Samstag, 4. Januar 2014

♂ The Passage 02 - Die Zwölf (Justin Cronin) [Rezension]

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„In ihren Augen erschienen die Sterne planlos verstreut, als würden sie jede Nacht von Neuem über den Himmel gesät.“
(S. 32)

„Alles war still wie auf einem Schlachtfeld nach einem furchtbaren Gefecht, überflutet von der gnadenlosen Sommersonne.“
(S. 64)

„Es war völlig windstill, als bringe die Luft es nicht über sich, sich zu bewegen. Das einzig Lebende waren die Vögel, Geier und Krähen, die am Himmel kreisten.“
(S. 152)
Der Abwärtsstrudel, in den die Menschheit geraten ist, dreht sich immer schneller. Die letzten Bastionen der menschlichen Rasse drohen zu verschwinden. Das Unheil der Zwölf ist gnadenlos. Ursprünglich zum Nutzen der Menschheit gedacht, droht das missratene Experiment diese nun in aller Konsequenz zu vernichten. Auch die vermeintlichen Nutznießer können sich ihrer Unbezwingbarkeit nicht sicher sein.

Das einzige Heilmittel – Amy – verliert an Stärke. Wie lange kann sie noch widerstehen? Hat sie noch die Kraft, ihren Freunden beizustehen und Schlimmeres zu verhindern? Ein barbarischer Wettkampf beginnt…  
Ich war ja bereits vom ersten Teil der Serie „Der Übergang“ sehr angetan. Keine Frage, dass der zweite Teil, da er ja schließlich schon erschienen war, sofort in mein Regal wandern musste. Natürlich konnte ich das Buch dort nicht lange stehen lassen. Die Komplexität und die gut durchdachten Handlungsstränge hatten es mir ja bereits schon im ersten Teil angetan.

Egal, wie gut ein erster Teil war, irgendwie hat man dann doch eine innere Barriere, wenn das Buch, das man lesen will, eine bestimmte Seitenzahl übersteigt. Auch wenn „Die Zwölf“ hier deutlich hinter seinem Vorgänger hinterherhinkt, muss man doch schon einen gewissen Lesewillen aufbringen, um sich an so ein Werk zu wagen. Doch wer mich kennt, weiß, dass ich Herausforderungen liebe!

Bevor ich jemanden lange auf die Folter spannen will, nehme ich es gleich vorweg. Es hat sich sowas von gelohnt, dieses Buch wirklich nicht im Regal versauern zu lassen!

Hatte ich Bedenken, nicht mehr in die komplexe Handlung des ersten Bandes finden zu können, wurden diese von Justin Cronin eindrucksvoll zerstreut. Er hielt sich nicht mit allgemeinen Rückblicken oder Ähnlichem auf, nein, der Prolog war in Form einer biblischen Chronik aufgebaut, die mir die Ereignisse aus der Vorgeschichte äußerst vorstellbar vor Augen geführt haben. Eine wirklich gut umgesetzte Idee! Sofort war ich damit wieder mitten im Geschehen und musste nicht in halb vergessenen Erinnerungen kramen, um die Handlung zu verstehen.

Und damit hat mich der Autor auch gleich wieder von Beginn an in seine Geschichte ziehen können. Ohne langes Geplänkel legte Justin Cronin, wie es seine Art ist, wieder los und riss mich mit. Ich konnte eintauchen in diese hervorragend erzählte Geschichte, konnte mich verlieren und ein Teil des Ganzen werden.

Mit seinen Charakteren geht der Autor nicht wirklich zimperlich um. Nachdem ich einige Charaktere aus dem ersten Band wirklich ins Herz geschlossen hatte, ließ er einige davon für den weiteren Fortgang der Geschichte einfach sterben. Sang- und klanglos. Sofort war ich somit emotional berührt. Um diese Entwicklungen erstmal verarbeiten zu können, bedurfte es einiger Zeit. Ich versuchte mit steigender Seitenzahl, meine Bindung zu den Charakteren etwas distanzierter zu gestalten, was mir allerdings sehr schwer fiel. Zu gut und nah wurden diese beschrieben. Ich wollte einfach keine tiefere Beziehung aufbauen. Doch meine Versuche scheiterten kläglich.

