Montag, 13. Januar 2014

♀ Puerta Oscura 01 - Totenreise (David Lozano Garbala) [Rezension]

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Paris: Pascal und seine Freunde Dominique und Michelle gehen zu einer Halloween-Party. Kurz vor Mitternacht stöbert Pascal auf dem Dachboden in einer alten Truhe nach einem Kostüm. Er steigt in die riesige Kiste und ist plötzlich von Dunkelheit umgeben. Die Truhe wird scheinbar bewegt und wenig später kann Pascal eine der Wände nicht mehr spüren. Dieser „Ausgang“ führt zu einem Ort unglaublicher Weite. Über einen Leuchtpfad gelangt er zu einem Friedhof, wo er von einem Geist erfährt, WO GENAU er gelandet ist. Pascal ist ein Wanderer, von denen es nur alle 100 Jahre einen gibt. Er kann den Zugang zum Reich der Toten finden und immer wieder dorthin gelangen.
Während Pascal wohlbehalten in unsere Welt zurückkehrt, wird Paris in dieser Nacht von einer grausamen Mordserie erschüttert.

Die Wahrsagerin Daphne hat gespürt, dass etwas kommen würde, wusste, dass Pascal eine Reise bevorsteht. Welcher Natur diese sein würde, konnte jedoch keiner erahnen. Als Michelle mit einem dunklen Ritual in die Welt der Toten gebracht wird, gibt es keinen Zweifel mehr: Pascal muss sich der Herausforderung stellen und auf diese gefährliche Mission gehen.
„Puerta Oscura“ stand schon eine ganze Zeit auf meinem SuB und hat mich (auch aufgrund der Ü600-Seiten) nie wirklich „gerufen“.
Als ich mich dann zu den vielen Totenköpfen hingezogen gefühlt habe, gelang mir der Einstieg recht unkompliziert. Ich wurde mit dem Freunde-Trio Pascal, Dominique (männlich!) und Michelle vertraut gemacht. Wenig später ging es dann auch schon „zur Sache“ und Pascal gerät in das Land der Toten, wo er über seine Bestimmung aufgeklärt wird und im Anschluss wieder in unsere Welt zurückkehrt. Natürlich war dies lediglich der Anfang. Denn was ihm bei seiner Reise nicht bewusst war: Als er die Grenze überschritten hat, konnte eine dort sesshafte Seele dies ebenfalls vollbringen. Und diese hält nun die Polizei von Paris auf Trab.
Richtig ernst wird es aber, als Pascals Freundin Michelle von eben jener Gestalt in das Reich der Toten gebracht wird. Und nur der Wanderer zwischen den Welten kann sie retten.

Gleich zu Beginn fiel ein Detail auf, zu dem ich in diesem Buch einfach keinen Zugang fand: Die Erzählweise. Ein allwissender, mit bedeutungsschweren Ausblicken stets präsenter Erzähler führt den Leser durch das Buch. Er wechselte die Szenen oftmals sehr schnell, auch innerhalb der Kapitel und gibt so stets einen Überblick, von dem ich mir aber insgesamt mehr Tiefe gewünscht hätte. So blickte ich nach hier und da, wusste bereits, was „in Wahrheit“ los war, und musste den Ermittlern bei ihren falschen Vermutungen zusehen. Aber auch in ihnen kann mehr stecken, als man auf den ersten Blick vermutet.
So gestaltete sich der Teil in unserer Welt mehr als vorhersehbar, was sich leider auch auf die Welt der Toten, auf die Reise von Pascal zur Rettung Michelles, übertrug.

Die Gestaltung dieser „Hölle“, mit den angedeuteten Höllenkreisen, gefiel mir richtig gut. Das Einflechten von Mythen und historischen Ereignissen erfolgte beiläufig, wurde glaubhaft dargestellt und mit der Welt von „Puerta Oscura“ verknüpft.

Die Charaktere wurden ausreichend beschrieben, durch den vorgenannten Erzählstil konnte ich jedoch keine direkte Beziehung zu ihnen aufbauen. Hinzu kam, dass mir der Protagonist Pascal nicht sympathisch war. Für seine 15 Jahre war er für mich sehr naiv und kindlich und vor allem unwissend, so dass ich manchmal nur den Kopf schütteln konnte. Die schultonähnlichen Erklärungen über Mythologie und geschichtliche Ereignisse wirkten danach oftmals aufgesetzt. Pascal wächst im Laufe der Geschichte über sich hinaus, vollkommen überzeugen konnte er mich jedoch auch dann nicht.

