommt sie dieses Fotoalbum zugeschickt. Dem Album ist eine Nachricht beigelegt. Um die Mörder ihrer Mutter zu entdecken, soll sie sich zu einem Camp der Transnational Youth Foundation anmelden. In Emma wächst die Hoffnung. Ist ihre Mutter womöglich gar nicht tot?

Im Camp trifft sie auf drei weitere Jugendliche. Und jeder scheint ein Geheimnis in sich zu tragen. Doch auch bei den Betreuern kann man sich nicht sicher sein. Plötzlich geschehen seltsame Dinge. Emma befindet sich in großer Gefahr.
In letzter Zeit habe ich einige sehr positive Meinungen über „Stigmata“ gelesen. So langsam wurde ich wirklich neugierig auf die Geschichte. Und irgendwie hatte das Buch dann tatsächlich zu mir gefunden. Es war also so eine Art Vorhersehung. Natürlich habe ich mich auch sofort in die Seiten gestürzt.

Gleich zu Beginn traf ich auf eine ziemlich traumatisierte Emma. Erst kürzlich ist ihre Mutter bei einem Unfall gestorben. Und kurz vorher hatte sich Emma noch mit ihrer Mutter gestritten. Seit dem Unfall hat sich Emma zurückgezogen. Sie lässt niemanden an sich ran, kommt nicht aus der Wohnung heraus. Zu groß sind ihre Selbstvorwürfe und Selbstzweifel. Emma ist total am Boden.

Von der ersten Seite an fühlte ich mich in dieser Geschichte wirklich gut aufgehoben. Ich fand hier bereits am Beginn einen guten Mix an Erfolgszutaten für einen guten Plot. Ich erlebte eine bedauernswerte Protagonistin, die nicht mehr weiter weiß, kurz darauf plötzlich doch noch Hoffnung schöpfen kann. Und schon ging es mit Tempo in dieses eigenartige Camp. Gleich nach dem Ankommen konnte man spüren, dass hier wahrscheinlich etwas nicht stimmt. Und dieses Etwas musste gewaltig groß sein. Insofern fühlte ich zwischen den Zeilen immer einen gewissen Nervenkitzel, der mich nicht mehr von den Seiten ließ.

Emma ist definitiv eine Protagonistin, an deren Seite ich mich wohlfühlte und ihre Erlebnisse genießen konnte. Sie zeigt Mut, kann Zusammenhänge begreifen und hält an ihren gradlinigen Entscheidungen fest, ohne sich beirren zu lassen. Emma geht ihren Weg, konsequent und kompromisslos. Sie ist ein Charakter, wie man ihn einfach lieben muss. Ihre teilweise wider aller menschlichen Instinkte wirkenden Handlungen konnte ich letztendlich akzeptieren, weil sie die Geschichte immer wieder voranbrachten.

Beatrix Gurian vermittelt ihre Geschichte in unterschiedlichen Handlungssträngen. Auf der einen Seite haben wir hier die Hauptgeschichte, die mir in Ich-Perspektive in Gegenwartsform von Emma präsentiert wurde. Flankiert wird das Ganze von zwei weiteren Sichtweisen, die mir einerseits die unmittelbare Zeit vor dem Camp-Aufenthalt, andererseits eine Zeit, die in großem Zusammenhang mit den jetzigen Geschehnissen steht und bereits Jahrzehnte zurückliegt, näherbrachten. Doch alles läuft zielgerichtet aufeinander zu. Alles ergibt einen Sinn. Das letztendliche Ergebnis ließ mich die teilweise konstruiert wirkenden Handlungsstränge nahezu ausblenden.

Mit den Charakteren hat die Autorin einen guten Mix geschafft. Hier fand ich sämtliche Persönlichkeiten wieder, die mir auch tagtäglich begegnen und entsprechende Gefühle auslösen. Die Gefühle insgesamt spielen in dieser Geschichte ihre eigene Melodie. Ich war hin- und hergerissen, traute und misstraute so manchem Charakter, um am Ende doch die Wahrheit erkennen zu können. Beatrix Gurian tat ihr Übriges dazu, indem sie mich das ein oder andere Mal auf falsche Fährten lockte.

Über den Seiten waberte konstant eine ganz besondere, einschüchternde und beklemmende Atmosphäre, die mir nur selten eine Unterbrechung gestattete. Jeder Fortschritt in der Geschichte vergrößerte meine Neugier; meine Sucht vergrößerte sich proportional zu den gelesenen Seiten. Untermauert wurde das Ganze noch von geschickt inszenierten eingebauten Fotos, die den Reiz des Gelesenen steigerten.

Beatrix Gurian bringt ihre Geschichte mit vielen Kehrtwendungen nach einem dramatischen Finale beruhigt zu einem erkenntnisreichen Ende, nach dem ich das Buch nun lesebefriedigt schließen kann.  
„Stigmata“ bescherte mir einige Stunden mit erhöhtem Herzschlag aufgrund der unvorhersehbaren und spannenden Handlungen. Traue niemandem und doch jedem, bleib deiner selbst treu und lass dich niemals beirren. Diese Erkenntnis nehme ich aus „Stigmata“ für mich mit und vergebe für dieses schöne Leseerlebnis sehr gute 4 Bücher.

Für alle, die Gänsehauterlebnisse lieben, geschickt eingebaute Ablenkungsmanöver verkraften und Handlungen der Protagonisten immer unterstützen können.




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Kommentare:

  1. Freut mich Kay, dass es dir gefallen hat! Mir gings mit der Spannung und dem Herzschlag genauso ;) Ein bisschen einfach fand ich das Ende an sich gehalten, aber ich dachte mir schon fast, dass es kaum eine Erklärung geben wird, die den absoluten "Wow-Effekt" hat.

    Liebe Grüße,
    Tina

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  2. Hallo Tina,

    ja, aber zumindest wahr es ja schon nachvollziehbar. Auch auf die Atmosphäre im Buch konnte ich mich gut einlassen. Insgesamt habe ich es wirklich gern gelesen :-)

    Liebe Grüße


    Kay

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    1. ...die Autokorrektur treibt mich irgendwann noch in den Wahnsinn...Natürlich WAR es nachvollziehbar...;-)

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  3. Ich fand das Buch auch so sau gut :D Wäre da nicht "zu viel" Religion drin gewesen, hätte es wahrscheinlich meine Höchstwertung bekommen :D Tolle Rezension!!!

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  4. Danke, Tanja <3 Stimmt, die Religion hat mir auch zu schaffen gemacht ;-)

    Liebe Grüße


    Kay

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  5. Das klingt ja wirklich nach dem perfekten Buch für dich Kay-Schatz <3.
    Es hört sich auch definitiv sehr interessant und spannend an, im Hinterkopf behalte ich es dank deiner tollen Rezension auf jeden Fall.

    Dickes Küsschen, Ally

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  6. Huhu Ally,

    ich glaube, der Stoff könnte dir schon gefallen. Und danke, <3-chen :-)

    Dickes Küsschen zurück

    Kay

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  7. ich habe das Buch gestern in einem Rutsch gelesen und war hin und weg vom Buch. Mir erging es stellenweise wie dir, ich fand zum Beispiel, dass die Fotos, die das ganze untermalten, vereinzelt etwas gruselig, das muss ich zugeben. Aber es ist so ein geniales Buch! Mir hat der Schreibstil total gut gefallen und auch die Idee die dahinter steckte. Übrigens sehr schöne Rezi :)

    Alles Liebe, Caterina

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Steffi & Kay