Nachdem ich mich dann doch wieder einem Charakter sehr verbunden fühlte und auch ein gutes Gefühl hatte, hier wirklich nichts falsch gemacht zu haben, musste ich mich eines Besseren belehren lassen. Zwar musste ich mich von dieser starken Persönlichkeit nicht trennen, sprich, sie blieb am Leben. Aber was sie erleben musste, sprengte dennoch die Grenzen des menschlich Vorstellbaren. Trotzdem gehört mein Herz in diesem zweiten Band eindeutig IHR! Mehr kann ich dazu nicht sagen, ohne zu viel zu verraten.

Justin Cronin ist definitiv ein Meister seines Handwerks. Geschickt bindet er immer wieder neue Charaktere und Handlungen in seine Geschichte ein, deren Verstrickungen meist erst später einen Sinn ergeben, dennoch dermaßen fesselnd beschrieben werden, dass man sich kaum von den Seiten lösen kann.

Amy selbst tritt in diesem Band wiederum eher temporär in Erscheinung. Man bemerkt aber eindeutig eine große Entwicklung in ihr selbst. Einerseits wird sie vom Mädchen nun zur Frau. Andererseits scheint sie immer noch ihre Geheimnisse zu verbergen. Was jedoch für ein Potential in ihr steckt, muss allerdings jeder selbst erfahren. Ihr werdet es nicht bereuen!

Justin Cronin erzählt seine Geschichte wie bereits im ersten Teil in Vergangenheitsform und überlässt dabei verschiedenen Charakteren das Feld. Interessant ist hierbei jedoch, dass der Autor verschiedene Erzählstile nutzt. Bis hin zum ansatzweise auktorialen Erzählstil ist wirklich alles vorhanden. Das ist jedoch nicht alles. Er ließ mich die Geschichte außerdem in verschiedenen Zeiten erleben, sprich, man springt mitunter zwischen verschiedenen Zeiten der Handlung hin und her. Das mag einerseits verwirrend klingen. War es aber nicht, denn hierdurch habe ich die oftmals ersehnten Erklärungen erhalten. Und genau das macht die Reihe auch so interessant. Der Autor experimentiert mit einer Vielzahl von Darreichungsformen, die letztendlich jeden Leser ansprechen könnten.

Justin Cronin ließ mich in seine Welt eintauchen, erzählte mir so vorstellbar und realistisch seine Version, dass ich mich im Nachhinein frage, wie ich zukünftig ohne die mir liebgewonnenen Personen und Landschaften bis zum dritten Band auskommen kann. Dabei hatte ich nie das Gefühl, ausufernden Beschreibungen zu erliegen oder tatsächlich Längen zu verspüren. Alles, jedes einzelne Wort, ergab im weiteren Verlauf einen Sinn. Aus meiner Sicht ist Herrn Cronin hiermit etwas wirklich ganz Großes gelungen!

Nach einem großen Finale klingt die Geschichte vorerst beruhigend aus. Zufrieden mit dem vorläufigen Ende konnte ich das Buch nun schließen und freue mich umso mehr auf den abschließenden Teil dieser Trilogie. Abschließend kann ich nur sagen: Traut euch an dieses seitengewaltige Meisterwerk!
In „Die Zwölf“ erhielt ich Antworten auf viele meiner Fragen, musste erzwungen tatenlos so manche Entwicklung beobachten, fühlte und fieberte mit den Charakteren und hatte mit diesen sowohl komplexen als auch genial durchdachten Handlungen ein riesiges Lesevergnügen. Alles andere als 5 Bücher wäre ein absoluter Frevel an dieser einmaligen Geschichte!