Sein Freund Dominique hingegen war von Beginn an tiefgründiger, wenngleich auch dies sehr „gewollt“ wirkte. Er sitzt im Rollstuhl und trägt ein Schutzschild aus Witz und flotten Sprüchen, um seine Unsicherheit zu verbergen. Sein Humor half mir gut in die Geschichte hinein, bis er diesen aufgrund der Ernsthaftigkeit der Lage gezwungen war, einzuschränken.

So kritisch es sich auch anhört, hatte ich niemals das Gefühl, nicht weiterlesen zu wollen. Es gab zu viele Fragen, die ich mir selbst beantworten musste, wissen wollte, welchen Aufgaben sich Pascal stellen muss und so verfolgte ich fleißig seinen Kampf gegen die Zeit, während im realen Paris eine ganz andere Jagd beginnt.

Der leichtgängige Schreibstil des Autors ließ mich durch die Seiten rasen und ich erfreute mich an jedem neuen Kapitel, dem ein neues Bild von einem Skelett vorangestellt war. So flogen die 600 Seiten im Eiltempo vorüber und ich steuerte dem Showdown entgegen. Die Handlung lässt eine Vermutung über die Fortsetzung zu, schließt vorerst aber ohne fiesen Cliffhanger ab.
„Puerta Oscura – Totenreise“ sorgte trotz seiner Länge für kurzweiligen Lesespaß. Auch wenn der Erzählstil und die Charaktere meinen Gefallen an dem gut entworfenen Setting etwas trübten, konnte ich das Buch durchaus genießen. 3 Bücher für Pascal und seine „Totenreise“.

Wer höllische Geschichten und neue Ideen zur Darstellung der Unterwelt mag, sollte einen Blick riskieren. Wer in dieser Hinsicht jedoch schon einiges erle(bt)sen hat, könnte evtl. enttäuscht werden.
1. Puerta Oscura – Totenreise
2. Puerta Oscura – Totengelächter
3. Puerta Oscura – Totengesang



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Kommentare:

  1. Schade das dir Pascal zu naiv war.
    Ich mochte es wirklich gerne ;)

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    1. Vielleicht kam es einfach zum falschen Zeitpunkt. Sehr schade. :-(

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  2. Schade. Ich habs auch schon auf dem SuB. Wird aber wohl noch ne Weile dauern. Es gibt noch so viel was ich vorher lesen will!

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    1. Lies unbedingt etwas völlig anderes davor! Dann kann es dich vielleicht mehr überzeugen. Aber schlecht war es ja auf keinen Fall :-)

      Liebe Grüße
      Steffi

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    2. Okay danke für den Tipp, den werd ich auf jeden Fall beherzigen!

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  3. Nach deine Rezi spricht mich das Buch jetzt nicht unbedingt an. Aber ist ja auch nicht so, als ob ich nix zu lesen hätte. Dann ist es ganz gut, wenn ein Buch mal nicht direkt auf die Wunschliste wandert ;-)

    LG Michaela

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    1. Freut mich, dass ich auch hier eine Hilfe sein konnte :-)
      Und sollte der Must-Read-Lesestofff ausgehen, ist die Reise in das Reich der Toten zumindest einen Blick wert :-)

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  4. Hey,
    ich habs nach ca. 200 Seiten abgebrochen - es packte mich einfach nicht.
    LG Ela

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    1. Die Idee gefiel mir zu gut, um nicht weiterzulesen... Aber mit dem Stil bin ich einfach auch nicht wirklich warm geworden :-(

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  5. Ich liebäugle schon sehr lange mit dem Buch ... Deiner Rezi zufolge scheint es kein Muss zu sein, ich denke, ich lasse lieber die Finger davon :)

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    1. Ein "wenn der SuB mal abgebaut ist"-Buch ;-)

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  6. Dank deiner Rezension weiß ich, das Buch muss nicht unbedingt gelesen werden ;-)
    Ich werde es mir nicht holen.

    Liebe Grüße
    Vanessa

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    1. Also so von der Optik her lohnt es sich im Regal... aber es gibt viele viele Bücher von Loewe, die genauso toll aussehen und dringender sind ;-)

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  7. Puerta Oscura steht schon seit längerem auf meiner Wuschliste, allerdings haben andere Bücher eine höhere Priorität ^^
    LG Celine

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  8. Hallöchen :)
    Ich habe euch getaggt.
    http://fjolamausis-leseecke.blogspot.de/2014/01/be-room-cliff-tag.html
    Viel Spaß damit! :)
    LG

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Steffi & Kay