Donnerstag, 30. Januar 2014

♀ Die Jäger der Nacht (Andrew Fukuda) [Rezension]

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„Es wäre so leicht. Zu kapitulieren. Sich in der Pause auf das Fußballfeld zu stellen, in den Finger zu stechen und einen Tropfen Blut heraussickern zu lassen. Zu sehen, wie die anderen auf sie zustürzten. Das Ende wäre brutal, aber schnell. Und der Tod bot ein Entkommen aus der unerträglichen Einsamkeit.“
(S. 246)
Nichts ist mehr wie damals, hat mir mein Vater erzählt. Im Stillen, wenn wir uns nicht Hepra, sondern Menschen, nannten.
Von ihm habe ich alles gelernt, ehe er verletzt wurde und mich alleingelassen hat.
Von ihm kenne ich die Regeln: Bleibe unauffällig, zeige keine menschlichen Gefühlsregungen, unterdrücke sie. Passe dich ihnen an, blute NIEMALS, sonst fallen sie innerhalb von Sekunden über dich her.

Jeden Abend rasiere ich mich, verdecke jeglichen Körpergeruch und weiße meine künstlichen Reißzähle, ehe ich zur Schule gehe, in die Dunkelheit, in der alle anderen mehr sehen als ich, während Tageslicht sie verbrennt.

Der große Herrscher verkündet eine Jagd. Alle sind begeistert, wollen in der Lotterie gewinnen und ausgewählt werden. Ich nicht. Und doch ziehe ich das große Los, werde sofort zur Hepra-Station gebracht und auf die Jagd vorbereitet. Ohne die Dinge, die ich für mein Überleben brauche. Ein Mädchen meiner Schule hat ebenfalls die Teilnahme gewonnen. Ich nenne sie im stillen Ashley June.

Nun bin ich hier, ein „Jäger“ unter Jägern. Jeden Moment kann ich entdeckt werden, könnte meine Behaarung, Gänsehaut oder ein Husten mich verraten. Von einem Tropfen Blut ganz zu schweigen.
Nach so vielen verzückten Leserstimmen musste ich ebenfalls zu diesem Buch greifen – und bin immer noch begeistert.

Von der ersten Seite an war ich gebannt von der Atmosphäre. Andrew Fukuda lieferte mir keinerlei Erklärungen, ließ mich im Dunkeln tappen wie es sein Ich-erzählender Protagonist Gene es täglich erlebt. Dieser führt mich in seine Welt ein, als getarntes Schaf zwischen Wölfen, die Beute unter Jägern. Die Gefahr, entdeckt zu werden wird mit jeder Seite präsenter, das Kribbeln steigert sich mit jedem Hinweis über die Andersartigkeit der Menschen. „Sie“ schlafen kopfüber im Hängen, schwitzen nicht, essen rohes Fleisch, gieren nach Blut, sind emotional kontrollierter, drücken alles auf andere Weise aus. Lachen wird in Handgelenk-Kratzen geäußert, Ziel beim Flaschendrehen ist es, mit dem anderen Geschlecht keine Küsse auszutauschen, sondern den Ellbogen in die Achselhöhle des Gegenübers zu bekommen. Und das sind alles nur beiläufige „Regeln“ dieser gut durchdachten Welt.
Mitten im Schock all dieser Beschreibungen und der Angst um Gene platzt der Gewinn in der Lotterie und das Kribbeln wird zu einem Feuer, dem Brennen darauf, weiterzulesen. Wie könnte Gene das nur schaffen?

Ich muss zugeben, dass mich die Welt und die Idee des Buches zu sehr gefesselt haben, um „die eine“ Vorhersehbarkeit in irgendeiner Weise zu strafen. Mit allem anderen konnte mich der Autor überzeugen, überwältigen und mit seiner so anderen Erzählung abseits des Vampir-Stromes dennoch in bestimmter Weise auf diesen Mythos zurückgreifend begeistern: „Jäger der Nacht“, Reißzähne, sich von Fleisch und Blut ernährend, schneller wie ein Gepard, ausgeprägter Geruchssinn, übermenschliche Kraft, makelloses Aussehen… Sie sind die bösen, in der Überzahl und wir Hepras sind verloren.

