Donnerstag, 27. Februar 2014

♀ Half Bad 01 - Das Dunkle in mir (Sally Green) [Rezension]

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„Und die körperlichen Dinge, die Gene, deine Gabe, sie sind nicht das, was dich zu einem Schwarzen Hexer macht. Daran musst du glauben. Es ist die Art, wie du denkst und wie du dich benimmst, die zeigt, wer du bist. […] Du wirst eine mächtige Gabe haben – das können wir alle sehen -, aber erst, wie du sie einsetzt, entscheidet, ob du gut oder böse bist.“
(S. 126)
Ich war schon immer anders. Selbst als Baby wollte mich niemand ansehen. Wegen meiner Augen. Meine Augen sind die eines Schwarzen Hexers, die Augen des bösesten Schwarzen Hexers der Welt.
Meine Mutter ist jedoch eine Weiße Hexe, eine der Guten, die dem Rat ergeben sind. Der Rat beobachtet mich von Anfang an, will mich einschätzen und will, dass ich meinen Vater verrate. Aber ich kenne ihn nicht. Wie kann ich über ihn richten, wo es alle über mich tun?

Die anderen urteilen über mich, wenden sich ab, schlagen mich. Doch keiner weiß, ob ich weiß oder schwarz bin. Nicht bevor ich an meinem 17. Geburtstag vom Hexling zum Hexer werde. Aber dafür brauche ich jemand, der mir meine drei Geschenke überreicht. Denn ansonsten werde ich vielleicht sterben.

Ich werde älter, die ersten Merkmale eines schwarzen Hexers machen mir Angst. Aber das Körperliche ist nicht alles, oder?

Der Rat verschärft die Gesetze für solche wie mich, Halbcodes. Ich kann mich nicht daran halten und sie fangen mich, foltern mich, verlangen Unmögliches von mir.
Der Klappentext klingt unglaublich gut, die Filmrechte sollen bereits verkauft sein. Braucht mein Leserherz mehr, als dieses Buch sofort verschlingen zu wollen? Nein.

Geschichten über Hexen und Magie gibt es viele, hier jedoch haben wir es mit einem jungen Hexer zu tun, einem männlichen Protagonisten. Dass „Half Bad“ abgesehen von diesem Fakt noch ganz anders ist, wird sofort beim Lesen der ersten Seiten klar. Ich war bereits vor diesem besonderen Erzählstil vorgewarnt. Es jedoch so zu lesen war doch noch ein Stück ungewöhnlicher als erwartet.
Alleine auf den ersten Seiten (Teil 1) gibt es zahlreiche kurze Kapitel, in denen der Protagonist Nathan den Leser direkt ins Geschehen holt. Zahlreiche Sätze, in denen Nathan anstelle von „ich“ „du“ sagt. („Da sind diese beiden Kinder, Jungen, die nebeneinandersitzen, eingekeilt zwischen den großen Armlehnen eines alten Sessels. Du bist der Linke.“ S. 9)

Ich gebe zu, es war gewöhnungsbedürftig und es fiel mir schwer, mich mit Nathan zu arrangieren. Auf sehr nüchterne, beinahe primitive Art erzählt er von seinem Schicksal als Gefangener, von den Schmerzen, die ihm zugefügt werden, von seinen Fluchtversuchen.
In Teil 2 erzählt er dann von seiner Vergangenheit, wie sehr er schon als Kind gemieden und sogar verabscheut wurde, wie seine Familie ihn hasste, weil er nicht weiß war wie sie, sondern zur Hälfte schwarz. Nathan hätte nie geboren werden sollen, denn sein Vater ist der böseste Schwarze Hexer der Welt. Hat sich seine Mutter wirklich deshalb umgebracht?

Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mit Nathan warmgeworden bin, was vielleicht auch an dem Stil lag. Nathan ist eigentlich sympathisch, will, dass seine weiße Seite die Stärkere ist, will mehr wie sein Bruder Arran sein. Nathan wurde von kaum jemandem freundlich behandelt. Zuhause von seiner eigenen Schwester gedemütigt, in der Schule gemobbt, nur weil er anders ist.
Hier kristallisiert sich der tiefgründige Part des Buches heraus. Nur weil jeder Nathan für anders hält, aufgrund seines Aussehens, seiner Herkunft, wird er schlecht behandelt, gerät so in Prügeleien, wird zu Sozialstunden mit den echten Kleinkriminellen verdonnert. Ein Teufelskreis, der nie gebrochen werden kann. Wieviel ist angeboren, wieviel anerzogen und durch Verhalten von anderen beeinflussbar? Ist man böse, nur weil der Vater böse ist?

Die von Sally Green erschaffene Welt ist sehr gelungen, wenngleich dem Leser nur Randeinblicke in den fantastischen Anteil, der Magie, gestattet werden. Wie beiläufig erfährt man über die „Bekanntmachungen des Beschlusses des Rates der weißen Hexen von England, Schottland und Wales“ Details zu der Organisation des Rates, der Struktur, der sich alle Weißen Hexen unterzuordnen haben. Zu Beginn von Nathans Erzählung werden Halbcodes wie er lediglich vermerkt, später geprüft und danach mit Ausgehverbot belegt. Es gleicht einer Hetzjagd gegen die Andersartigkeit, das Unkontrollierbare.

Der Erzählstil der Autorin ist nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr leicht zu lesen. In kurzen bis sehr kurzen Sätzen schildert sie aus Nathans Ich-Perspektive die Geschehnisse und dessen Gefühle, lässt dabei die Grausamkeiten der Folter nicht außen vor. Passend zu dem etwas naiv-wirkenden oder einfach unbelesenen Protagonisten ist die Sprache einfach, die Sätze kurz und berichtsartig.

