Dienstag, 24. Juni 2014

♂ Das Leben, das uns bleibt (Susan Beth Pfeffer) [Rezension]

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„Kein Jahr, seit Hunger, Dunkelheit und Tod zum Alltag geworden sind. Und trotzdem konnte ich mich schon nicht mehr erinnern, wie die Welt – die Welt, wie ich sie kannte – ausgesehen hat.“
(S.8)

„Und ich weiß – mit einer kalten, grausamen Sicherheit -, dass auch wir irgendwann, irgendwo so enden werden: auf einem Leichenberg, der in den sonnenlosen Himmel aufragt.“
(S.50)

„Uns allen tat es leid. Das können wir offenbar am besten: Dinge tun, die wir hinterher bereuen.“
(S.83)
Das Leben für Miranda und ihre Familie geht dank der Lebensmittellieferungen weiter. Einfach ist das Überleben dennoch nicht. Der Hunger ist ein stetiger Wegbegleiter geworden. Und plötzlich stoppen diese wichtigen Lieferungen. In ihren Köpfen macht sich Verzweiflung breit. Ihre schlimmsten Albträume scheinen wahr zu werden.
Doch zum Glück gibt es eine Lösung. Fürs erste werden sie nicht verhungern.


Eine überraschende Begegnung stellt sie vor neue Probleme. Im ersten Moment überwiegt die Freude. Doch wie lange werden die Vorräte noch reichen? 
Nachdem ich vom zweiten Teil der Reihe, „Die Verlorenen von New York“, nur eingeschränkt überzeugt war, wollte ich das weitere Geschehen dennoch nicht verpassen.

Kaum hatte ich die ersten Seiten gelesen, konnte ich mein Glück kaum fassen, denn ich befand mich wieder an der Seite von Miranda. Miranda, dieses starke und intelligente Mädchen, das mich schon im ersten Teil der Reihe auf ihre Seite gezogen hatte. Eigentlich konnte gar nichts mehr schiefgehen, oder doch?

Sofort konnte ich wieder diese Entbehrungen, diesen unbedingten Überlebenswillen spüren. Die verbliebene Familie hält zusammen, zum Wohl der anderen wird untereinander sogar auf Essen verzichtet. Ich fühlte mich wieder hineingesaugt in diese trostlose Welt und erlitt so manches Ungemach mit den Charakteren.

Im weiteren Verlauf lernte ich weitere Charaktere kennen, die der Geschichte einen etwas anderen Verlauf bescherten. Im ersten Moment von dieser Entwicklung überrascht, konnte ich mich dennoch gut damit anfreunden. Doch Susan Beth Pfeffer wollte spürbar mehr. Die Autorin ließ die Handlungsstränge ihrer Vorbände zusammenfließen.

Dieser Schachzug schien mir einerseits konsequent, andererseits sollten die Charaktere aus meiner Sicht in ein Raster gepresst werden, das einfach nicht vollständig zueinander passte. Natürlich ergaben sich durch diesen Schritt unzählige neue Gestaltungsmöglichkeiten. Letztendlich gelang es der Autorin, allein aufgrund der vorherrschenden Rahmenbedingungen, die Beziehungen der handelnden Personen zueinander erkennbar abzurunden und zum Großteil glaubhaft zu gestalten.

Miranda hat nach wie vor ihren eigenen Kopf. Sie ordnet sich meist zum Wohl aller ein, doch als Gefühle, die sie nicht genau zuordnen kann, dazukommen, verwischen sich ihre Gedankengänge. Sie übernimmt im Endeffekt die Aufgabe, die jemand anderem zugeteilt gewesen wäre. Kann sie mit dieser Schuld weiterleben?

Susan Beth Pfeffer erzählt ihre Geschichte gewohnt nüchtern, verzichtet auf tiefgreifende Details und überließ die Gedanken zum Umfeld oftmals mir selbst. Grundsätzlich finde ich dieses Vorgehen auch gut. Manche Entscheidungen der Charaktere wurden so von mir jedoch wahrscheinlich nicht völlig richtig interpretiert und es entstand in mir beim Lesen so manche Unsicherheit.

Für die Erzählung selbst nutzte die Autorin die Vergangenheitsform aus der Ich-Perspektive von Miranda. Abgerundet wird das Ganze durch die gewählte Tagebuchform, die dem Ganzen noch etwas mehr Drive hinzufügte.


Das Ende der Geschichte ist einerseits schockierend, andererseits stellt es mich fürs erste doch recht zufrieden. Eine schwere Schuld mit sich zu tragen, sei sie noch so uneigennützig entstanden, ist sicherlich nicht leicht.
„Das Leben das uns bleibt“ führt die bisherigen Handlungsstränge zusammen und verknüpft diese auf eine der Geschichte eigenen Art. Die Hoffnungslosigkeit überwiegt, doch an Aufgeben denkt niemand. Die Stunden der Entbehrung und des Überlebenswillens an der Seite von Miranda belohne ich mit guten 3 Büchern.


Für alle Fans nüchtern erzählter Weltuntergangsszenarien, die die Hoffnung nie aufgeben und mit den Charakteren leiden können.
1. Die Welt wie wir sie kannten (Rezension)
2. Die Verlorenen von New York (Rezension)
3. Das Leben das uns bleibt
4. Originaltitel: The Shade of the Moon



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Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezi, wie immer :))

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  2. Ich habe letzte Nacht "Die Welt wie wir sie kannten" beendet und fand es wirklich klasse! Von mir gibs 5 Sterne, weil ich es einfach richtig super fand, es ging mir nicht zu langsam oder war zu "unspannend" - ich fands für die Situation realistisch und genau richtig.
    Aber jetzt hab ich grad bei deinen Rezis gesehen, dass du Band 2 und 3 nicht mehr so toll fandest. :( Und dass es erst in Band 3 wieder um Miranda geht. Meinst du, ich kann Band 2 einfach auslassen? Und direkt nach der 1 in 3 weiterlesen??
    LG, Anja

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  3. Hallo Anja,

    Teil 2 enthält einen Handlungsstrang, der in Teil 3 zumindest nochmal Hintergründe erklärt. Theoretisch könnte man es aber schon überspringen...

    LG

    Kay

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Steffi & Kay