Montag, 7. April 2014

♀ Incarceron (Catherine Fisher) [Rezension]

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„Es war von Anfang an entschieden worden, dass das Wissen darum, wo sich Incarceron befindet, nur dem Hüter alleine zustehen sollte. Alle Verbrecher, Unerwünschte, politische Extremisten, Verkommene und Geisteskranke wurden dort hingeschafft. Das Tor wurde vor dem Beginn des Experiments versiegelt. Alles entscheidend war, dass nichts die feine Balance des Programms von Incarceron stören sollte. Das Gefängnis selbst würde für alles Sorge tragen: Ausbildung, ausgewogene Kost, körperliche Ertüchtigung, seelisches Wohlergehen und sinnvolle Arbeit. Ein Paradies wurde erschaffen.“
(S. 76)
Vor langer Zeit wurde Incarceron erschaffen. Ein Gefängnis, das dazu gedacht war, den Abschaum der Menschheit zu verbannen – für immer.
70 Sapienti ließen sich freiwillig mit einsperren, um die Geschicke der Insassen zu lenken, die vom Gefängnis selbst nicht gesteuert werden konnten.
Die Türe wurde versiegelt, seitdem ist niemand hinzugekommen. Incarceron lässt neue Insassen wachsen, recycelt Verstorbene, ersetzt fehlende biologische Masse durch Metall.
Es konnte auch nie jemand diesem Gefängnis entfliehen. Die Legende von Sapphique behauptet jedoch etwas anderes.

Finn hat „Visionen“ von einem Leben „Außerhalb“. Sein Eidbruder Keiro tut dies als Hirngespinste ab, nicht jedoch der Sapient Gildas, der Finn für den „Sternenseher“ hält, jenen legendären Insassen, der auf den Spuren Sapphiques wandeln und diesem Gefängnis entkommen kann.

Claudia führt ein luxuriöses Leben auf dem Lande, weit abseits des Hofes der Königin. Als Tochter des Hüters hat sie vielerlei Verpflichtungen, ist stets ans Protokoll gebunden, das besagt, dass jeglicher Fortschritt verboten ist.

Ganz äragetreu wie ihr ganzes Leben wurde sie dem Sohn der Königin versprochen. Doch Claudia forscht lieber nach dem Verbleib ihres ehemaligen Verlobten, der auf seltsame Weise den Tod gefunden hat.
Der Klappentext von „Incarceron“ machte mich unglaublich neugierig und so konnte das Buch nicht lange ungelesen im Regal stehenbleiben.

Der Einstieg gleicht einem Feuerwerk an Eindrücken und ich wurde ohne jegliches Wissen durch die Seiten gezogen. Namen, Orte, Hierarchien, eine Masse an Informationen, die sich zunächst zu keinem Bild verbinden wollten.

Einerseits lernte ich Finn kennen, er gehört zum Abschaum und ist der Lockvogel für einen Überfall auf die Civitas. Seine vermeintliche Retterin erkennt eine Tätowierung auf seinem Handgelenk. Grund genug, sie als „Bezahlung“ einzufordern. Denn Finn hat seltsame „Visionen“, Erinnerungen, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen. Erinnerungen an ein Leben außerhalb Incarcerons, dem Gefängnis, das alle Insassen überwacht und bestraft. Finn findet einen Hinweis, der scheinbar beweist, dass er „Außerhalb“ geboren wurde. Und er will dorthin zurück.

Kurz darauf lernte ich Claudia kennen, die das scheinbar gegenteilige Leben lebt. Mitten in weiten Ländereien, in einem Haus, das den Eindruck eines königlichen Landsitzes einer längst vergessenen Zeit macht. Ihr Vater, der „Hüter“ Incarcerons, der ihr kurzerhand mitteilt, dass ihre Hochzeit mit Caspar, dem Earl von Steen, schon in wenigen Tagen vollzogen werden soll. Claudia ist diesem Arrangement mehr als abgeneigt, selbst wenn sie dadurch zur zukünftigen Königin wird. Viel zu sehr schwebt ein „mysteriöser Unfall“ über dem Ganzen: Ihr ursprünglicher Verlobter ist unter besonderen Umständen ums Leben gekommen und Claudia ist gewillt, mehr darüber herauszufinden.
Ihre einzige Chance besteht in dem Arbeitszimmer ihres Vaters, zu dem sie sich bislang keinen Zutritt verschaffen konnte.

Dort findet sie auch den Schlüssel – in ihm die Stimme eines Insassen von Incarceron. Finn, der sie um Hilfe bittet. Hilfe, um der den Legenden nach perfekten Welt von Incarceron zu entkommen.