Dieser prägnante Stil konnte mich ans Buch fesseln. Ich wollte wissen, wie es mit Nathan weitergeht, konnte niemals erahnen oder vorhersehen, wohin uns unser gemeinsamer Weg führt. Wir durchlitten Höhen und viel mehr Tiefen, gerieten in zahlreiche Konfrontationen und Kämpfe, ehe das Ganze in einem Showdown endete, der alle Nervenenden prickeln ließ. Der Abschluss dieses ersten Bandes ist zufriedenstellend, die Jagd ist aber noch nicht zu Ende.
„Half Bad – Das Dunkle in mir“ war nicht die erwartete Hexengeschichte. Der Fokus lag eindeutig auf dem „Innenleben“ des Protagonisten Nathan, seinen Gefühlen, Erlebnissen, da er ausgeschlossen und aufgrund von Vorurteilen ausgestoßen wird. Nur am Rande erhascht der Leser kleine Einblicke auf den fantastischen Teil von Sally Greens Idee.
Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in diese so andere Erzählweise konnte mich Nathan Seite für Seite mehr in sein Leben und in die Seiten ziehen. Ganz knappe 4 Bücher für den Auftakt „Das Dunkle in mir“.

Für Fans anderer Blickwinkel, atemloser Erzählweisen und erschreckend realer Begebenheiten in einer fantastischen Kulisse, eine absolute Empfehlung. Werft einen Blick in die Leseprobe, um euch mit dem Stil vertraut zu machen.
1. Half Bad – Das Dunkle in mir
2. ?
3. ?


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Kommentare:

  1. nur knappe 4 Bücher .. hm ich hatte irgendwie mehr erwartet. das Buch steht auf meiner Wunschliste für den März, aber du weißt ja, im März dürfen nur die Must-Haves einziehen, wegen Überbevölkerung...
    Irgendwie ist das grad bei mir etwas gesunken.
    Mal sehen was andere so sagen.
    LG, Anja =)

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    1. Es ist sehr speziell - insbesondere am Anfang. Lies mal in die Leselrobe und du wirst es merken :-)

      Liebe Grüße

      Steffi

      Der März ist aber auch heftig...

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  2. Deine >Vorwarnung< schätze ich sehr. Deshalb lese ich manchmal gerne Rezis zu Bücher, die ich noch nicht kenne. Einfach um eine gewisse Erwartungshaltung rauszunehmen.
    Die Meinungen zu "Half Bad" sind so unglaublich verschieden. Ich höre Reaktionen von "wow" bis "nicht mein Fall". Aber das macht mich gerade neugierig auf das Buch und ich erwarte es mit großer Neugierde im März.

    Liebe Grüße
    Sandy

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    1. Bei nicht ganz alltäglichen Büchern gibt es immer diese Schwankungen und man kann auch nie allgemeine Empfehlungen Aussprechen. Es ist speziell, aber wenn man mal drin ist auch wirklich gut :-)

      Liebe Grüße

      Steffi

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  3. Hi,

    hört sich nicht schlecht an, behalt ich mal im Auge. Irgendwie habe ich bei dem Cover aber ein anderes Thema erwartet, weiß auch nicht. xD

    Lg
    Micha

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    1. Und das Cover ist sogar zu nem Teil von Original übernommen... Ist vermutlich die böse Seite :-) Aber nach Fantasy sieht es nicht so ganz aus, da stimme ich dir zu :-)

      Liebe Grüße und einen guten Start ins Wochenende!!!

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  4. Ich hätte gedacht, dass das Buch viel mehr Resonanz hervorruft. Immerhin was das doch der Geheimtipp vom Verlag. Ich verstehe aber immer noch nicht warum die Filmrechte angeblich schon verkauft wurden, obwohl das Buch noch nirgends erschienen war. Was soll das?

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    1. Vielleicht hat die Autorin gute Connections zur Filmbranche und die haben etwas gehört? Ich vermute, die Rechte sind einiges günstiger, wenn ein Buch noch nicht draußen ist, als beispielsweise wenn es DAS HYPE-BUCH wird... Vielleicht "macht man das jetzt so" :-D

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    2. find ich irgendwie total blöde..

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    3. der frühe Vogel fängt den Wurm oder so :D

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    4. der frühe Vogel kann mich mal :D

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  5. Uuuh, Steffili! Das klingt nach einem Buch für mich und deine Rezi hat mir gerade richtig Herzklopfen gemacht. Dass der "Hype" nicht immer etwas über die Qualität aussagt, ist kein Geheimnis (siehe jüngst die Jäger), deswegen ist mir das mal sowas von Wumpe :D Werds gleich listen.
    Sehr, sehr schön geschrieben <3

    Liebe Grüße
    Shanty

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    1. Danke, Shantylein <3
      Lies aber sicherheitshalber die ersten Seiten - nicht dass der große Schock kommt ;-) Aber nach ein paar Kapiteln ist die Du-Geschichte auch vorbei.

      <3

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  6. Speziell ist wirklich. Ich habe auch einige Zeit gebraucht, um mich einzufinden, aber dann... Mich konnte es total fesseln, auch wenn ich etwas ganz anderes erwartet habe. Bin positiv überrascht!

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    1. *noch schnell ein "es" hinterherwirft*

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  7. :-)
    Ja, nach den Anfangsschwierigkeiten und nachdem ich mich eingelebt hatte, war ich auch total überrascht. Endlich mal ganz abseits des Mainstreams :-)

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Liebe Grüße

Steffi & Kay