Mittwoch, 5. Februar 2014

♂ Memento 02 - Die Feuerblume (Julianna Baggott) [Rezension]

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„Es ist still. Viel zu still. Die Nervosität ist zu spüren, wie eine gespannte Feder.“
(S.21)

„Flatternde Schneewehen fallen vom Himmel, driften durch die dunklen Bäume, legen sich aufs Unterholz und die verkrümmten Wipfel. Im Herbst ist vielen Ästen ein dickes Fell gewachsen.“
(S.35)

„Die Stadt rottet vor sich hin – der scharfe Gestank des Todes, der widerliche, süßliche Geruch der gärenden Leichen, der Duft des Fleisches, das an Spießen brät.“
(S.76/77)
Die Gruppe rund um Pressia hat sich geteilt. Bei einem möglichen Angriff durch die Spezialkräfte des Kapitols gehen sie so auf Nummer sicher, nicht alle gleichzeitig gefangen genommen zu werden.
Pressia und Bradwell befinden sich gemeinsam mit El Capitan und seinem Bruder Helmud im OSR-Hauptquartier. El Capitan ist hier nun der Oberbefehlshaber. Lyda und Partridge, in dessen Besitz sich die Ampullen mit dem Heilstoff befinden, haben Schutz bei den Müttern gefunden. Nur eine Formel fehlt noch, um die Wirkung des Mittels kontrollierbar zu machen. Doch auch vor den Müttern hält er die Ampullen geheim.

Plötzlich taucht wie aus dem Nichts Wilda auf. Wilda wurde im Kapitol gereinigt und mit einer Botschaft an die Überlebenden programmiert. Das Kapitol will „seinen Sohn“ zurück und droht mit ernsten Konsequenzen.

Neben dieser Gefahr formt sich eine andere Angst in Pressia. Hat Ellery Willux, Partridges Vater und Machthaber im Kapitol, die fehlende Formel für das Heilmittel gegen die Schnelle Zelldegeneration etwa bereits gefunden? Ein tödlicher Wettlauf beginnt…
Vor kurzem habe ich „Memento – Die Überlebenden“ gelesen und fand die Idee der Geschichte richtig gut. Eine vielversprechende Basis mit enormem Potential wurde mit dem ersten Teil durch Julianna Baggott bereits bereitet. Natürlich durfte die Fortsetzung, nachdem diese bei mir eingezogen war, nicht lange im Regal versauern. Recht schnell griff ich also zu „Memento – Die Feuerblume“.

Genau wie beim ersten Band, fiel mir der Einstieg in „Die Feuerblume“ doch recht schwer. Obwohl nicht viel Zeit zwischen beiden Bänden für mich vergangen war, musste ich mich doch erst wieder an den doch recht eigenwilligen Stil an sich gewöhnen. Natürlich war ich nicht mehr geschockt von Verschmelzungen und Co.. Dennoch konnte ich lange Zeit nicht überblicken oder erahnen, in welche Richtung mich Julianna Baggott denn überhaupt führen wollte. Es fühlte sich für mich auf den ersten Seiten also alles ein wenig zäh und einfallslos an.

Langsam war ich am Rande der Verzweiflung angekommen und insgeheim dachte ich schon daran, das Buch vielleicht doch auf später zu verschieben. Doch dann gelangte ich an diesen gewissen Punkt, der mit einem Paukenschlag die Wende einleitete.

Ab hier wurde ich wieder Stück für Stück an beiden Armen in die Geschichte hineingezogen, die Autorin überraschte mich förmlich mit allerhand Ideen und nahm mir zunehmend Entspannungsmöglichkeiten. Ich las mich förmlich in einen Rausch und vergaß fast die Welt um mich herum. Die Seiten rasten an mir vorbei, ich fand kein Halten mehr. Schade, dass ich dieses Gefühl nicht von Anfang an genießen durfte. Doch dieser rasante, spannende und atemberaubende Fortgang hat mich dafür nahezu entschädigt.

Beindruckend fand ich in diesem Teil die Entwicklung von Partridge. Hatte er, wie in diesem Teil auch, zwar bereits im ersten Band immer wieder aus seiner Sicht erzählt, machte er in der Fortsetzung einen deutlich gereiften Eindruck. Seine Entscheidungen trifft er mit Bedacht, er hat gelernt, seine Wut zu zügeln und steht zu seinem Wort. Doch dann steht er vor einer großen Entscheidung. Einer Entscheidung, die sein Leben schlagartig verändern könnte. Und diese Veränderung würde große Macht mit sich bringen. Es ist schwer für ihn, sich dieser Versuchung zu widersetzen. Lügen, Intrigen und falsche Realitäten tragen zu enormen Irritationen seinerseits bei. Wird er letztendlich den richtigen Weg beschreiten?

Pressia wächst über sich hinaus. Nach wie vor wird sie zeitweise von Selbstzweifeln geplagt, aber sie geht an die Grenze des Möglichen. Doch wäre da nicht diese Verlockung, die sie die ganze Zeit schleichend umgibt. Es ist schier unmöglich für Pressia, diese Möglichkeit nicht zu nutzen. Wie lange kann sie standhaft bleiben?
Nach wie vor fühlt sie sich zu Bradwell hingezogen, die Umstände lassen sie jedoch zu dem Entschluss kommen, dass Liebe in dieser Welt keine Option ist. Aber wie soll man seinen Gefühlen trotzen? Dann bekommt Pressia ein Geständnis aus ungeahnter Richtung. Doch die Verwirrung hält nicht lange an. Pressia hat eine Aufgabe. Und die Zeit rennt!