Alle, die kein Blut sehen können, sollten die Finger von dieser Geschichte lassen! Für die anderen, die sich Herausforderungen stellen, Leiden ertragen können und mitgerissen werden wollen, führt kein Weg an dieser Reihe vorbei.
1. Der Übergang (Rezension)
2. Die Zwölf
3. Originaltitel: The City of Mirrors
(voraussichtlicher Erscheinungstermin 2014)




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Kommentare:

  1. Also wenn ich Deine Rezi jetzt lese, frag ich mich echt ob ich es noch mal mit dem ersten Band versuchen sollte.
    Ich habs wirklich abgebrochen weil es mich absolut nicht packte. Sehr weit kam ich damit aber auch nicht.
    Mal sehn, ich lass es einfach mal liegen und vielleicht schnapp ich es mir 2014 doch noch mal :)
    LG Ela

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    1. Hallo Ela,

      wenn man über einem bestimmten Punkt bei dem Buch ist, fängt die Geschichte an, wirklich Sinn zu machen. Einen Versuch wäre es bestimmt nochmal wert. Wenn du viel Zeit und den Kopf für so eine Geschichte frei hast :-)

      LG

      Kay

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  2. So gehts mir grad auch, Ela...konnte mich für Teil 1 nicht begeistern :-/

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    1. Echt? Ich dachte schon ich wäre wirklich die Einzige, weil das Buch ja wirklich überall gehypt wird! Hast Du es denn abgebrochen oder durchgehalten?

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    2. Hallo Ela und Carigos,

      vielleicht kam das Buch bei euch auch zum falschen Zeitpunkt? Auf jeden Fall muss man sich wirklich viel Zeit für die Bücher nehmen und möglichst auch ohne große Unterbrechungen lesen. Ich selbst war erstaunt, wie sich der zugegebener Maßen schwierige Anfang doch in so viele interessante und komplexe Handlungsstränge verzweigt ist, die dann auch noch logisch aufeinander zu geführt haben. Aber man muss Komplexität mögen :-)

      LG

      Kay

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    3. Da ich recht vielseitig lese, glaube ich nicht das es der falsche Zeitpunkt war. Ich kann mich eigentlich immer recht gut auf Geschichten einlassen. Hier kam ich aber einfach nicht an diesen Punkt.
      Mal sehen vielleicht sollte ich es mal als Hörbuch versuchen, falls es das gibt.
      LG Ela

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    4. Hi Ela,

      dann ist das Buch vielleicht wirklich nicht dein "Ding". Durch eine Geschichte durchquälen macht ja auch keinen Spaß. Wie weit bist du denn im ersten Buch gekommen?

      LG

      Kay

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    5. Ich glaub bis S. 100 - ist aber auch schon länger her.:)

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    6. ...ah, also warst du wirklich noch in der absoluten Entstehungsgeschichte mit Amys Mum. Da wurden mehr oder weniger noch die Grundlagen gelegt. Später wird es dann schon spannender ;-)

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  3. Eine tolle Rezi (:
    Ich war sowohl von Band 1 wie 2 absolut begeistert und konnte die Bücher kaum aus der Hand legen und war extrem schnell damit durch obwohl sie doch eine beachtliche Länge haben!
    Ich fand die Wandlung die Amy in diesem Buch durchmacht auch sehr interessant wobei mir in dem Band vorallem der erste Teil gefallen hat - besonders Lila. Ich fand es so verrückt das sie das alles verdrängt hat.
    Ich freu mich schon auf den nächsten Band (:
    Liebe Grüße, Jasi

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  4. Hallo Jasi,

    ja, die Entwicklungen der Charaktere insgesamt hat mich gepackt. Lila, Amy, Alicia...Freue mich total auf den dritten Teil, auch wenn wir da ja noch eine ganze Weile warten müssen...Leider.

    LG

    Kay

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  5. Ich habe "Der Übergang" auch geliebt, war aber ein bisschen enttäuscht von dem zweiten Band. Für mich hat sich der zweite Band ein bisschen gezogen (das war noch irgendwo am Anfang) und in diesem Teil mochte ich die Charaktere auch nicht ganz so doll.
    Aber danach fand ich den zweiten Teil auch wieder total super!:)
    Am Anfang war ich auch schockiert, als es hieß der und diejenige sind gestorben. Ich hätte nicht erwartet, dass Justin Cronin so etwas einfach auslässt.^^
    Eine sehr ausführliche Rezension!:)

    Liebe Grüße,
    Lynn

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  6. Hallo Lynn,

    ich bin ja auch ein bisschen skeptisch an die Reihe gegangen. Zum Glück hielten sich die Längen trotz der hohen Seitenzahl ja wirklich in erträglichen Maßen und nachdem der Autor die Basis für seine Geschichte geschaffen hatte, konnte ich mich kaum noch von den Seiten lösen. Wer waren denn deine Lieblinge aus dem ersten Teil?