Die Welt, in die mich Catherine Fisher geworfen hat, war sehr komplex. Die Struktur innerhalb des Gefängnisses war eine faszinierend ungewöhnliche Mischung aus Mittelalter und High-Tech, eine hypermoderne „Überwachung“ durch die Augen Incarcerons. Gruppenbildung, Bandenkriege, Raub und zwielichtiger Handel liegen an der Tagesordnung. Nur dass hier niemand den Himmel jemals zu Gesicht bekommen hat. Der Lebenszyklus wird von Incarceron bestimmt. Lichtan entspricht unserem Morgen.

Außerhalb fand ich eine Welt zu Zeiten der großen Könige vor, offensichtlich jedoch täuschte mich der erste Eindruck. Denn Technik und Fortschritt wurde lediglich verboten und liegen höchstens unter dem Deckmantel der Äratreue verborgen. Dennoch ist sie vorhanden. Hologramme, Scanner, mobile Helfer wie Entschlüsselungsgeräte stehen in starkem Kontrast zu den ausladenden Kleidern und dem Wams, die für die Bewohner Pflicht sind.

Diese faszinierende Weltenmischung konnte mich schnell fesseln. Ich folgte den beiden Protagonisten, getrennt voneinander und doch mit dem anderen durch den „Schlüssel“ verbunden. Seite für Seite offenbarten sich mir neue Geheimnisse, neue Intrigen, während Claudia einerseits den Zugang und Finn den Ausgang von Incarceron sucht. Ich folgte den Spuren eines Komplotts und versuchte begierig Details über das „Wesen Incarceron“ herauszufinden. Je tiefer ich danach grub, desto schneller wurde ich durch die Seiten getrieben. Eine Offenbarung jagt die nächste und Zweifel schlichen sich ein, die ohne mein Zutun in mir keimten, wie sie auch die Charaktere verfolgten.

Die Autorin beschreibt ihre Welten sehr detailreich, was diese Andersartigkeit auf perfekte Weise zum Ausdruck bringt. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, hat man sich an die vielen speziellen Bezeichnungen und Ausdrücke gewohnt. Der Erzähler schildert die Erlebnisse von Finn und seiner Gruppe innerhalb Incarcerons und das Leben Claudias außerhalb in verschiedenen Handlungssträngen, die sich stetig weiter annähern. Neugierig machende Textauszüge aus den „Legenden von Sapphique“ oder den Texten des alten Königs leiten die Kapitel ein und geben einen Hintergrund für so manche Tat der Charaktere.

Die Spannung stieg im Laufe des Buches konstant an, kleinere Spitzen und das Zittern um die Charaktere heizten meine Stimmung zusätzlich an. Meine Neugier wuchs ins Unermessliche und ich lechzte nach Antworten. Nach einem fantastischen Showdown ließ die Autorin diesen ersten Band zur Ruhe kommen. Vorerst. Zum Glück erscheint die Fortsetzung schon bald.
Mit „Incarceron – Fliehen heißt sterben“ hat Catherine Fisher eine unglaublich komplexe Welt erschaffen, die sich nur auf den zweiten Blick als Zukunftsvision herausstellt. Komplott und Intrigen, Verrat und Machtgier pflastern die Seiten, die von vielschichtigen Charakteren getragen werden. Überraschende Wendungen und unvorstellbare Antworten lassen beinahe über das Infodumping zu Beginn hinwegsehen. 4 Bücher für das Gefängnis „Incarceron“.

Wer Spannung und Intrigen in komplexen Welten mag, sollte unbedingt zu diesem Dilogie-Auftakt greifen. Der Weltentwurf wird euch begeistern können.
1. Incarceron – Fliehen heißt sterben
2. Sapphique – Fliehen heißt leben

(Erscheinungstermin: April 2014)


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Kommentare:

  1. Guten Morgen!
    Sehr schöne Rezi! Ich fand das Buch ja richtig genial, vor allem die Idee, die dahinter steckt ;)
    Ich hoffe ja sehr, dass der zweite Teil genauso gut wird, bin schon sooo gespannt, wie es weitergeht!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Ich auch! Die Idee ist so anders und die Auflösung hätte ich nie erwartet! Genial!

      Dauert ja nicht mehr lange bis Band 2 :-)

      Liebe Grüße

      Steffi

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  2. irgenwieu wollte ich das Buch nie haben und lesen. aber seit kurzem weiß ich annähernd worum es geht und jetzt will ich es auch unbedingt lesen^^
    ich werd mir bestimmt bald kaufen =)

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    1. Bei mir stand es auch ewig auf dem SuB - aber das Entstauben und Lesen hat sich gelohnt :-)

      Und bald kommt das Finale!