Wiederum wird die Geschichte, wie bereits im ersten Band, aus der Sicht verschiedener Charaktere in Gegenwartsform mit entsprechend eingebauter wörtlicher Rede erzählt. Anfänglich stockend, entwickelte sich der Schreibstil fortlaufend flüssiger bis hin zu einer fesselnden Darbietung. Eindrucksvoll kann Julianna Baggott aufzeigen, dass konzentrierte Machtfülle sowie Wohlhaben und Reichtum weniger Privilegierter oftmals zu Größenwahnsinn und Schizophrenie führen. Beispiele aus dem Geschichtsunterricht sind mir beim Lesen der Geschichte zumindest haufenweise eingefallen.

Nach einem fulminanten Finale lässt mich die Autorin mit diesem Ende ein wenig zwiegespalten zurück. Und das ist auf keinen Fall böse gemeint! Aber wie konnte sie mir das antun? Ich fiebere nun dem letzten Band der Trilogie entgegen!
Zwischen Verzweiflung nach den ersten Seiten der Geschichte bis hin zu spannender Genialität ab einem bestimmten Punkt erlebte ich ein wahres Gefühlschaos. Doch schließlich gelangte ich in einen wahren Leserausch, der mich mitriss und in die Geschichte eintauchen ließ. Die Gesamtheit meiner Emotionen beim Lesen von „Memento – Die Feuerblume“ ergibt für mich eindeutige 4 Bücher.

Für alle Fans gefährlicher Welten, die gradlinig auf diesen bestimmten Punkt zusteuern können, sich dabei von Nichts und Niemanden ablenken lassen und einem wahren Leserausch verfallen können.
1. Memento – Die Überlebenden (Rezension)
2. Memento – Die Feuerblume
3. Memento – Der Neubeginn



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Kommentare:

  1. Da hast du ja wirklich alle Aufs und Abs durchlebt ;) Freut mich zu hören, dass es dich ab einem bestimmten Punkt dann doch noch packen und mitreißen konnte. Seit Erscheinen steht es bei mir im Regal, etwas seltsam, weil ich mich total darauf gefreut habe. Der erste Band hat mit seiner düsteren Atmosphäre und der bedrückenden Welt richtig Eindruck bei mir hinterlassen. Aber die richtige Stimmung hat doch gefehlt, um weiterzumachen.

    Dann mache ich mich mal darauf gefasst, dass der Einstieg ein wenig schwierig wird. Aber es wird wirklich mal Zeit die Reihe weiterzulesen!

    Liebe Grüße,
    Tina

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  2. Hallo Tina,

    der erste Teil hat mich auch nicht wirklich überwältigt. Irgendetwas hat da gefehlt. Das fand ich jetzt in der Fortsetzung auf jeden Fall besser. Vielleicht auch, weil ich nun wusste, was mich nun ungefähr erwartet :-)

    LG

    Kay

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  3. Hi Kay!
    Eine wirklich treffende Rezension - besser hätte ich (und habe ich auch nicht xD) das Buch besprechen können. Da sind wir uns ja mal wieder einig! Freut mich sehr und jetzt können wir gemeinsam auf den dritten Band warten! :D
    LG Jan

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  4. Hi Jan,

    so ganz unschuldig bist du ja nicht, dass ich auf "Memento" gestoßen bin. Hättest du nicht eine so überzeugende Rezension geschrieben, hätte ich die Reihe vielleicht verpasst. Und das wäre ja wirklich schade gewesen! Ja, freuen wir uns gemeinsam auf den dritten Teil :-)

    LG

    Kay

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  5. Ich hab Band 1 seit Kurzem auf dem SuB und bin sehr gespannt darauf, hab es mir für's Wochenende vorgenommen :)

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    1. Hallo Binzi,

      dann bin ich ja mal auf deine Meinung gespannt :-)

      LG

      Kay

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  6. Sehr schöne Rezi :)
    Mich hat das Cover so sehr angesprochen, dass ich es einfach mal zur Wunschliste hinzugefügt habe (wobei ich nicht wusste, worum es da überhaupt geht).

    Liebe Grüße,
    Carly

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  7. Hallo Carly,

    ganz ehrlich. Bevor ich mich richtig mit der Reihe beschäftigt habe, wusste ich auch nicht wirklich, was mich erwartet ;-) Und, dankeschön :D

    LG

    Kay

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  8. Mhhhmmm...ich weiß nicht so recht xD
    Das klingt mir ein wenig zu anstrengend und Jan hat immer gesagt, dass die Schrift auch so mini ist. Denkst du das wäre auch was für mich? :D
    Ich hab es ja auf der Wuli, aber schon überlegt es zu streichen. :/
    Schwerer Einstieg lässt mich nämlich oft in eine Flaute rutschen.

    Wundervoll beschrieben liebstes Kaychen <3 :D

    Becca

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  9. Liebste Becca,

    klare Ansage! Für dich ist es nichts...Kenne ja deinen Geschmack ;-)

    Dankeschön, Herzchen <3

    Ganz liebe Grüße

    Kay

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  10. Hach, Kay :) Man merkt deiner Rezension dein Gefühlschaos zu Beginn richtig an. Für mich ist dieses Buch wohl leider nichts. Deine Rezis lese ich dafür immer gern ;) <3

    Liebe Grüße
    Shanty

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  11. Mhhh, ich bin mir noch nicht so sicher, ob ich das lesen werde. Ich fand den ersten zwar echt gut, aber zum Ende hin wurde er ein wenig meehhhh. Und wenn ich das hier so lese, dann weiß ich nicht, obs was für mich wäre.

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  12. Hallo Amelie,

    ja, ein bisschen speziell sind die Bücher ja schon. Aber jetzt freue ich mich dann wirklich auf Teil 3 :-)

    LG

    Kay

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Steffi & Kay