Besonders erwähnenswert ist die besondere Art zu denken, die Gene sich angewöhnt hat (seinen Namen erfährt man übrigens erst auf Seite 210). Insbesondere im Klassenverbund oder als Gruppe der Jäger herrscht ein Zusammenhalt, ein Gruppengefühl, das Gene nicht mehr in Ich-, sondern in Wir-Form die Gefühle und das Handeln beschreiben lässt. Dies löst ganz spezielle Emotionen beim Lesen aus, auch ich war Teil dieses „Wir“s.

Der Schreibstil von Herrn Fukuda tat sein Übriges, mich durch die Seiten fliegen zu lassen, die Anspannung, entdeckt zu werden, schwingt in jeder Zeile der eigentlich leichtgängigen Worte mit. Und so ließ ich mich von einer Spannungswelle zur nächsten katapultieren, ehe diese über einen nervenaufreibenden Showdown in ein rundum gelungenes Ende mündet, das mich das Buch zufrieden zuklappen ließ und doch einen Ausblick gibt, der noch ein letztes Mal Gänsehaut heraufbeschwört und neugierig auf die Fortsetzung macht, die zum Glück bereits hier liegt.
Andrew Fukuda hat mich mit seinem Trilogie-Auftakt „Die Jäger der Nacht“ absolut überzeugt. Meine Begeisterung für die grandiose Gänsehaut-Atmosphäre des nicht-entdeckt-Werdens, den gelungenen Charakteren, der gut durchdachten Welt und der fesselnden Spannung kann ich nur in vollen 5 Büchern ausdrücken.

Wer Nervenkitzel in einer düsteren Welt sucht, ist hier genau richtig. Fantasy-Feeling gibt es inklusive.
1. Die Jäger der Nacht
2. Die Jäger des Lichts
3. Originaltitel: The Trap




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Kommentare:

  1. Ja du hast so recht =) Schon jetzt ein Jahreshighlight für mich

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    1. Für mich auch <3
      Einfach genial! Schade, dass es so wenig Beachtung bekommt - ich hoffe, das ändert sich mit dem zweiten Teil :-)

      Liebe Grüße
      Steffi

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  2. Das hört sich so gut an, ich will es lesen. Nur komm ich momentan mit dem Lesen-wollen nicht mehr hinterher xD

    Lg
    Micha

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    1. Schau Sonntag mal bei uns vorbei ;-)
      Aber lesen musst du es UN-BE-DINGT :-) Spannung pur!

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  3. Das war wirklich ein super Buch. Ich hatte es letztes Jahr in einem Rutsch in der Notaufnahme durch gelesen. Daher kann ich das Buch auch nicht vergessen. Am Samstag ist auch endlich der zweite Band eingetroffen und wird im Februar eines der ersten Bücher sein die ich lesen werde. Das Ende hat mich ja fast fertig gemacht :)

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    1. Ich konnte es auch nicht aus der Hand legen! Es war einfach genial! Band 2 übrigens auch - wünsche dir da ganz viel Spaß beim Lesen!

      Liebe Grüße

      Steffi

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  4. Hi! Schöne Rezension vorne weg .) Hat mich auf jeden Fall noch ein Stückchen neugieriger gemacht! Ich hatte "Jäger der Nacht" in der Buchhandlung auch schonmal in der Hand, fands auch ganz interessant, hab mich letztendlich aber doch für ein paar andere Bücher entschieden. Jetzt bereue ichs irgendwie, denn Story, Spannungsaufbau, Schreibstil und so klingen allesamt super! Wird also demnächst undbedingt gelesen! Und Band 2 (wie ich mich kenne) wahrscheinlich direkt hinterher :D

    Liebe Grüße
    Ningyo

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    1. Nach dem Ende von Band 1 folgt sicher ganz schnell Band 2 :-)
      Schau Sonntag mal bei uns vorbei, vielleicht könnte dies deine Entscheidung beeinflussen ;-)

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Steffi & Kay