    LG

    Kay

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    1. Ja, man denkt kaum, dass es Justin Cronin schafft mit so einer einfachen Handlung eine Trilogie mit drei echt dicken Bänden zu schreiben! (Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass der dritte Teil genauso lang wird;))
      Mhm ... die Charaktere sind alle so toll, aber Peter und Alicia sind echt toll. Amy mochte ich im ersten Teil auch noch, aber im zweiten Teil ist sie mir echt unheimlich geworden O.O
      Carter hat mich von allen der Zwölf am meistens mit seinem Schicksal berührt, da er ja eigentlich nichts dafür kann, dass er da gelandet ist.
      Wie sieht es denn bei dir aus mit Liebelingscharakteren?^^

      Liebe Grüße,
      Lynn

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    2. Hi Lynn,

      im ersten Band war Mausami mein absoluter Lieblingscharakter. Kann aber nicht einmal sagen, warum ;-) Einfach so ein Bauchgefühl. Die Entwicklung von Wolgast fand ich auch richtig klasse! In "Die Zwölf" hing mein Herz irgendwie total an Alicia <3

      Und du hast recht. Amy würde immer undurchschaubarer und unheimlicher. Trotzdem ein toller Charakter :-)

      LG

      Kay

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  7. Das Buch war leider nix für mich, trotzdem tolle Rezi!
    Ich liiiebe diesen Blog - er ist soooooooo hübsch *seufz* da werde ich glatt neidisch :)

    Wir haben euch getagt!
    LG
    summi von schlunzenbuecher.blogspot.de

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  8. Hallo Summi,

    kann ja passieren. Wäre schlimm, wenn allen die gleichen Bücher gefallen würden ;-)

    Und Dankeschön :D

    LG

    Kay

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  9. Ach herrje ich hänge schon wieder tausende von Beiträgen hinterher. :(
    Also erstmal deine Rezi...hach ich werd nicht mehr...wie du das immer machst! :'( Gaaanz ganz toll!!! Es klingt auch unglaublich genial und hat ja auch nicht ganz so viele Seiten wie Teil 1. xD Na ich werde mal irgendwann, wenn ich erfinde, wie man dem Tag mehr Zeit gibt, damit anfangen. :)

    Suuuuuper geniale Rezi mein Kaychen <3

    Liebe Grüße Becca

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  10. Huhu Becca,

    wenn du die Formel für mehr Zeit am Tag gefunden hast, gib mir bitte gleich Bescheid ;-) Danke für die lieben Worte! Du weißt ja aber auch, wie gern ich deine supertoll geschriebenen Rezensionen lese :-)

    Liebste Grüße

    Kay

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  11. Hach, ich habe gerade "Der Übergang" zu einem meiner Jahreshighlights 2013 gekürt und werde fast verrückt, weil das Ende so fies war!!!! Ich muss UNBEDINGT bald "Die Zwölf" lesen!!!

    LG
    Kathi

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  12. Hallo Kathi,

    na dann aber schnell! Es wird dir auch gefallen :-)

    LG

    Kay

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  13. Ich habe gerade die Rezension von dir zu "Die Zwölf" entdeckt und musste schon etwas kichern, weil neben mir meine Freundin sitzt, die - wie wir beide - ein großer Fan vom ersten Teil war. Im Gegensatz zu mir hat sie Teil 2 schon angefangen und nachdem selbst ein Zeitstrahl, den sie sich erstellt hatte, aber der Hälfte des Buches nicht mehr half, liegt es jetzt bei ihr irgendwo im Schrank herum. Ich habe vor Angst vor kleinen Spoilern die Rezension nur überflogen, aber der Teil mit der Seitenzahl brachte uns beide sehr zum Lachen. Mal schauen, wann ich dann endlich die Chance habe, irgendwie an das Buch zu kommen.

    Liebe Grüße,
    Elli

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  14. Hallo Elli,

    ja, ja, die Seitenzahl...;-) Liebe Grüße an euch beide :-)

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Liebe Grüße

Steffi & Kay