Freitag, 21. März 2014

♀ Das Herz von Jandur (Mara Lang) [Rezension]

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„Im Herz von Jandur. Das ist eine riesige Höhle in den Steinernen Gängen des Erythgebirges. Dort entspringt der Quell des Lebens, ehe er in Eznar an die Oberfläche tritt.“
(Pos. 715/4914)

„Wer ist Tolkien“, fragte Lith. „Dein Freund?“
Jetzt stimmten auch die Eltern in Matteos Lachen ein. „Nein, J. R. R. Tolkien war ein Schriftsteller“, erklärte Brizio. „Er hat Bücher über eine Fantasy-Welt geschrieben, die deiner ähnlich ist.“
„Vielleicht war er ja mal in Jandur“, meinte Lith.
(Pos. 728/4914)
Über ein Jahr ist seit Matteos Rückkehr in unsere Welt vergangen. Er hatte geglaubt, er würde in seinem eigenen Körper ankommen, wie Lith ihm versichert hatte. Das war jedoch nicht der Fall. Denn sein Körper, Matteos Körper, war kurz nach seinem Aufbruch nach Jandur gestorben. Nun steckt er in Khors Körper, besitzt einen Puls, sieht etwas anders aus und versucht mit ganzem Herzen, das neu begonnene Leben mit seinen Eltern zu genießen.
Doch etwas zieht ihn nach Jandur, Matteo fühlt sich gespalten.

Der Kontakt zur anderen Welt lässt aber nicht mehr lange auf sich warten. Zuerst wird Matteo von einem sehr seltsamen Mann an seinem Grab angesprochen, dann wird er von ein paar Russen verfolgt. Das kann nur eines bedeuten: Dylora hat ihn gefunden. 
Mit dem „Puls von Jandur“ konnte mich Mara Lang absolut positiv überraschen und so hoffte ich, dass es bald weitergehen würde.
Der Einstieg in den Dilogie-Abschluss „Das Herz von Jandur“ gelang ausgesprochen einfach, obwohl in der Zwischenzeit einiges passiert ist. Matteos Körper ist damals, kurz nachdem er ihn verlassen hatte, gestorben und wurde begraben. In Khors Körper besitzt er keine echte Identität. Seine Familie musste mit ihm umziehen, er musste auf eine neue Schule, was nur mithilfe der „unsauberen“ Kontakte seiner Mutter möglich war. Das Schlimmste ist aber: Matteo sehnt sich nach Jandur. Egal, wie sehr er versucht hat, sein Leben zu leben, es funktionierte mit seinem zerrissenen Herzen nicht.
Als Matteo eines Abends von seltsamen Typen verfolgt wird, und er sich mit dem Puls retten muss, ist schnell Lith zur Stelle – doch ihr wurde die Weltenspirale weggenommen, als sie abreiste – so ist eine Rückkehr nach Jandur unmöglich, oder? Es gibt eine weitere Weltenspirale, von der Matteo weiß. Die von Sebastján, des Arztes aus Kirasa, der ursprünglich aus München gekommen war und in Jandur bleiben musste. Doch auf was die beiden stoßen, ist eine Verschwörung der Extraklasse.

Mara Lang konnte ihren Weltentwurf konsequent fortführen. In kurzen Erzählungen schildert sie, was seit dem letzten Kampf in Jandur geschehen ist. Dass Dylora moderne Waffen aus der Splitterwelt benutzt, Lord Nador sich nicht mehr lange behaupten können wird. Nur der Lichtpuls und die Prophezeiung können ihn retten. So werden beiläufig auch die Ereignisse aus Teil 1 wieder gegenwärtig und man kann sich als Leser direkt in die Geschichte saugen lassen.
Das erste Drittel spielt dieses Mal in der Splitterwelt, auf der Suche nach der Weltenspirale und dem Aufdecken der Machenschaften von Kaiserin Dylora, die weit über die Grenzen ihres Reiches hinaus arbeitet. Nach wie vor will sie sämtliche Macht an sich reißen, hat Bündnispartner in der realen Welt und ein zuträgliches Geschäft, das auf den Geschöpfen Jandurs basiert.

Mir hat dieser Ausflug in die „Realität“ sehr gut gefallen, zu welchen Dingen Dylora und ihre Handlanger fähig sind. Dennoch habe auch ich mich nach Jandur gesehnt und war froh, als ich durch Matteos Augen einen Blick auf Lev-Chi erhaschen konnte.
Die Geschichte wird weiterhin von einem personalen Erzähler aus der Sicht von Matteo geschildert. So erfährt der Leser von seinen Emotionen und dem inneren Zwiespalt, in dem er sich befindet, sowie von seinen Gefühlen für Lith.
Die Autorin geht noch weiter in die Tiefe, gibt Antworten auf die Fragen, die in Band 1 unerwidert blieben. Mara Lang bleibt ihrem leichten und flüssigen Schreibstil treu, lockert die Düsternis und ernstere Atmosphäre dieses zweiten Teils mit den humorvollen und schlagfertigen Gedanken von Matteo auf. Dennoch verzichtet sie nicht auf tiefgehende Emotionen und ernstere Themen. Der Leser muss sich auch auf den Verlust des ein oder anderen Buchcharakters einstellen.

Mein Interesse am Ausgang der Geschichte war nahezu von der ersten Seite an spürbar. Die Spannung stieg konsequent an, verlor sich zwischendurch jedoch immer wieder, als ich kleinere Längen verspürte. Mara Lang liefert ihren Lesern einen magischen Showdown inklusive der Erfüllung einer alten Prophezeiung, die sich jedoch ganz anders äußerte als geplant. Anschließend lässt sie die Dilogie ruhig und mit einem melancholischen Ton, der das Glück einläutet, ausklingen.
Mein zweiter Ausflug, direkt ins „Herz von Jandur“, bot erneut Spannung, viele Geschöpfe, starke Charaktere und große Emotionen. Die wenige Längen trübten meinen Lesespaß kaum. Mara Langs Schreibstil tat sein übriges und so konnte ich die Reise absolut genießen. Sehr gute 4 Bücher für Matteo und Lith.

Wer auf der Suche nach High Fantasy in jugendgerechter Verpackung ist, einer Mischung der Welten nicht abgeneigt ist und wissen will, woher Tolkien die Inspiration zu Mittelerde hatte, sollte unbedingt zu „Jandur“ greifen.
1. Der Puls von Jandur (Rezension)
2. Das Herz von Jandur



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Kommentare:

  1. Danke für die schöne Rezension :) High Fantasy ist ja eher nicht so meins, deswegen kommt dieses Buch nicht auf meine Wunschliste :)

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    1. Meins ja auch nicht - umso überraschter war ich ja von Band 1. Alles, was mich an HF "stört" (die ausufernden Beschreibungen, ...) gibt es bei Mara Lang nicht :-)
      Es liest sich wie Urban Fantasy, also solltest du mal Luft haben, musst du dir den "Puls von Jandur" genauer anschauen :-)

      Liebe Grüße

      Steffi

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Steffi & Kay