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  3. Guten Morgen,

    ich muss es lesen. :) Und ich werde es lesen, die Frage ist nur: Wann ;D

    Lg
    Micha

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    1. Es lohnt sich. Und es könnte dich durchaus auch begeistern, das weiß ich ;-)
      Bald! ;-)

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    2. Seeeehr gut ;-)
      Vielleicht auch was für deine bessere Hälfte. Kay war von meiner Rezi auch sehr angetan :-)

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  4. Eine Dilogie! Das wusste ich ja gar nicht. Den ersten Band werde ich jetzt endlich mal von meiner Wunschliste befreien =)

    LG
    Anja

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    1. So hab ich es mal gehört :-)
      Und "Sapphique" erscheint noch im April :-)

      Liebe Grüße

      Steffi

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  5. Eine richtig tolle Rezension! :)
    Das Buch klingt richtig gut und es kommt sofort auf meine Wunschliste.
    Lg. Jasi ♥

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    1. Danke und den Platz hat es sich verdient... Bald kommt Band 2, dann kannst du die ganze "Reihe" durchlesen! :-)

      liebe Grüße

      Steffi

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  6. Halli hallo

    Das tönt ja wirklich sehr komplex und kompliziert...
    Ich setzte es auf meine Wunschliste aber wohl eher als Tb. ( erscheint im April)

    Liebe Grüsse Bea

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    1. Komplex definitiv! Aber wenn man diese Schichten abträgt... Genial! :-)

      liebe Grüße

      Steffi

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  7. Wow, wieder mal eine geniale Rezension, du machst mich schon wieder so neugierig Süße <3

    Noch subbt das Buch ja bei mir, aber da Band 2 schon so bald erscheint, werde ich es sicher bald lesen.

    Viele Küsse, Ally

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    1. Ich hatte es ja auch ewig auf dem SuB - im Nachhinein bereue ich das :-)

      Liebe Grüße und viele Küsse!

      Steffi

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  8. Ich glaube, das ist eher nichts für mich ;) Danke für die Rezi <3

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    1. Gern geschehen :-)
      Ist sicherlich auch nicht Jedermanns Sache ;-)

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  9. Das subt bei mir auch schon eine Weile. Aber deine Rezi und die Tatsache, dass bald der zweite Teil erscheint, haben mir echt Lust gemacht, es bald mal zu lesen.

    LG Michaela

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    1. Irgendwie subt das bei jedem >.<
      Und das ist wirklich schade :-) Schnell, greif zu! ;-)

      Liebe Grüße

      Steffi

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  10. Das Buch les ich auch grad, für ne Challenge, und bin noch totaaaaal verwirrt :D Aber bin auch erst im dritten Kapitel und ja zum Glück vorgewarnt von deiner Rezi ;)

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    1. Viel Spaß noch - es wird SOOO gut :-) Vielleicht manchmal etwas "durchgeknallt", aber echt überraschend.

      Liebe Grüße

      Steffi

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    2. Durchgeknallt? Okaaayyy.... ich hoffe nur, nicht schon zuuu durchgeknallt für mich :D Naja, ich lasse mich überraschen.

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    3. Nein, nein! Mehr oder weniger fand ich nur eine Stelle etwas "strange" - alles andere wäre mir auch schnell zu viel geworden :-)

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    4. Na dann bin ich ja beruhigt :)

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  11. Mensch das hab ich komplett übersehen, ich liebäugele schon eine ganze Weile mit diesem Buch, obwohl ich ja oft ein Problem mit zu viel Komplexität habe, dennoch reizt mich dieses Buch, aus welchem Grund auch immer TOTAL!!! Deine tolle Rezi bestärkt mich darin echt noch. Es klingt einfach so anders und dann noch ein wenig durchgeknallt...perfekt. Ich denke ich werde es mir wirklich kaufen. xD DANKE für deine wundervolle Rezi mein Steffilein!! <3

    Küsschen :*

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    1. Danke für das Lob, liebste Becca. Mich hat es ja auch aus irgendeinem Grund angezogen, den ich nicht näher bezeichnen konnte... Aber es hat sich gelohnt und demnächst muss dann wohl "Sapphique" bei mir einziehen.
      Bin gespannt, was du vom Gefängnis zu berichten hast :-)

      Viele Küsse zurück.

      Steffi

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Liebe Grüße

Steffi & Kay